Gutachten: Blut und Schuhabdrücke

Spurenauswertung im „Silvester-Prozess“

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Wegen gemeinschaftlichen Totschlags angeklagt: Hayat G. (vorne, v. l.), Hayrettin G. und Sipan G.. Hinten die Anwälte.

Bremen - Von Steffen Koller. Im Prozess um den gewaltsamen Tod eines 15-Jährigen in der Silvesternacht 2016/2017 wurde die Beweisaufnahme am Donnerstag vor dem Landgericht mit der Verlesung mehrerer Gutachten fortgesetzt.

Im Kern ging es um Schuhabdrücke und Blutspuren, die an der Kleidung des getöteten syrischen Flüchtlings Odai K. gefunden wurden. Die drei Angeklagten sollen den Jungen in der Neujahrsnacht so schwer misshandelt haben, dass er eine Woche später im Krankenhaus starb.

Ermittler stellten kurz nach dem Tod des 15-Jährigen seine Kleidung sicher und fanden an der Jacke Haare und Blutspuren. Diese stammten laut chemischer Untersuchung aber weder von den drei Angeklagten – den türkischstämmigen Hayat G. (36), seinem jüngeren Bruder Hayrettin G. (25) und dem gemeinsamen Neffen Sipan G. (16, Deutsch-Armenier), die sich seit Mitte vergangenen Jahres wegen gemeinsamen Totschlags verantworten müssen –, noch vom Opfer selbst, heißt es im Bericht. Das Blut, das am Fellkragen der Kapuze gefunden wurde, sei „mehreren unbekannten Personen“ zuzuordnen.

Am rechten Ärmel der Jacke, führt das Gutachten weiter aus, wurden „Anhaftungen sichergestellt, bei denen nicht auszuschließen ist, dass es sich dabei um Schuhabdruckspuren handelt“. Laut Anklage traten und schlugen die Männer mehrfach auf Odai K. ein, auch eine Whiskyflasche soll dem Jungen auf den Kopf geschlagen worden sein. Nach einem vorangegangenen Streit soll sich Odai K. in ein türkisches Café an der Lüssumer Heide (Blumenthal) geflüchtet haben. Dort passierte laut Staatsanwaltschaft die tödliche Attacke.

Insgesamt 22 Paar Schuhe der Angeklagten wurden nach Durchsuchungen der Wohnungen und der Gefängniszellen sichergestellt und die Schuhsohlen mit den Anhaftungen an der Kleidung des Jungen verglichen. In 21 Fällen gab es laut Gutachten keine Übereinstimmung, somit sei „ausgeschlossen“, dass diese Schuhe die Muster verursacht hätten.

Bei einem Schuh, der Hayat G. gehöre, könne weder bestätigt, noch ausgeschlossen werden, dass der Schuh die Spuren verursacht habe, so das Ergebnis der Untersuchung. Der Prozesstag war nach einer Stunde wieder beendet. Mit der Vernehmung zweier Zeugen soll der Prozess am Mittwoch, 14. März, fortgesetzt werden. Weitere 19 Verhandlungstage sind bis Mitte Juni angesetzt.

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