„Habt Ihr die Choreographie?“ 

Bundespräsident Steinmeier in Bremen: Wandelhalle, Senatssaal, Mittelhalle

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Bürgermeister Carsten Sieling empfängt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l.) und Elke Büdenbender.

Bremen - Von Jörg Esser. Uniformierte Polizisten patrouillieren auf Marktplatz und Domshof. Vor dem Rathaus und dem Haus der Bürgerschaft liegen rote Teppiche – verhüllt unter Schneeschutz. Der Weg zwischen den Gebäuden ist mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Schreiber, Fotografen und Kamerateams stehen derweil Schlange – für den ersten Sicherheitscheck am Hintereingang des Rathauses. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender werden zum Antrittsbesuch im Land Bremen erwartet.

Es ist unruhiger als üblich im Rathaus. Sicherheitskräfte in Zivil haben alles im Blick. Kamerateams und Fotografen formieren sich an der Treppe. Und vor einem Schreibtisch, auf dem das Goldene Buch der Hansestadt drapiert liegt. 

Die Zeit schreitet voran. Viertel nach zehn. Laut Protokoll soll der Bundespräsident jetzt vorfahren. Es wird kalt und zugig. „Das ist ein gutes Zeichen“, sagt ein Kollege. Die Ankunft des Staatsoberhaupts kündigt sich fühlbar an. Janina Barsch und Cennet Köhler, zwei junge Auszubildende zur Restaurantfachfrau, sowie weitere Rathaus-Angestellte platzieren sich auf der Treppe. Wunderbare Plätze mit freier Sicht.

Steinmeier schreibt sich ins Goldene Buch

Und dort schreitet Steinmeier die Stufen hoch. „Guten Morgen“ hallen Rufe durchs Haus. Der Präsident winkt, lächelt und geht schnurstracks zu besagtem Schreibtisch – Protokollpunkt: Presse- und Bildposition „Wandelhalle“. Steinmeier sitzt. Und wird von Elke Büdenbender und Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) flankiert. „Ein Schritt nach links.“ „Näher ran.“ Langsam passt die Position. „Habt Ihr die Choreographie?“, fragt der Bundespräsident. Und schreibt seinen Namenszug ins Goldene Buch. Seine Frau folgt dem Beispiel.

Bürgerschaftspräsident Christian Weber zeigt Bundespräsident Steinmeier ein Gemälde des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Das Gemälde stammt vom Maler Manfred Jürgens, hängt dort seit 2013 und ist das letzte autorisierte Porträt von Schmidt.

Weiter geht’s. Die erweiterte Senatsriege hat sich zur Achterkette formiert – und Regierungschef Sieling präsentiert nacheinander Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne), Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD), Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne), Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD), Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD), Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), Staatsrätin Ulrike Hiller (SPD) und Olaf Joachim, Chef der Senatskanzlei. Kurze Plaudereien. Dem Vernehmen nach dreht es sich um Rodelmöglichkeiten in Bremen. Dann geht es in den Senatssaal – zunächst zum nächsten Fototermin. Dann lässt sich Steinmeier berichten, „was Bremen bewegt“.

„Machen statt meckern“

Draußen auf Domshof und Marktplatz beobachten bei Schneeschauern nur einige Schaulustige die Szenerie mit Limousine, Polizeieskorte und so weiter. Für Steinmeier und Büdenbender folgt die nächste Etappe. Im Haus der Bürgerschaft wartet unter anderem Parlamentspräsident Christian Weber.

„Logenplatz“: Janina Barsch (l.) und Cennet Köhler warten an der Treppe auf die Ankundt des Bundespräsidenten.

„Gästebuch Mittelhalle“ heißt es im Protokoll. Steinmeier trägt sich ins nächste Goldene Buch ein. Auf den Abgeordnetenplätzen haben derweil 83 engagierte junge Leute Platz genommen. Sie diskutieren mit dem Staatsoberhaupt über politisches Engagement – eine knappe Stunde lang. Projekte werden präsentiert. Ein Schüler sagt: „Diese Demokratie ist durch Populismus und Desinteresse in Gefahr geraten.“ Steinmeier sagt, er habe die Devise „Machen statt meckern“. Es sei wichtig, aus der Sofaecke wegzukommen. „Politik beginnt dort, wo Schüler anfangen, sich um andere zu kümmern.“

Pause. Am frühen Nachmittag nehmen Steinmeier und Büdenbender die nächste Etappe. Sie besuchen das Haus Schütting, die Schaltzentrale der bremischen Kaufmannschaft. Handelskammer-Präses Harald Emigholz, Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Fonger und Lutz Oelsner, Präsident der Unternehmensverbände im Land Bremen, sowie Ausbilder, Prüfer und Auszubildende empfangen den ersten Mann im Staat. Das Tagesfinale am Abend geht wieder im Rathaus über die Bühne: Zu einem Empfang zu Ehren des Bundespräsidenten sind zahlreiche Ehrenamtliche geladen.

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