Straßennamen erzählen Geschichten (400): Die Landwehrstraße in Walle / Erinnerungen an Bremens größte Kinoleinwand

Von Gräben, Brücken und Schanzen

Kreiszeitung Syke

Bremen - Von Thomas Kuzaj· Der Name klingt ein wenig militärisch – und tatsächlich, so ist er auch gemeint, der Name der Landwehrstraße in Walle. Landwehr – so hießen die mittelalterlichen Grabenbefestigungen der Vorstädte Bremens.

Die Landwehrstraße hat ihren Namen von der einstigen Landwehr vor dem Stephanitor. Wie andere Außenbefestigungen der Stadt, so wurde auch diese „durch einige Gräben und Zäune gebildet“, wie Herbert Schwarzwälder in seinem „Großen Bremen-Lexikon“ (Edition Temmen) schreibt.

Über die Gräben führten Brücken, die mal mit Schanzen – wie etwa an der Schleifmühle – und mal mit Türmen gesichert waren. Landwehren waren unter anderem der Kuhgraben, der Dobben und die Ochtum. Und im Westen gab es – eben – den „Kumpgraben“, die Landwehr bei St. Stephani. An ihn erinnert, neben der Landwehrstraße, auch noch der kleinere Kumpweg, der von der Landwehrstraße abgeht. Die Landwehrstraße selbst reicht von der Hansestraße bis zur Oldenburger Straße.

Ursprünglich verlief sie anders – von der Grenzstraße bis zum Haferkamp. Das neue Straßenbild entwickelte sich in den Aufbaujahren nach 1945 – angesichts der schweren Zerstörungen Walles und Ubtremens im Zweiten Weltkrieg gezwungenermaßen. Ein Stück der alten Landwehrstraße heißt seither Wartburgstraße.

Die 50er Jahre – das war auch eine große Zeit des Kinos. Kinoliebhaber in Bremen und Umgebung erinnern sich – oftmals mit Wehmut – an das „Regina“-Filmtheater an der Landwehrstraße. „Vom Winde verweht“, „Doktor Schiwago“ und „Die Zehn Gebote“ auf großer Leinwand, auf der Mammutfilme monumentale Wirkung entfalten konnten – das sorgte für manchen unvergessenen Abend. Das „Regina“ gab es von 1957 bis 1983.

Zu den ersten Filmen, die dort liefen, gehörten „Lohn der Angst“, „Unser Oberlehrer Stips“ und der Farbfilm „Vier Mädels aus der Wachau“ – mit Alice und Ellen Kessler. Als letzter Film war im Frühjahr 1983 „Das Kommando“ zu sehen. Dann blieb die größte Leinwand Bremen – 15 Meter breit, sieben Meter hoch – dunkel. Und verschwand. In die „Regina“-Räume zog ein Supermarkt. Ende eines Kapitels.

Und zurück zum Thema Landwehr. Zwar hat die Straße ihren Namen von den Befestigungsanlagen, doch auch als Familienname taucht das Wort Landwehr in der bremischen Geschichte auf. So gab es den Maler Jürgen Landwehr, der um 1580 geboren wurde und bis 1646 lebte. Er fertigte Weserkarten ebenso an wie Ölgemälde mit Altstadtansichten. Eine große Stadtansicht Landwehrs hing bis ins späte 19. Jahrhundert in der Oberen Rathaushalle und gehört heute zum Bestand des Focke-Museums. Auch Landwehrs Sohn Johann wurde Maler. Er arbeitete für den Rat der Stadt.

Aus Walle stammte die Politikerin Wilma Landwehr (1913 bis 1981), Ehefrau des Sozialdemokraten Heinrich Landwehr (1908 bis 1974). Wilma Landwehr saß von 1950 bis 1971 für die SPD in der Bürgerschaft. Sie engagierte sich besonders in der Bildungspolitik und kämpfte für Schulreformen. Als Kind hatte sie selbst die Versuchsschule an der Schleswiger Straße in Walle besucht.

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