SPD, Grüne und Linke unterzeichnen Koalitionsvertrag

Grüne Kulis, schwarze Tinte

Gute Laune bei der Unterschriften-Aktion im Schnoor: Andreas Bovenschulte und Sascha Aulepp (Mitte) von der SPD und die Grünen-Politikerin Maike Schaefer unterzeichnen den neuen Koalitionsvertrag. Foto: DPA/BAHLO

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Bitte unterschreiben Sie hier: Vertreter von SPD, Grünen und Linken haben am Dienstagvormittag den rot-grün-roten Koalitionsvertrag unterzeichnet. Das hätten sie natürlich irgendwo unter sich machen können. Inszeniert wurde die Prozedur aber als kamerafreundliches Spektakel im Presseclub (Schnoor). Das Haus der Bürgerschaft, wo vor vier Jahren noch der rot-grüne Vertrag unterschrieben wurde, ist gegenwärtig geschlossen, weil das Gebäude saniert wird.

Nun also gibt‘s im Schnoor was zu sehen, und tatsächlich drücken sich ein paar Passanten an den Presseclub-Fensterscheiben die Nasen platt. Sie blicken auf einen langen Tisch mit weißer, nicht ganz faltenfreier Decke. An diesem Tisch haben auf grauen Stühlen sieben Personen nebeneinander Platz genommen: Bremens designierter Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) und SPD-Chefin Sascha Aulepp, die designierte Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) mit den Grünen-Parteichefs Hermann Kuhn und Alexandra Werwath sowie zwei Linke: Kristina Vogt, die zukünftige Wirtschaftssenatorin, und Landessprecherin Cornelia Barth. Vor dem Tisch drängeln und tummeln sich Fotografen und Kameraleute.

Auf dem Tisch liegen Werbe-Kulis von den Grünen bereit – die Hülle laut Aufschrift aus „100 Prozent Recyclingpapier“. Jeder der sieben Parteivertreter muss zwölf Ausfertigungen der Koalitionsvereinbarung unterzeichnen. Jede Partei bekommt anschließend vier Exemplare. Es wird also ganz gerecht geteilt.

Bovenschulte fängt an, greift aber nicht zu einem Grünen-Kuli, sondern nimmt einen roten Stift, den Aulepp mitgebracht hat. „Ich freue mich auf vier erfolgreiche und spannende Jahre“, sagt der frühere Weyher Bürgermeister und fügt an: „Hoffentlich nicht zu spannend.“

Aulepp spricht von der „Strahlkraft“, die sie sich von der rot-grün-roten Zusammenarbeit erhofft. Schaefer sagt, sie unterschreibe „total gern“, Kuhn wünscht der neuen Koalition „immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel“, Werwath spricht von einem „Aufbruch für unser Land“. Vogt sagt, das Bündnis werde „wichtige Weichen für Bremen stellen“, Barth freut sich darauf, „gesellschaftliche Teilhabe für mehr Menschen zu erwirken“.

Die Leute draußen am Fenster können all das natürlich nicht hören, manche sind auch schon weitergegangen. Bovenschulte greift im Eifer des Gefechts doch noch zu einem der Grünen-Kulis, wundert sich aber gleich über die Farbe, die da rauskommt: „Grüne Kugelschreiber mit schwarzer Tinte.“ Während Kuhn bemerkt: „Bei einer Zwei-Parteien-Koalition geht’s schneller.“ Dann aber ist es vollbracht, alle haben mehrfach ihren Namen geschrieben – und Bovenschulte sagt nach seiner letzten Unterschrift entschlossen: „So!“

Es folgt das obligatorische Mit-Vertrag-Posieren für die Fotografen und Kameraleute. „Sie müssen echt eng zusammenrücken“, bittet ein Fotograf. Der Wunsch wird erfüllt, alle zeigen ihr schönstes Zahnpastalächeln, Bovenschulte schenkt sich anschließend ein Glas Mineralwasser ein.

Am Donnerstag wählt die Bürgerschaft (in ihrem Ausweichquartier, dem Festsaal des Rathauses) den neuen Bremer Senat. Ein rot-grün-rotes Regierungsbündnis aus SPD, Grünen und Linken ist eine politische Premiere in einem westdeutschen Bundesland. Koalitionen aus SPD, Grünen und Linken regieren gegenwärtig in Thüringen und Berlin.

In Bremen hatten sich die drei Parteien Anfang Juli auf den 140 Seiten umfassenden – und nun eben: von sieben Personen zwölffach unterzeichneten – Vertrag verständigt. Wegen der Sommerpause wurde er erst jetzt unterschrieben.

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