„Bauen für Bremen – Architektur in der Hansestadt“: Die Marterburg im Schnoor

Ein Gruß der Postmoderne

Bunt, verspielt, voller Details – die Marterburg-Bebauung. ·
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Bunt, verspielt, voller Details – die Marterburg-Bebauung. ·

Bremen - Von Thomas KuzajDie einen sagen so, die anderen sagen so. Diese lakonische Weisheit trifft immer dann besonders zu, wenn sich die vielzitierten Geister scheiden – wie zum Beispiel an der Marterburg im Schnoorviertel. Die einen finden die bunten Häuser dort ganz wunderbar, die anderen finden sie ganz schrecklich.

Gleichgültig sind sie kaum jemandem. Fröhlich, verspielt und unkonventionell nennen manche das Ensemble und freuen sich über die bunt angestrichenen Fassaden, die voller Details und gar Gags stecken. Durch die Kleinteiligkeit des Ensembles werde der Charakter des historischen Schnoors aufgegriffen, zitiert und in die Gegenwart übertragen. Postmoderner Schnickschnack an der Grenze zum Kitsch, sagen andere. Geschmack- und stillos, ‘ranschmeißerisch, schlicht und einfach unerträglich.

Postmodern? Ja, die Ursprünge dieser Marterburg-Bebauung liegen in den 70er und 80er Jahren, als die Postmoderne geradezu populär war. Kaum waren die ersten der bunten Häuser fertig, erschienen Fotos in überregionalen Zeitschriften – und Stadtführerinnen nahmen das Ensemble in ihre Rundgänge auf. Die zeitliche Herkunft ist dem Ensemble tatsächlich anzusehen. 80er Jahre – diese Assoziation hat der Besucher heute sofort. Ein fröhlicher Gruß aus einem Jahrzehnt, das viel Wert auf Gestaltung und äußere Erscheinung legte. Und auf ironische Gesten.

Die Bremer Architekten Thomas Klumpp und Wolf ram Goldapp hatten die Marterburg-Bebauung erdacht. Sie erstreckt sich über den Bereich Kolpingstraße, Komturstraße, Ostertorstraße und – eben – Marterburg. Das Areal ist das Verbindungsstück zwischen Schnoor-Viertel und Altenwall. Besonders zum Altenwall hin ist das Quartier auch von etlichen Bürobauten geprägt, die nicht gerade gestalterische Hochspannung verbreiten. Auch auf diese nüchterne Nachbarschaft reagierten Gol dapp und Klumpp, indem sie ihr etwas Verspieltes entgegensetzten. Die ersten der Bauwerke entstanden ab 1979, die letzten Gebäude waren 1996 fertig.

„Die 27 Häuser enthalten unten Läden oder Büros, teils eng verknüpft mit der unteren Wohnung, die sich im ersten Obergeschoss fortsetzt“, heißt es im Internet-Architekturführer des Bremer Zentrums für Baukultur (BZB). „Darüber liegt eine weitere zweigeschossige Wohnung mit einem separaten Zugang, der teilweise über eine Außentreppe erfolgt.“ Das Gestaltungskonzept sei als „pseudoindividualistische Kulissenarchitektur“ kritisiert worden. Doch: „Ungeachtet solcher fachlicher Bedenken erfreuen sich die skurrilen Häuser bei Bremern und Besuchern großer Beliebtheit.“ Die einen sagen so, die anderen sagen so.

Weitere Bauten Klumpps bestätigten den Mut des Architekten, durchaus frei von Konventionen zu denken und dabei Populäres zu schaffen – bestes Beispiel dafür ist das Universum  Science Center. Der „Wissenschafts-Wal“ in Universitätsnähe wurde im Jahr 2000 eröffnet und gilt inzwischen als ein Wahrzeichen Bremens.

Ebenfalls von Thomas Klumpp stammt das Congress Centrum auf der Bürgerweide. Postmoderne pur, eröffnet allerdings zu einem Zeitpunkt, als die Richtung schon außer Mode gekommen war – 1993.

http://www.klumpp.us

http://www.architekturführer-bremen.de

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