DLR-Forscher züchtet in weltraumähnlichen Bedingungen der Antarktis Gemüse

Gurken aus dem ewigen Eis

Der kanadische Student Connor Kiselchuck präsentiert Gurken im Modell-Gewächshaus des „Eden-ISS“-Projektes. Noch steht es auf dem Gelände des DLR im Bremer Technologiepark, zum Jahresende wird es in der Antarktis errichtet. - Foto: Reineking

Bremen - Von Viviane Reineking. Frische Gurken, Tomaten und Radieschen wachsen demnächst in der lebensfeindlichen Antarktis: In einem neuartigen Gewächshaus des „Eden-ISS“-Projektes wird der Bremer Wissenschaftler Paul Zabel vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) ab Dezember ein Jahr lang Gemüse züchten. Die Langzeiterprobung diene der Vorbereitung auf künftige Missionen im Weltall und zum Mars, hieß es am Freitag bei der Vorstellung des Projektes.

Frisches Obst und Gemüse ist selten zu finden auf dem Speiseplan der Crew, die auf der Forschungsstation „Neumayer III“ in der Abgeschiedenheit der Antarktis überwintert. Einmal pro Jahr, etwa um Weihnachten herum, wird die Besatzung mit Proviant versorgt. „Etwa 60 Tonnen Lebensmittel und Getränke werden mit dem Schiff angeliefert“, sagt der langjährige Stationsleiter Eberhard Kohlberg vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI), das die Station betreibt und das „Eden-ISS“-Projekt unterstützt.

Gibt es in der Sommersaison von November bis Februar noch regelmäßig frischen Nachschub, ist die Besatzung im antarktischen Winter von Ende Februar bis Ende Oktober – dann sind es statt bis zu 50 Menschen nur noch neun – vollkommen isoliert. Auf knackigen Salat und schmackhafte Erdbeeren müssen die kommenden Überwinterer aber nicht verzichten, denn Zabel sorgt mit seinem Gemüse für Abwechslung auf den Tellern.

Der 30-Jährige zieht im Dezember für ein Jahr zur kleinen Crew in die Antarktis, um das Gewächshaus in einer Langzeiterprobung zu testen. Ziel ist es, unter weltraumähnlichen Bedingungen Pflanzen zu ziehen, die auf der ISS und langen Weltraummissionen etwa zum Mars die Verpflegung der Astronauten ergänzen können. In einem geschlossenen System ohne Erde und Sonnenlicht, dafür mit künstlicher LED-Beleuchtung und computergesteuert besprüht mit einem Wasser-Nährstoffgemisch, will der DLR-Forscher das frische Grün ziehen – Gemüse, das schnell verderblich ist und nicht auf Vorrat gelagert werden kann.

Etwa fünf Kilogramm an Ertrag erhoffen sich die Wissenschaftler um Daniel Schubert. Der „Eden-ISS“-Projektleiter erklärt, warum Pflanzen eine große Bedeutung auf Langzeitmissionen haben: „Sie dienen als frische Nahrung sowie der Gewinnung von Sauerstoff und Wasser in Trinkwasserqualität. In ferner Zukunft könnten aus ihnen außerdem Bioplastik-Geräte hergestellt werden.“ Nicht zuletzt seien sie auch für das „Well-being“, also für die psychische Gesundheit, wichtig.

Bevor es für das Gewächshaus im Oktober auf die Schiffsreise Richtung Antarktis geht, testen Zabel und seine Kollegen „Eden-ISS“, das in einem 40-Fuß-Container untergebracht ist, auf dem Gelände des DLR im Technologiepark an der Universität.

In der antarktischen Abgeschiedenheit angekommen, baut ein Forscherteam das Gewächshaus von Dezember bis Februar auf einer Plattform in 400 Meter Entfernung zur Neumayer-Station auf dem Ekström-Schelfeis auf. Im Januar könnten die Pflanzen ausgesät werden, ab Februar dann wird Zabel alleinverantwortlicher „Gärtner“ sein. Dafür ging der Luft- und Raumfahrtingenieur eigens bei einem niederländischen Betrieb in die „Lehre“, lernte Pflanzen zu pflegen, zu ernten und zu vermessen. Zur Vorbereitung auf seinen Einsatz in mit bis zu minus 50 Grad eisiger Umgebung absolviert er außerdem noch einen Bergkurs, um sich später auf dem antarktischen Eis bewegen zu können.

Die Erkenntnisse aus dem Projekt, das von der Europäischen Kommission gefördert wird, sollen nicht nur bei Raumfahrtmissionen helfen, Astronauten mit frischem Gemüse zu versorgen. Sie seien auch im Hinblick auf eine steigende Weltbevölkerung und klimatische Veränderungen für die gesamte Ernährungssituation auf dem Planeten Erde bedeutsam, so Hansjörg Dittus, DLR-Vorstand für Raumfahrtforschung.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Diese Dinge sollten Sie aus Ihrem Wohnzimmer entfernen

Diese Dinge sollten Sie aus Ihrem Wohnzimmer entfernen

Einzelkritik: Pavlenkas bestes Spiel

Einzelkritik: Pavlenkas bestes Spiel

Er wiegt 131 Tonnen! Schwertransporter rutscht in Straßengraben

Er wiegt 131 Tonnen! Schwertransporter rutscht in Straßengraben

Kriegsszenen in Rio: Militär besetzt Favela

Kriegsszenen in Rio: Militär besetzt Favela

Meistgelesene Artikel

Gewalttätige Handy-Räuber bei Tat beobachtet und festgenommen

Gewalttätige Handy-Räuber bei Tat beobachtet und festgenommen

23-Jähriger durch Tritte gegen den Kopf schwer verletzt

23-Jähriger durch Tritte gegen den Kopf schwer verletzt

Margaretha Meinders: Heldin auf hoher See

Margaretha Meinders: Heldin auf hoher See

12-Jähriger wird von fünf Jugendlichen ausgeraubt

12-Jähriger wird von fünf Jugendlichen ausgeraubt

Kommentare