„Bremer Frauen-Geschichten”

Gräfin Emma von Lesum: Fromm, gutherzig und großzügig

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Der Emmasee mit dem Gasthaus „Emma am See“ – ein Blickfang im Bürgerpark. Der Emmasee ist nach Gräfin Emma benannt, die der Sage nach den Bremern die Bürgerweide schenkte.

Bremen - Von Nina Seegers. Seit fast 1 000 Jahren ist sie schon tot, den Bremern dennoch unvergessen. Der Emmasee im Bürgerpark, die Emmastraße in Schwachhausen und vor allem die Sage um die Entstehung der Bremer Bürgerweide erinnern an Gräfin Emma von Lesum. Ihr widmen wir die heutige Folge unserer Serie „Bremer Frauen-Geschichten”.

Eines sei gleich vorweg gesagt: Wer diese Frau wirklich war, wann und wo sie geboren ist und warum sie nach ihrem Tod 1038 sogar heiliggesprochen worden sein soll, darüber ist zwar viel erzählt und geschrieben worden, historisch belegt ist davon aber nur wenig.

Berühmtheit beruht auf Sage um die Bürgerweide

Schon im Mittelalter wurde ihr Bild verklärt. So soll die Gräfin Emma eine überaus fromme, gutherzige und großzügige Frau gewesen sein, die nach dem frühen Tod ihres Mannes die Kirche und die Armen mit reichlich Schenkungen bedacht haben soll.

Dass Emma in Bremen aber bis heute eine Berühmtheit ist, beruht vor allem auf der Sage um die Entstehung der Bremer Bürgerweide. Auch von dieser gibt es verschiedene Versionen. Die erste entstand um 1420. Die endgültige, bis heute populärste Fassung stammt aus der Feder des Bremer Schriftstellers Friedrich Wagenfeld (1810 bis 1846) aus dem Jahre 1845 und lautet sinngemäß wie folgt: Im Jahr 1032 besuchte die Gräfin Emma in Begleitung ihres Schwagers Bremen. Dort beklagte eine Delegation der Bremer Bürgerschaft den Mangel an Weideflächen. 

„Warum nicht gleich ein Tag?“

Emma versprach daraufhin, den Bremern so viel Weideland zu schenken, wie ein Mann in einer Stunde zu Fuß umrunden könne. Ihr Schwager zeigte sich empört und sah sein zukünftiges Erbe bereits schrumpfen. Die Gräfin verspottend, schlug er vor: „Warum eine Stunde, warum nicht gleich ein Tag?“ 

Emma nahm seinen Vorschlag dankend an und der listige Schwager übertug daraufhin sogleich einem Krüppel am Straßenrand diese Aufgabe. Ermutigt von Gräfin Emma entwickelte dieser jedoch ungeahnte Kräfte und umrundete an einem Tag ein Gebiet, das so groß wie die Bremer Bürgerweide war...

Grab im Bremer Dom ist nicht bewiesen

So viel zum Inhalt der Volkssage. Historisch belegt ist diese Schenkung allerdings nicht. So hat vermutlich auch der „Krüppel“ zu Füßen des Bremer Rolands eine andere Bedeutung. Fest steht jedenfalls, dass der Schwager 1032 bereits tot war und so die Gräfin gar nicht hat begleiten können. Und rein faktisch war es Erzbischof Hartwig I., der 1159 in einem „Weidebrief“ den Bremern die Nutzung der Bürgerweide zusagte. Wie dem auch sei, was wahr ist und was nicht – Emma war, ist und bleibt eine Heldin im kollektiven Bewusstsein der Bremer.

„Vermutlich liegt dies daran, dass die Sage eine starke moralische, tröstliche Botschaft beschreibt: Großzügigkeit, Mildtätigkeit und Verantwortungsgefühl siegen über Niedertracht, Habgier und Neid”, schreibt beispielsweise Christine Holzner-Rabe in dem Buch „Frauen Geschichte(n) – Biografien und FrauenOrte aus Bremen und Bremerhaven“.

Gräfin Emma starb in Bremen im Jahr 1038 und soll im Bremer Dom begraben worden sein. Aber auch das ist nicht bewiesen. Bei Ausgrabungen in den 70er Jahren gab es diesbezüglich jedenfalls keine Funde.

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