„Unheilig“-Auftritt im Gröpelinger Pier 2 versetzt das Publikum in Euphorie / Schwarze Messe und Gottesdienst

Der „Graf“ und seine bombastische Klangwalze

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In Erlöserpose: „Unheilig“ – der „Graf“.

Bremen - Von Ulf Kaack - Ein familiär anmutendes Clubkonzert sollte es werden, das Gastspiel von „Unheilig“ im Gröpelinger Pier 2. Rein atmosphärisch betrachtet, wurde daraus nichts.

Restlos ausverkauft war die Spielstätte am Weserufer, die mehr als zweistündige Darbietung energiegeladen und das Publikum von rasender Euphorie. Kein Wunder, hat sich das schwarze Ensemble seit zwei Jahren mit seinen düster-melancholischen Songs in vampirartiger Manier an der Spitze der Charts festgebissen. Wie einer Schattenwelt entsprungen, aufgetaucht aus den Tiefen des Hades.

Mit einem sinfonisch anmutenden Donnerschlag tritt er vor sein Auditorium – der „Graf“. Die Bühne abwechselnd rubinrot und kobaltblau illuminiert, startete der charismatische Protagonist temporeich eine Mischung aus satanischer Messe und Gottesdienst. Mit „Herzwerk“, „Eisenmann“ und „Tanz mit dem Feuer“ gelang es „Unheilig“ aus dem Stand, die Anhänger – in der Überzahl weiblichen Geschlechts – für sich zu vereinnahmen.

Kerzen brannten, sakrale Chöre tönten dekorativ aus dem Off. Was folgte, war eine Live-Präsentation des aktuellen Albums „Lichter der Stadt“ sowie älteren Liedguts, das die Fans per Internetabstimmung aus 42 Vorschlägen selbst zusammenstellen konnten. Doch wer nun einen Reigen schwermütiger Kuschelsongs im Sinne der zahlreich vertretenen, stark tätowierten Mitvierzigerinnen in schwarzen T-Shirts erwartete, sah sich getäuscht.

Der „Graf“ und seine Mannen setzten einen deutlichen Schwerpunkt auf harte, schnelle Melodien und eingängige Midtempostücke. Doch ein emotionaler Siedepunkt wurde immer dann erreicht, wenn die angesagten Songs wie „Große Freiheit“, „Lichter der Stadt“ und „Geboren um zu leben“ von der Hit-Fabrik zu Gehör gebracht wurden.

„Unheilig“ ist eine One-Man-Show. Im Zentrum steht er, und nur er: Bernd Heinrich Graf aus Würselen bei Aachen. Die Aura der aristokratischen Unantastbarkeit umgibt ihn und reduziert seine vier Mitstreiter auf der Bühne zu belehnten Vasallen.

Seine musikalischen Büttel – ein Ensemble ohne Namen und Gesichter. Sie liefern eine bombastische Klangwalze aus polyphonem Synthesizerbrei und maßlos übersteuerter Gitarre, die in ihrer Gesamtheit eine harmonische Melange ergibt. Solistische Glanzlichter sind Fehlanzeige, Spielfreude bei den Nebendarstellern ist nicht zu erkennen. Es kann halt nur einen geben!

„Unheilig“ ist keine Band. „Unheilig“ ist ein Konzept, ist letztendlich der „Graf“. Und der wagt einen ungewöhnlichen Spagat. Er kreuzt heidnische mit christlicher Symbolik, massenkompatiblen Main stream mit Undergroundklängen und praktiziert so den artistischen Seiltanz zwischen Kommerz und Nische.

Auf der Bühne mimt er den unnahbaren Messias der Finsternis, um im nächsten Moment einen freundschaftlichen, ja, demütigen Kniefall vor seinem treuen Publikum zu inszenieren. Der „Graf“ polarisiert, und das ist das Erfolgsgeheimnis des geheimnisvollen schwarzen Mannes.

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