Infektiologin rät, Kontakte zu minimieren

Das große Ziel in der Corona-Krise: Verlangsamung

Christiane Piepel ist Infektiologin und Fachärztin für Innere Medizin am Klinikum Mitte. Foto: GENO/HASE
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Christiane Piepel ist Infektiologin und Fachärztin für Innere Medizin am Klinikum Mitte.

Bremen - Schreckliche Bilder erreichen die Welt in diesen Tagen aus den Krankenhäusern in Italien, Spanien oder auch aus den USA. Doch sind solche Zustände auch im Land Bremen denkbar? Wie lange müssen die massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens noch aufrechterhalten bleiben? Zu diesen und anderen Fragen nimmt die Infektiologin Dr. Christiane Piepel vom Klinikum Bremen-Mitte im Interview Stellung.

Der erste Corona-Fall im Land Bremen ist Ende Februar gemeldet worden, jetzt sind es mehr als 400 Infizierte. Zehn Menschen, insbesondere Ältere, sind inzwischen an Covid-19 gestorben. Wie beurteilen Sie den Verlauf der Epidemie in Bremen bislang?

Aktuell steigt die Fallzahl in Bremen weiter an. Die Anzahl der nachgewiesenen Infektionen pro Einwohner ist ähnlich wie im Umland und bislang deutlich geringer als zum Beispiel in Hamburg.

In Bremen und ganz Deutschland sind massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen worden. Jetzt werden Rufe nach einer Lockerung laut. Was antworten Sie Kritikern dieser Beschränkungen?

Es ist wichtig, die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus' zu verlangsamen, damit das Gesundheitssystem die schwererkrankten Patienten mit ausreichenden Ressourcen und ausreichend Vorbereitungszeit versorgen kann. Die Einschränkung der Kontakte ist nur eine Maßnahme in diesem Zusammenhang, die die Ausbreitungsgeschwindigkeit reduzieren kann. Wir wünschen uns alle für uns selbst, unsere Angehörigen und Freunde, dass wir im Falle eines schweren Verlaufes der Infektion möglichst optimal in den Krankenhäusern versorgt werden können. Daher hängt die Frage nach einer Lockerung immens von den Erkrankungszahlen und vorhersehbaren Überlastungen der Krankenhäuser ab.

Im Land Bremen sind alle Krankenhäuser aufgefordert, die Kapazität an Intensivbetten nach Möglichkeit zu verdoppeln. Im Moment werden jedoch nur wenige Covid-19-Patienten intensiv-medizinisch betreut. Welchen Beitrag können die Kliniken leisten?

Aktuell bereiten sich alle Krankenhäuser in Bremen auf eine deutlich steigende Anzahl an Patienten, insbesondere auch an schwerkranken Patienten mit Covid-19-Erkrankung, vor. In allen Bereichen werden Personal und Ressourcen für die Versorgung der Patienten fortgebildet und ausgebaut, die verschiedensten Optionen für mehr Intensivbetten evaluiert und eingerichtet. Dies gilt auch für alle vier Kliniken der kommunalen Gesellschaft Gesundheit Nord.

Die Gesundheitssysteme in Italien und Spanien sind längst mit der Corona-Pandemie überfordert. Halten Sie solche Zustände auch in Bremen für möglich?

Ähnliche Zustände sind für Bremen zu erwarten, wenn die Ausbreitungsgeschwindigkeit nicht kontrolliert werden kann.

Wenn Sie von Freunden und Bekannten als Infektiologin gefragt werden, was Sie für eine Eindämmung der Corona-Virus-Pandemie tun können, welche drei Tipps für den Alltag fallen Ihnen ein?

Die drei Tipps sind: Kontakte minimieren - Hygiene: Händehygiene und mich adäquat verhalten bei Husten, Schnupfen, Niesen, um andere möglichst nicht anzustecken - Risikogruppen schützen.

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