„Ladies Night“ im GOP-Varietétheater

Die Artistik ist weiblich

+
Highlight bei der „Ladies Night“ im Bremer Varietétheater GOP: Antonia an der Vertikalstange.

Bremen - Von Ulla Heyne. Atemberaubende Artistik, gewürzt mit einer charmanten Moderation mal über, mal unter der Gürtellinie – auch bei seinem diese Woche angelaufenen neuen Programm setzt das GOP-Varieté-theater vor allem auf klassische Acts. Also alles wie immer? Weit gefehlt!

Die mittlerweile elfte Bühnenshow heißt nicht ohne Grund „Ladies Night“ – und das bezieht sich wohlgemerkt nicht auf das Publikum, sondern auf das Geschehen auf der Bühne. So sind die Kraftakte der akrobatiklastigen Show, von Trapez über Drahtseil bis zum Vertikaltuch, auch von Anmut und Grazie geprägt. Dass hinter den Acts, etwa dem Balanceakt von Equilibristik-Künstlerin Charlotte Greenblatt, viel Training und pure Kraft stecken, lässt sich nur am Zittern der Muskeln im einarmigen Handstand erahnen – am charmanten Lächeln jedenfalls nicht.

Eine in mehrfacher Hinsicht starke Frau: Nebenbei schreibt die Mathematikerin an ihrer Doktorarbeit. Und auch die Vita ihrer Mitstreiterinnen birgt das ein oder andere Kuriosum, wie Moderatorin „Chantall“ mit Berliner Kodderschnauze verrät: Kristina Piskliukova etwa verrenkt sich, als gäbe es keine Wirbelsäule – noch vor einigen Tagen stand sie in Moskau vor dem Traualtar, nur einen Tag später pünktlich zum Beginn der Show auf der Matte.

Ihre Namensvetterin Kristina Bautina besticht nicht nur mit ihren Leistungen an Vertikaltuch und Trapez, an denen sie sich lasziv zu den Klängen des Saxophons in viereinhalb Metern Höhe räkelt; sie hat bereits die „Superstar“-Jurys in Russland und der Ukraine von ihrem Talenten überzeugt.

Wer an diesem Abend als Akteur ohne kleines Schwarzes kommt, hat keine Chance – diesem Diktat muss sich auch „Praktikant“ Derek als einziger Mann zur Freude der Zuschauer beugen. Denn ganz ohne Männer geht es denn doch nicht, und sei es nur als „Running Gag“. Dabei bringt der Amerikaner mit seinen Zaubereien und einer grandiosen Step-Nummer, bei der er gleich zwei Schlagzeuge simultan mit den Füßen bearbeitet, wohltuende Abwechslung in die ansonsten eher auf Artistik und Staunen ausgelegten Acts.

Diese kommen in punkto Professionalität und auch lichttechnisch perfekt daher – allein: Der Funke will bei vielen Zuschauern vor der Pause nicht so recht überspringen, auch wenn Yulia Rasshivkina bis zu 25 Hula-Hoop-Reifen mit allen erdenklichen Körperteilen schwenkt, Haarschopf inklusive.

Das ändert sich schlagartig nach der Pause. Da zeigt „Chantall“, die mit ihren Plaudereien die mitunter langen Umbaupausen überbrückt und der Show ein Gesicht gibt, dass sie auch anders kann als nur verbal-frivol: Auch sie beherrscht die Kunst der Verrenkung und verbiegt sich wohlig über „dem Micha“ aus dem Publikum, der schon im ersten Teil ihre Peitsche haarscharf fast zu spüren bekam.

Dass die Zuschauer am Ende doch noch von den Stühlen gefegt werden, ist Anna Ward im überdimensionalen Ring, dem „Cyr“ zu verdanken. Und vor allem „Antonia“ an der Vertikal-Stange. Ausgerechnet eine der ältesten Disziplinen kommt erfrischend modern daher. Wenn Antonia im Jeanslook zu pumpenden Beats kopfüber nur mit den Beinen an der Stange fünf Meter kopfüber in die Tiefe rutscht, um mit dem Gesicht nur Zentimeter vor dem Boden zu stoppen, spätestens dann hat er sich gelohnt, der Ausflug zu den „schönen starken Frauen“.

Das Programm ist noch bis zum 13. September immer von Mittwoch bis Sonntag zu sehen, freitags bis sonntags jeweils zweimal täglich. Karten sind unter anderem in den Geschäftsstellen unserer Zeitung erhältlich.

Wie werde ich Kirchenmaler/in?

Wie werde ich Kirchenmaler/in?

Proklamation beim Schützenfest in Aschen

Proklamation beim Schützenfest in Aschen

40 Jahre Städtepartnerschaft Bonnétable und Twistringen gefeiert

40 Jahre Städtepartnerschaft Bonnétable und Twistringen gefeiert

BVB feiert Ende des Finalfluchs

BVB feiert Ende des Finalfluchs

Meistgelesene Artikel

Spenden aus dem Bremer Untergrund

Spenden aus dem Bremer Untergrund

Uwe und Nadine Kloska sind „Bremer Unternehmer“ 2017

Uwe und Nadine Kloska sind „Bremer Unternehmer“ 2017

„Die Ware sucht sich den Weg“

„Die Ware sucht sich den Weg“

„Seabreacher“: Wasser-Erlebnis mit bis zu 100 „Sachen“

„Seabreacher“: Wasser-Erlebnis mit bis zu 100 „Sachen“

Kommentare