Sibylle und Fritz Haase schenken Staatsarchiv ihre Plakatsammlung

Grauer Himmel und Wolkenkratzer

Das umstrittene Bremen-Plakat aus dem Jahr 1977. - Foto: Fritz Haase/Staatsarchiv Bremen

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Roland und Rathaus sind auf dem Plakat zu sehen, das spätere Weltkulturerbe. Davor vier Tiere: Esel, Hund, Katze und Hahn. Die Stadtmusikanten, die noch heute als beste Werbeträger Bremens gelten. Der Plakattext: „Bremen. . . eine märchenhafte Stadt“.

Diese Bremen-Werbung stammt aus dem Jahr 1977, und sie trägt auch Züge von Ironie, wenn nicht gar Wahrhaftigkeit. Denn der Himmel über dem Rathaus ist nicht strahlend blau, sondern trüb grau. Und, ja, es hat offenbar gerade geregnet.

„Das Plakat wurde heiß diskutiert und war sehr umstritten“, erinnert sich Fritz Haase, der Gestalter. Seit 1962 haben er und seine Frau Sibylle Haase, geborene Knels, mit ihrem Atelier „Haase und Knels“ Werbung gemacht, Plakate und Bücher, Produktverpackungen und Briefmarken gestaltet – erst in der Böttcherstraße (für die sie das weltbekannte Signet mit dem blauen Straßenschild entworfen haben), dann im Schnoor.

Es war Partner-Arbeit auf internationalem Niveau. Helmut Newton (1920 bis 2004) etwa fotografierte für eine Nordmende-Kampagne der Bremer in New York – in einem Schwimmbad oben auf einem Wolkenkratzer, wie sich Fritz Haase erinnert.

Sibylle und Fritz Haase in der Ausstellung. - Foto: Kuzaj

Und er erinnert sich gut, denn er hat alles aufgehoben, gesammelt, geordnet. Jetzt hat das international bekannte Grafiker-Paar dem Bremer Staatsarchiv die Sammlung seiner Plakate und Briemarkenentwürfe übergeben. Ein Lebenswerk. Einen Teil davon stellt das Staatsarchiv ab Freitag, 17 Uhr, aus.

„Ein großartiges Geschenk“, sagt Professor Konrad Elmshäuser, Direktor des Staatsarchivs. Großartig aus mehreren Gründen. Die etwa 500 Plakate vereinen „mehr als 50 Jahre bremischer Wirtschafts- und Grafikgeschichte“, so Elmshäuser. Sein Haus hätte den geschlossenen Bestand nicht erwerben können: „Wir haben gar keinen Ankaufsetat.“ Und die Plakate sind, so Elmshäuser weiter, „in einem Top-Zustand. Als wären sie jetzt hergestellt worden.“

„Ich hab mir viel Mühe gegeben, alles aufzubewahren“, sagt Fritz Haase. „Er ist der geborene Archivar“, sagt seine Frau. Seinen Archivraum hatte Haase in einer alten Bäckerei, im Atelier wäre nicht genug Platz gewesen. „Ohne Vergangenheit keine Zukunft“, sagt er. „Es ist immer wieder toll, wenn man auf alte Dinge blicken kann.“ So trägt die Ausstellung denn auch den Titel „Rückblick“.

Ein Rückblick, der den sich wandelnden Zeitgeist widerspiegelt – in der Typografie, in den Farben, in der Motivwahl. Hier die Einflüsse der Pop-Art, dort das gewollt Schrille der 80er. Ein Aspekt ändert sich dabei allerdings nicht. Die Botschaft der Haase-Plakate ist stets klar. Das gilt auch für die Briefmarken, die im Grunde ja nichts anderes sind als kleine Plakate.

Der Rückblick spiegelt aber auch einen Einschnitt wider – den Wechsel von der analogen zur digitalen Produktion. Fritz Haase spricht von „zwei Entwurfswelten“. „Gestaltung war in den 50er und 60er Jahren mit ganz anderen Mühen verbunden als heute.“

Den größten Aufwand jedoch habe man stets für die Recherche betrieben. Kleinste Details müssen stimmen, gerade bei den Briefmarken. „Wenn etwa beim Airbus ein Fenster fehlte, gäbe es sofort einen Aufschrei.“ Was es unterdessen heute nicht mehr gibt, ist ein grauer Himmel auf Bremen-Plakaten. Fritz Haase: „Es gibt die Vorgabe, dass ein Viertel des Fotos blauer Himmel sein muss.“

Das Staatsarchiv (Nähe Fedelhören) zeigt den Haase-„Rückblick“ bis zum 17. Februar 2017. Die Öffnungszeiten: montags, dienstags, freitags 9 bis 16 Uhr, mittwochs und donnerstags 9 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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