„Gucken, riechen, schmecken“

Aktionstag gegen Lebensmittelverschwendung auf dem Bremer Marktplatz

Funda Klein-Ellinghaus (v. l.), Barbara Stadler und Michael Heise vom Verein „Slow Food Bremen“ kochten saisonale Gerichte aus Lebensmittelresten. - Fotos: Reineking
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Funda Klein-Ellinghaus (v. l.), Barbara Stadler und Michael Heise vom Verein „Slow Food Bremen“ kochten saisonale Gerichte aus Lebensmittelresten.

Bremen - Von Viviane Reineking. Gekeimte Zwiebeln, die im (Bio-)Müll landen, Produkte, die nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) automatisch entsorgt werden, Obst und Gemüse, das nicht mehr gegessen wird, weil es nicht mehr schön aussieht – rund 18 Millionen Tonnen Essbares wird nach Angaben des Vereins „Slow Food“ pro Jahr in Deutschland weggeworfen. Die Wertschätzung für Lebensmittel zu erhöhen und ihre Verschwendung zu verringern, ist Ziel eines Aktionstages am Mittwoch auf dem Bremer Marktplatz.

Es duftet nach Gemüse inmitten der Bremer City. Barbara Stadler, Köchin aus Martfeld und „Slow-Food“-Mitglied, kocht für die Besucher – aus Lebensmittelresten vom Naturkost-Kontor Bremen, einem Großhandel für Bio-Produkte. Es gibt Gemüsesalat aus Spargelresten mit Safran, eine Gemüsebouillon mit Zwiebelüberbleibseln und „Porree, der nicht mehr so hübsch aussieht“. In ihrer Hand hält die 58-Jährige eine gekeimte Zwiebel. Sie würde wohl in den meisten Haushalten im Müll enden, so die Köchin, dabei sei das Grün doch „bestes Frühlingslauch“.

„Teller statt Tonne“, unter diesem Motto beteiligt sich der Bremer Ableger des Vereins „Slow Food“ an der Aktion von Gesundheits- und Verbraucherschutzsenatorin Eva Quante-Brandt (SPD). Auch die Bremer Tafel und die „Bremer Suppenengel“ sind mit dabei. „Ablaufende Lebensmittel oder Überproduktionen sollten nicht weggeschmissen werden – sie lassen sich zu wohlschmeckenden Mahlzeiten ,veredeln‘ und werden dankbar von Menschen angenommen, die sich ein solches Essen sonst kaum leisten können“, so Peter Valtink von den „Suppen-engeln“.

Mit einem Trecker auf dem Bremer Marktplatz: Frank Imhoff (l.) und Hilmer Garbade vom Bremischen Landwirtschaftsverband.

Stadler klärt unterdessen Interessierte über falsche Lebensmittelmythen auf. Ausgekeimte Kartoffeln seien – ohne Keimansätze und grüne Stellen – durchaus noch genießbar, Spinat dürfe wieder aufgewärmt werden.

Großes Thema bei Lebensmitteln außerdem: das MHD. „Wir wollen den Menschen die Angst vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum nehmen“, sagt Gottfried Voß vom Naturkost-Kontor. Lieber solle man gucken, riechen und schmecken, ob ein Produkt noch essbar sei. Das MHD sei nur ein Richtwert, so Voß. Bis zu diesem Datum garantiert der Hersteller bei korrekter Lagerung etwa Geschmack, Geruch und Farbe seines Produktes. Viele Verbraucher wüssten das nicht, sagt Voß. „Und die Lebensmittelindustrie will natürlich, dass Ware nachgekauft wird.“

Tipps zur richtigen Lagerung von Lebensmitteln gaben Theodora Plate und Gertraud Huisinga von der Verbraucherzentrale. „Fleisch und Wurstwaren gehören auf die Glasplatte nach unten in den Kühlschrank“, so die Ernährungsexpertinnen. Brot dagegen trockne bei Kälte aus, Tomaten schmeckten bei Zimmertemperatur aromatischer.

Weggeworfene Lebensmittel machen der Behörde für Verbraucherschutz zufolge rund ein Drittel der produzierten Lebensmittel für Deutschland aus. Damit seien alle produzierten Nahrungsmittel bis Ende April sprichwörtlich für die Tonne gewesen, heißt es. „Es ist Zeit, verbindliche Zielvorgaben für die Vernichtung von Lebensmitteln in Deutschland und in Europa zu formulieren. Ich begrüße daher, dass die Europäische Union im Rahmen einer Richtlinie die verbindliche Reduktion der Lebensmittelverschwendung von 50 Prozent bis 2030 plant.“

„Kein Widerspruch“ ist es für Frank Imhoff, Hilmer Garbade und Eckart Hoehne vom Bremischen Landwirtschaftsverband, dass sie sich als Produzenten gegen Lebensmittelverschwendung engagierten. Mit einem großen Trecker samt Anhänger warben sie auf dem Marktplatz dafür, regionale Produkte zu kaufen. „Die stammen aus der Gegend und werden nicht um die ganze Welt gefahren.“

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