Zellbiologin erforscht Transport und Wirkung von Schilddrüsenhormonen

Großer Einfluss auf Organe

Das Bild zeigt am Beispiel des Schilddrüsengewebes einer Maus das wichtige Transportprotein (grün), das Schilddrüsenhormone durch die Wände (rot) der Schilddrüsenfolikel transportiert, wo das Hormon gebildet wird. · Fotos (2): Jacobs University
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Das Bild zeigt am Beispiel des Schilddrüsengewebes einer Maus das wichtige Transportprotein (grün), das Schilddrüsenhormone durch die Wände (rot) der Schilddrüsenfolikel transportiert, wo das Hormon gebildet wird. · Fotos (2): Jacobs University

Bremen - Von Viviane ReinekingFast alle Organe werden durch Schilddrüsenhormone beeinflusst. Ist die Hormonproduktion gestört, können schwerwiegende Erkrankungen die Folge sein. Die Bremer Zellbiologin Klaudia Brix von der Jacobs Universität hat ein Forschungsprogramm mitinitiiert, das die Diagnose, Behandlung und Prävention von Erkrankungen der Schilddrüse maßgeblich verbessern soll.

Herz, Kreislauf, Blutdruck, Gefäße und weitere Organe werden durch die Iodverbindungen beeinflusst, die in der Schilddrüse produziert werden. Sie steuern aber auch den Stoffwechsel und das Zellwachstum. Ist ihre Produktion gestört, kann es zu einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse kommen – Osteoporose, Herzkreislaufprobleme oder auch Depressionen können entstehen.

Ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für sechs Jahre mit 7,6 Millionen Euro gefördertes Programm, in dem Wissenschaftler und Ärzte aus 16 deutschen Forschungsinstituten und Kliniken zusammenarbeiten, will jetzt Transport und Wirkung von Schilddrüsenhormonen im menschlichen Körper analysieren.

Es ist eine Volkskrankheit: Rund ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung ist von Schilddrüsenerkrankungen betroffen, so die Jacobs Universität. Das führe zu einer jährlichen Kostenbelastung von mehr als zwei Milliarden Euro. Vielfältige Beschwerden würden oft nicht als Schilddrüsenprobleme erkannt. Neue Untersuchungen belegen der Jacobs Universität zufolge, dass die Blutwerte für TSH, ein die Schilddrüse stimulierender Botenstoff, sowie das Hormon Thyroxin (T4) nur unzureichend Aufschluss über den Zustand der Drüse geben. Diese Werte werden jedoch bislang zur Diagnostik eingesetzt. Hinzu kommt: Viele Patienten würden bei der Gabe von Ersatzhormonen keine vollständige Besserung der Symptome zeigen. Dennoch, so die Privatuniversität, stehe das Medikament Levothyroxin auf Platz zehn der weltweit am häufigsten verschriebenen Medikamente.

„Unser wichtigstes Ziel ist es, zu klären, wodurch die gesunde Schilddrüsenfunktion einerseits und die gestörte Schilddrüsenfunktion andererseits definiert ist. Das klingt einfach, ist aber nicht ganz klar“, so Jacobs-Professorin Brix. Sie initiierte das Programm gemeinsam mit Dagmar Führer, Direktorin der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen am Universitätsklinikum Essen, und Heike Biebermann, stellvertretende Leiterin des Instituts für experimentelle Pädiatrische Endokrinologie der Charité in Berlin.

Desweiteren gehen die Forscher der Frage nach, wann und wie die verschiedenen Organe im Körper von Schilddrüsenhormonen beeinflusst werden, welche den Hormonen verwandten Moleküle außerdem auf die Organe wirken und warum herkömmliche Behandlungsmethoden nicht immer den gewünschten Effekt erzielen.

Im Fokus stehen die Transportwege der Schilddrüsenhormone von ihrem Produktions- zu ihrem Wirkungsort. „Wir wissen mittlerweile, dass Transportproteine und auch Stoffwechselderivate der ursprünglichen Schilddrüsenhormone eine wichtige Funktion für Transport und Wirkung spielen“, so die Expertin für Zellbiologie. „Eine detaillierte Kenntnis der Transportwege und die Bestimmung von Biomarkern, die die Schilddrüsenfunktion widerspiegeln, erlauben Rückschlüsse darüber, welche Folgen eine Störung mit sich bringt.“

Auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse sollen dann alternative Diagnosemethoden sowie neue Medikamente, Behandlungsmethoden und Vorbeugemaßnahmen entwickelt werden, heißt es von Universitätsseite. „Unsere Ergebnisse sollen schon sehr bald aus dem Labor heraus und in den Kliniken zur Anwendung kommen“, so Brix.

http://www.jacobs-university.de

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