Christopher von Deylen - groovig und verträumt

„Schiller“ sorgt für ausverkaufte Bremer Seebühne

Verträumt hat er die Augen geschlossen: Christopher von Deylen, Kopf des Electro-Ambient-Pop-Projekts „Schiller“, ist auf der „Seebühne“ in den Klang vertieft.
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Verträumt hat er die Augen geschlossen: Christopher von Deylen, Kopf des Electro-Ambient-Pop-Projekts „Schiller“, ist auf der „Seebühne“ in den Klang vertieft.

Bremen – Spielpause zwischen zwei Stücken. „Schiller“ erzählt von einer Fliege, die während des vorherigen Stücks langsam über die Tastatur gelaufen ist. „Das war ein sehr poetischer Moment“, meint Christopher von Deylen, bekannt durch sein Electro-Ambient-Pop-Projekt „Schiller“. Am sommerlichen Sonnabendabend zeigte „Schiller“ das Programm „Sommerluft“ auf der „Seebühne“ in Gröpelingen vor ausverkauften Rängen.

Von Deylen wirkt ruhig und vertieft. Er ist aber auch ständig in Bewegung, denn er ist umgeben von Keyboards, einem Piano und Pulten mit Reglern. Das zusammen ergibt ein gewaltiges Instrumentarium für den Klangtüftler. Zeitweise spielt eine Hand auf den Tasten, die andere Hand regelt an einem Pult. Er ist ein Meister darin, gefühlvoll dynamische Akkorde und zarte Klangverbindungen über elektronische Klangteppiche und knackige Beats zu spielen, den Kopf mal vertieft zu den Tasten gerichtet, um diesen kurz darauf nach oben zu richten, die Augen verschlossen.

Am Anfang des weit über zweistündigen Abends stehen Titel von dem Album „Colors“, das von Deylen unter seinem bürgerlichen Namen veröffentlicht hat. Er spielt die Stücke allein. In dem zweiten, großen Set „Schiller Pur“ befinden sich zahlreiche bekannte „Schiller“-Songs wie das „Glockenspiel“ oder „Ruhe“, aber auch Stücke vom neuen Album „Summer in Berlin“. Es treten drei weitere Musiker auf, darunter Gitarrist und Bassist Alex Grube. Gitarre und Bass, eine Neuerung in der „Schiller“-Welt, wie von Deylen sagt. Der E-Bass-Sound gibt dem Geschehen immer wieder interessante Klangfärbungen. Auch der E-Gitarren-Sound mischt sich als interessante Ergänzung unter die elektronischen Klänge. Weitere Musiker sind Cédric Monnier am Synthesizer und Robin Tadic an Loops und Elektronik.

Auch die drei dazugekommenen Musiker spielen mit einem ruhigen und bedächtigen Habitus. Sie wirken vertieft – einfach ruhige Klangkünstler. Vereinzelt gibt es Blickkontakt zwischen Monier und von Deylen, dezente Kommunikation im konzentrierten Tun. Es ist faszinierend zu beobachten, wie die Musiker immer wieder neben tiefen, malerischen Klanglandschaften auch pulsierende Grooves erzeugen, die durch den Körper gehen und in die Beine wollen. Eine Show voll Atmosphäre, die ohne Live-Gesang auskommt.

Thomas (54) aus Rotenburg ist zum achten Mal bei einem „Schiller“-Konzert. Er sagt, er habe sich auf die Musik konzentriert und konnte abschalten. „Das ist entspannend“. Er erzählt auch, dass die „Schiller“-Stücke bei den Konzerten immer etwas anders interpretiert würden. Marc Nowacki (50) aus Bremen sagt begeistert: „Es war phantastisch, wie abheben ins Universum.“

Mit 1 200 Besuchern ist die „Seebühne“ (unter Corona-Bedingungen) ausverkauft. Wie gebannt blicken die Zuschauer – die meisten sind um die 40 bis 60 Jahre alt – auf die Bühne. Immer wieder kommt Bewegung auf. Beine wippen und Köpfe. Es wird auch mal am Platz getanzt und sicher auch geträumt. Das Publikum ist begeistert – langer Applaus, erst stehen etliche auf, nach der Zugabe dann so ziemlich alle.

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