Jubiläum: 125 Jahre elektrischer Linienbetrieb

Historische Straßenbahn: Das Grün für Wagen 49

Gerd Borcherding (l.) und Wolfgang Lukaschewsky präsentieren Wagen Nummer 49. „Molly“ ist jetzt im originalgetreuen Grünton lackiert worden. Dem gingen intensive Recherchen voraus. - Foto: Kuzaj

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Den richtigen Ton zu treffen, darauf kam es an. Den richtigen Grünton nämlich. Wie hat er ausgesehen damals, anno 1900, als Bremens älteste erhaltene Straßenbahn ihre Runden im Liniendienst drehte? Nun, die Freunde der Bremer Straßenbahn haben es herausgefunden. Am Donnerstag präsentierte der Verein die frisch restaurierte historische Bahn auf der Wendeschleife vor dem Bürgerpark.

Anlass: 125 Jahre elektrischer Linienbetrieb in Bremen. Wagen Nummer 49 glänzt im Sonnenlicht und ist historisch beschildert – ganz so, als würde er noch immer zwischen Horn und der Börse (am Markt) pendeln. Lackiert ist die Bahn in einem olivgrünen Farbton.

Ein Ton, der den geradezu detektivisch genauen Recherchen von Gerd Borcherding zu verdanken ist. „In einem Parzellengebiet in Walle habe ich einen zwölf Jahre älteren Wagen gefunden, eine Pferdebahn“, berichtet der zweite Vorsitzende der Straßenbahnfreunde. Und bei der Pferdebahn von 1888 fanden sich auch Plattformbleche mit Farbfragmenten, die Schicht für Schicht untersucht wurden. Bis das Grün zum Vorschein kam – und siehe da: die bisherige Lackierung des Wagens Nummer 49 war etwas zu hell ausgefallen. Die Farbe war 1962 bei der ersten Restaurierung nach Erinnerungen von Zeitzeugen angemischt worden.

An alten Fotografien konnte man sich ja nicht orientieren – um 1900 hat es ja noch keine Farbbilder gegeben. Nun aber, nach Borcherdings Parzellenfund, wurde ein neues Grün angemischt. Wagen Nummer 49, „Molly“ genannt, ist dem Originalzustand damit nun wieder deutlich näher gerückt. Lackiert wurde „Molly“ jetzt mit der Hilfe von Auszubildenden der Bremer Straßenbahn AG (BSAG).

Praktische Hinweise auf „Mollys“ Scheiben. Fahrgäste stiegen damals auch noch nicht aus, sondern „ab“.

Wieso eigentlich „Molly“? Das ist nicht bekannt, sagt Borcherding. Der Kosename aber scheint nicht aus den Originalzeiten der alten Straßenbahn zu stammen, denn: „Der Begriff taucht erst in den 70er Jahren auf.“

Wagen Nummer 49 stammt aus einer Serie von 147 Fahrzeugen, die die Bremer Straßenbahn AG in der Zeit von 1900 bis 1907 in eigener Regie produziert hat. Gebaut wurden sie in der von der Großen Bremer Pferdebahn übernommenen Werkstatt Walle, später auch in der Hansastraße. Die Holzsitzbänke waren in Längsrichtung angeordnet, so dass auf jeder Wagenseite zwölf Fahrgäste Platz fanden. Eine Heizung gab es bis zum Anfang der 20er Jahre nicht. 1921 wurden die bis dahin offenen Plattformen durch Schiebetüren und Fenster verschlossen, wodurch das Fahrpersonal nicht mehr Wind und Wetter ausgesetzt war. Und das ist im Bremer Klima ja schon mal ein Fortschritt.

Ein Fortschritt war ja auch die Einführung des elektrischen Linienbetriebs am 1. Mai 1892 – auf der Strecke von der Börse über Hauptbahnhof und Schwachhausen bis nach Horn (Berckstraße).

Zum Jubiläum bieten die Straßenbahnfreunde jetzt einenTag mit historischen Bahnverkehr an – am Sonntag, 30. April, und zu den VBN-Tarifen der Gegenwart. Museumswagen der Baujahre 1900 (genau: „Molly“) bis 1967 fahren dann auf der historischen Strecke nach Horn. Allerdings nicht von der Börse aus, die gibt es ja nicht mehr, sondern ab Domsheide. Die Fahrzeuge sind etwa zwischen 12 Uhr und 17 Uhr im Einsatz. Sie bedienen unterwegs alle Haltestellen.

Die Abfahrtzeiten stehen im Internet unter www.fdbs.net

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Thomas Delaney: Seine Karriere in Bildern

Thomas Delaney: Seine Karriere in Bildern

Erdbeben auf Ischia: Hier wird der kleine Mattias gerettet

Erdbeben auf Ischia: Hier wird der kleine Mattias gerettet

Erinnerung an den Krieg: Sarajevos "Tunnel des Lebens"

Erinnerung an den Krieg: Sarajevos "Tunnel des Lebens"

Pebble Beach: Autoneuheiten beim Oldtimergipfel

Pebble Beach: Autoneuheiten beim Oldtimergipfel

Meistgelesene Artikel

Friedens-Buddha in Botanika: Kein Platz für negative Energie

Friedens-Buddha in Botanika: Kein Platz für negative Energie

„Tag der offenen Tür“ bei Radio Bremen: Ansturm im Funkhaus

„Tag der offenen Tür“ bei Radio Bremen: Ansturm im Funkhaus

SPD-Chef Martin Schulz: Tourstart auf dem Bremer Marktplatz

SPD-Chef Martin Schulz: Tourstart auf dem Bremer Marktplatz

Bremen: Gaffer behindern Rettungskräfte

Bremen: Gaffer behindern Rettungskräfte

Kommentare