Wirtschaftsressort „komplett überrascht“

Hachez-Abgang nach Polen: Kalt erwischt

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Ab 2020 wird es wohl keine Hachez-Schokolade mehr aus Bremen geben. Sie wird dann in Polen produziert. 

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Bremen bald ohne Hachez-Schokolade? Die angekündigte Verlagerung der Produktion hat nicht nur die rund 240 Mitarbeiter, sondern auch Politik und Gewerkschaft kalt erwischt, wie die Reaktionen am Donnerstag zeigten. „Das hat uns komplett überrascht“, sagte Tim Cordßen, Sprecher von Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD), auf Nachfrage. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kündigte Widerstand gegen die Pläne an und möchte Wege finden, das Traditionsunternehmen in Bremen zu halten.

Wie berichtet, möchte der dänische Mutterkonzern Toms die Schokoladenproduktion bis 2020 aus der Neustadt nach Polen verlagern. Dorthin waren bereits 2015 etwa 70 Jobs aus der Verpackung gewandert. Damals hatte es noch geheißen, die Produktion solle in Bremen bleiben. Toms hatte das 1890 vom belgischen Chocolatier Joseph Emile Hachez in Bremen gegründete Unternehmen 2012 von den damaligen Eigentümern Hasso Nauck und Wolf-Kropp Büttner übernommen. Schon damals hatten Kritiker befürchtet, dass es das Schokounternehmen wohl bald nicht mehr in Bremen geben werde.

Und so wird es voraussichtlich kommen. Bis 2020 sollen Schokolade und Pralinen (Hachez/Feodora) in Polen produziert werden, wo die Dänen Kapazitäten frei haben, wie es heißt. Nur ein paar Stellen für Marketing und Vertrieb sollen in der Neustadt bleiben. Eine „endgültige Entscheidung zum Produktionsstandort in Bremen“ ist für den Chef der Gruppe, Carsten Thomsen, damit aber noch nicht getroffen, wie er verlauten ließ.

Empört reagierte am Donnerstag die Gewerkschaft NGG, zumal man noch in den vergangenen Wochen mit Hachez über eine Verjüngung der Marke gesprochen habe, sagte Gewerkschaftssekretärin Iris Münkel. Die rund 240 Beschäftigten sollten nun für „jahrelange Fehler des Managements“ büßen. Die Arbeit der Beschäftigten sei „tadellos“ gewesen. Die Marken unter dem Hachez-Dach seien gut und hätten Potenzial für die Zukunft, die Auftragsbücher am Standort seien gut gefüllt, drückte Münkel ihr Unverständnis für die Pläne aus. Die NGG werde für den Standort kämpfen.

Kein Hinweis auf eine Verlagerung

Unverständnis auch im Wirtschaftsressort, zumal man noch Ende Januar mit dem neuen Hachez-Geschäftsführer Christian Strasoldo gesprochen habe. „Rein gar nichts“, so Tim Cordßen, habe auf die beabsichtigte Verlagerung der Produktion hingedeutet. Im Gegenteil, Strasoldo habe noch die Verbundenheit von Hachez mit Bremen betont. Es habe keinerlei Kritik am Standort gegeben, betonte Cordßen. Er ist daher überzeugt, dass die Gründe für die Verlagerung nicht standortbezogen sind. „Es geht offenbar ganz nüchtern um Konzern-Interessen. In Polen kann günstiger produziert werden.“ Die Entscheidungen würden offensichtlich nicht in Bremen, sondern beim Konzern in Dänemark getroffen. Das Ressort werde Gespräche mit Hachez führen, die Einflussnahme des Bremer Senats sei jedoch begrenzt, befürchtet Tim Cordßen.

Anders als FDP-Fraktionschefin Lencke Steiner sieht der Sprecher trotz des Weggangs von Coca Cola, Kellogg's und nun Hachez keinen Niedergang des Industriestandorts Bremen, sehr wohl aber einen Strukturwandel. Im Saldo gebe es in der Stadt 4000 neue sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. So sei die Entkoffeinierung zwar nicht mehr bei Kaffee Hag, aber dennoch in Bremen geblieben.

Claudia Bernhard von den Linken fasste das Thema Hachez so zusammen: „Es ist immer das Gleiche: Erst wird die Eigentumsstruktur internationalisiert, dann werden Betriebsteile verlagert, und am Schluss steht der ganze Standort infrage.“

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