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Premiere im Bremer GOP: Zuschauer auf Zeitreise

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Von: Steffen Koller

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Flüstertöne und Körperspannung: Erin Skye zeigt in der Show „Neo – Zukunft heute“ im Bremer GOP-Varietétheater an den Strapaten, was in ihr steckt.
Flüstertöne und Körperspannung: Erin Skye zeigt in der Show „Neo – Zukunft heute“ im Bremer GOP-Varietétheater an den Strapaten, was in ihr steckt. © GOP

Bremen – Show Nummer drei in diesem Jahr – und das Bremer GOP-Varietétheater macht alles neu. Am Donnerstagabend hat die frische Produktion „Neo – Zukunft heute“ Premiere vor fast ausverkauftem Haus gefeiert.

Junge Künstler verzauberten dabei das Publikum, und die wurden in der ganzen Welt gesucht. Dafür klapperten die Macher den Globus ab – erfolgreich.

Anders als es der Titel der Show vermuten lässt, startet „Neo“ jedoch nicht im 21. Jahrhundert, sondern entführt die Zuschauer zunächst in die 80er Jahre. Aus den Boxen schallt eine altbekannte Anmoderation von Showmater-Urgestein Dieter Thomas Heck, Musiker Holger Dieffendahl bespielt eine „Keytar“, ein Umhänge-Keyboard, das an eine Gitarre erinnert. Das Bühnenbild – schlicht, karg, fast trostlos – kann als solches eigentlich nicht betitelt werden. Und dann ist da noch Moderator Martin Quilitz, der mit seinem Thomas-Gottschalk-Gedächtnis-Sakko auch ein wenig aus der Zeit gefallen scheint. „Neo“, griechisch für „neu“, ist hier zu Beginn nicht viel, doch das soll auch so sein.

GOP-Experiment: Was junge Menschen wollen

Die neue Darbietung sei vielmehr „ein Experiment, sich absolut darauf einzulassen, was junge Menschen denken, wollen und fühlen“, sagt Regisseur Knut Gwinder vor Beginn. Ein Mix aus jungen und erfahrenen Künstlern, eine Symbiose aus Trends und Altbewährtem solle „Neo“ sein. Und so führt die Performance nach und nach durch die Jahrzehnte und endet im Hier und Jetzt. Da ist zum einen die Strapaten-Nummer der australisch-slowenischen Künstlerin Erin Skye, die gerne die geltenden Konventionen der Luftakrobatik sprengt. Eine Flüster-Stimme strömt aus den Lautsprechern, während Skye grazil über den Boden schwebt, dazu mischen sich zuckende, fast krampfend wirkende Bewegungen der jungen Frau. Das mag vielleicht ab und an sogar verstörend wirken, doch es trifft den Puls der Zeit.

Ebenfalls jung und ebenfalls Altbewährtes mit Modernem verbindend: der Japaner Shu Takada. Der Jojo-Künstler zeigt, dass das Kinderspielzeug viel mehr kann, als nur auf und ab zu schwingen. Ineinander verwoben, geometrische Figuren bildend, dabei in alle Richtungen ausschlagend, erhält das Jojo eine gänzlich neue Bedeutungsebene und wird zum künstlerischen Requisit. Ganz nebenbei kann Takada auch Breakdance. Und somit wären wir wieder im Hier und Jetzt. Gespickt mit Nummern am Cyr-Wheel (Amélie Bolduc, Kanada), Darbietungen in der Partnerakrobatik vom italienisch-ukrainischen Duo Michael & Yulia und den Togni Brothers, die für Ikarier mächtig groß sind, ihre Show aber umso feinfühliger vollführen.

Und dann gibt es da noch die Jongleure der Worte und Klänge. Während Moderator Martin Quilitz stets mit Wortwitz und Situationskomik auf Tuchfüllung mit dem Publikum geht, verwandelt Musiker Holger Dieffendahl eben am Keyboard oder dem Akkordeon das GOP in seine ganz persönliche Experimentierkammer. Dieffendahl, der bereits mit den Musikern Cro (der mit der Panda-Maske) und James Blunt zusammenarbeitete, hat dabei nicht nur den Soundtrack zu „Neo“ geschrieben, sondern liefert sich nebenbei erfrischende verbale Scharmützel mit seinem Showkollegen Quilitz.

Trotz der seit Eröffnung 2013 mittlerweile 48. Produktion des Bremer GOP schafft es das Haus, sich nochmal aufs Neue zu erfinden. Das wird honoriert – mit minutenlangem Applaus des Publikums.

„Neo –Zukunft heute“ läuft noch bis einschließlich 3. Juli im GOP-Varietétheater in der Überseestadt (Am Weser-Terminal 4). Karten für die rund zweistündige Show gibt es ab 39 Euro. Weitere Informationen unter „www.variete.bremen.de“.

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