Bis Harpstedt und Thedinghausen

Bremen: Verbände wollen mehr Straßenbahnstrecken

Eine neue Straßenbahn vom Typ „Nordlicht“ fährt Richtung Domsheide.
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Auf Achse: Eine neue Straßenbahn vom Typ „Nordlicht“ fährt Richtung Domsheide. Zehn „Nordlichter“ sind mittlerweile in Bremen angekommen, der elfte Zug wird am Freitagmorgen erwartet. Acht sind im Einsatz.

Nicht kleckern, sondern klotzen: Umwelt- und Fahrgastverbände wollen das Schienennetz ausbauen und ins Umland verlängern.

  • Jeder Stadtteil soll seine Straßenbahnlinie bekommen.
  • 45 Kilometer Gleise im Umland.
  • Bremen soll sich Berlin als Beispiel nehmen.

Bremen – Der Bremer Bund für Natur und Umweltschutz (BUND) und die Initiative „Einfach Einsteigen“ planen einen großen Wurf. Ihre Vision sieht den Ausbau des Bremer Straßenbahnnetzes von heute 98 auf eine Gesamtlänge von 226 Kilometer vor. „Wir müssen raus aus dem Klein-Klein und in größeren Zeithorizonten denken, um die dringend benötigte Verkehrswende umzusetzen“, sagt der BUND-Vorsitzende Dieter Mazur.

Zunächst einmal wollen sie mit ihrem detaillierten Straßenbahnausbaukonzept die Diskussion in der Stadt anregen. Die beiden Verbände schlagen in ihrem Konzept unter anderem eine Ringlinie, mehr Querverbindungen sowie diverse Linien ins niedersächsische Umland bis nach Oyten, Thedinghausen, Delmenhorst und Harpstedt vor. „Unser Diskussionsvorschlag ist ambitioniert, fußt aber auf einem nachhaltigen Finanzierungsmodell“, sagt Mark Wege, Sprecher von „Einfach Einsteigen“. Am Donnerstag haben Mazur, Wege und Co. das mehrseitige Papier Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne) und den Verkehrspolitikern der Bürgerschaftsfraktionen vor der Landtagssitzung in der Stadthalle (ÖVB-Arena) überreicht. „Wenn der Senat wirklich eine Verkehrswende für Bremen will, muss er sich endlich trauen, in großen Dimensionen zu denken“, ergänzt Wege.

Die Dimensionen, in der BUND und „Einfach Einsteigen“ denken, sind üppig und gehen weit über den Tellerrand, sprich über die Stadtgrenzen, hinaus. „Um die Verkehrswende umsetzen zu können, müssen alle Elemente des Umweltverbundes zusammengreifen. Ein größeres Straßenbahnnetz würde zum Beispiel Pendlern die Möglichkeit bieten, das Auto stehenzulassen“, so BUND-Vorsitzender Dieter Mazur. 45 Kilometer der anvisierten Neubaustrecke gehen durchs Umland, eben über Tenever bis nach Oyten, über Erichshof, Sudweyhe und Dibbersen bis Thedinghausen sowie über Huchting und durch Delmenhorst bis Harpstedt.

„Raus aus dem Klein-Klein“

In Bremen sollen alle Stadtteile ans Straßenbahnetz angeschlossen werden. Bremen-Nord soll angeknüpft werden, Woltmershausen die alte Linie 7 zurückbekommen. Eine Straßenbahnlinie ins Güterverkehrszentrum (GVZ) ist im Papier enthalten. Und drei neue Brücken über die Weser.

Viele der neuen Strecken sind eigene Ideen der beiden Verbände, einige Strecken sind in der Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans (VEP 2025) enthalten. Dazu zählen die Verlängerungen der Linien 1 bis nach Mittelshuchting und der Linie 8 bis Stuhr und Weyhe sowie die Querverbindung Ost von der Vahr bis Hastedt. Baurecht liegt bislang nur für die Linie 1 vor. Zum Ausbaukonzept zählen weitere im VEP 2025 enthaltene Strecken wie die Verlängerungen von Sebaldsbrück bis Tenever, von Gröpelingen bis Oslebshausen sowie eine Querverbindung vom Weserwehr zur Malerstraße.

Verlängerung von Sebaldsbrück bis Tenever

Ein Kilometer Straßenbahnstrecke kostet zwischen zehn und 20 Millionen Euro, heißt es im Papier. Das Gesamtpaket dürfte zwei Milliarden Euro verschlingen. „Damit ein Ausbau auch umgesetzt werden kann, muss eine langfristige Finanzierungsperspektive auf den Weg gebracht werden“, sagen Mazur und Wege. Und verweisen auf Berlin. Die Hauptstadt will 28,1 Milliarden Euro bis 2035 in den Nahverkehrsausbau stecken. Das sind umgerechnet 7 630 Euro pro Einwohner. Im Papier heißt es: „Bremen sollte hier mindestens gleichziehen.“

Klage gegen Querverbindung Ost

Für die 3,7 Kilometer lange Verlängerung der Straßenbahnlinie 1 bis Mittelshuchting stehen die Signale auf Grün. Das Baurecht liegt vor. „Und Geld ist da“, sagt Andreas Holling, Sprecher der Bremer Straßenbahn AG (BSAG). Seit Wochenbeginn gibt es auch ein „bisschen Baubetrieb“, so Holling. „Die Versorgungsleitungen werden verlegt.“ Das Investitionsvolumen beträgt 87 Millionen Euro. Bremen ist mit neun Millionen Euro dabei. Die Verlängerung der Linie 8 über Bremen hinaus nach Stuhr und Weyhe beschäftigt derzeit noch das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg. Für die Querverbindung Ost (Bennigsenstraße bis Julius-Brecht-Allee) ist ein Planfeststellungsbeschluss erlassen worden. Gegen den hat jetzt ein Unternehmen aus Oldenburg, das Eigentümer des Grundstücks an der Stresemannstraße ist, auf dem das Behördenzentrum steht, Klage beim OVG Bremen eingereicht.

Das Papier im Netz:

www.BUND-Bremen.net

https://einsteigen.jetzt/

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