„Mein Kunst-Stück“ mit Karin Kallfels

„Été“ vermischt Gefühle und Erlebtes

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Eine Erinnerung aus Jugendzeiten: Kallfels‘ Bild „Été“ zeigt eine Sommerszenerie.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Été“ (frz. „Sommer“) heißt Karin Kallfels‘ Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Im großen Format zeigt es eine Erinnerung aus ihrer Jugend. Diese Eindrücke fügt die Malerin zu einem komplexen Bild zusammen.

Karin Kallfels beginnt ihre Bilder mit wasserlöslicher Acrylfarbe. Die trocknet schnell. Dann arbeitet die Künstlerin in ihrem Bremer Atelier mit Öl weiter. „Öl hat eine andere Konsistenz, da kann man schön in die Tiefe gehen. Das liebe ich“, sagt Kallfells.

Das Bild gehört zu einer Reihe von Werken, die Szenen aus den 70er Jahren zeigen: eine Sommerfeier, einen Spaziergang im Wald, einen Silvesterabend. Während des Malprozesses kommen Fragen auf. Wie waren die Farben damals? Welche Form hatten die Flaschen? Wie war die Stimmung?

Die dargestellten Szenen wirken fragmentarisch und collagenartig. „Das zeigt die Vermischung von Gefühlen, Gedanken und Erlebtem. Sie überschneiden und überlagern sich in der Erinnerung“, sagt Kallfels. Das Malen bleibe intuitiv. „Man tritt zurück, überlegt, was man jetzt machen muss und reagiert auf das bereits Vorhandene, wenn man weiterarbeitet“. Durch ständiges Erneuern, Abkleben und Übermalen entstehe ein spannungsreiches Bild voller Details.

Kallfells malt gern in großen Formaten. Am liebsten ist es ihr, wenn sie mit einem großen Pinsel arbeiten und richtig kräftig in die Leinwand „hineingehen“ kann. Die Vorbereitung der Leinwand und des Rahmens nimmt die Künstlerin selbst vor. Hinter die Leinwände setzt sie eine Platte für mehr Stabilität. Dass die Formate nicht noch größer werden, liegt an dem eher kleinen Atelier in der Überseestadt.

Für Kunst begeistert sich Kallfels schon ihr Leben lang. Es war ihr liebstes Schulfach und sie war darin sehr gut. Die Eltern zeigten sich wenig begeistert darüber, als ihre Tochter nach der Schule Kunst studieren wollte. Dennoch bewarb sich Kallfels neben ihrem Soziologiestudium an der Kunsthochschule, an der sie schließlich angenommen wurde. 

Disziplin während des künstlerischen Tags

Den künstlerischen Alltag verbringt Kallfels diszipliniert. „Da ich nicht so viel Zeit habe, arbeite ich vormittags und sehr effizient.“ Gerne hört sie dabei klassische Musik oder ein Hörspiel. „Hätte ich mehr Zeit, wäre ich auch mal nachmittags im Atelier, und vielleicht auch mal mit einem Glas Wein“. Doch wie viele Künstler, arbeitet Kallfels nebenbei. „Es ist sehr schwer, von der Kunst zu leben.“ Die größte Herausforderung des Künstlerlebens aber sei es, ein gutes Bild zu erschaffen. Das heißt, es so umzusetzen, wie man es sich vorstellt.

Ob wir Kunst brauchen? – „Ja, auf jeden Fall“, meint Kallfels. „Sie unterscheidet sich von allem, was wir sonst so haben und bietet einen gefilterten Blick auf den Alltag. Sie verfügt über eine viel breitere Möglichkeit der Darstellung als beispielsweise die Fotografie.“

Zu den Künstlern, die für Kallfels besonders bedeutend sind, zählen der spanische Maler Diego Velázquez (1599 bis 1660) und der Schweizer Bildhauer und Maler Alberto Giacometti (1901 bis 1966). Auf Velázquez stieß Kallfells in der Hochschulzeit und bewundert, wie der Maler den Porträts von Adeligen des Hofes seine ganz eigene Handschrift verlieh. Giacometti hingegen sei ein genialer Bildhauer, findet Kallfels. In seine schlanken Figuren, seine Zeichnungen und Bilder habe sie sich verliebt.

Wenn Kallfels jemandem ein Bild schicken sollte, dann ginge eines aus der 70er-Jahre-Serie an die Partei „Die Grünen“. Es würde die Frage stellen, wo die Ziele der Partei geblieben sind. „Aus guten Zielen wurde durch falsche Umsetzung genau das Gegenteil“, sagt Kallfels. „Zum Beispiel förderten Bio-Ethanol und Biogas den Maisanbau, das Dosenpfand gab Einwegplastikflaschen Vorschub, die Umweltplakette kurbelte die Verkaufszahlen für Neuwagen an – und dann gibt es noch die giftige Energiesparlampe . . .“

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