Saisoneröffnung am Schuppen Eins

Goliath trifft Tempo

Der Goliath-Kleintransporter trifft am Sonnabend bei der Saisoneröffnung am Oldtimerzentrum Schuppen Eins auf rollende Zeitgenossen aus der Nutzfahrzeug-Szene. - Foto: Esser

Bremen - Von Jörg Esser. Ein Fahrzeug muss alle zwei Jahre zur Tüv-Haupt-untersuchung. Auch wenn es 63 Jahre alt ist wie das Goliath-Dreirad vom Typ GD 750 aus dem Fuhrpark des Automobilkulturzentrums Schuppen Eins. Der Oldtimer hat es geschafft: Kein Problem beim Bremsentest. Kurzum: Es gab eine neue Plakette für weitere zwei Jahre.

Das Lastendreirad, gebaut 1954 im Borgward-Imperium bei Goliath in Hastedt, zählt zu den Hinguckern bei der Saisoneröffnung des Oldtimerzentrums am und im Schuppen Eins in der Überseestadt am Sonnabend, 22.  April. Dort wird von 10  bis 17 Uhr wieder „Benzin geschnackt“, sagt André Castens vom Schuppen Eins.

Und im Mittelpunkt steht ein historisches Nutzfahrzeugtreffen. Dazu rollen aus dem gesamten Nordwesten der Republik Kleintransporter und Laster heran. Ein Tempo-Dreirad – einst Hamburger Hauptkonkurrent von Goliath auf dem Markt der Kleintransporter – ist bereits aus Leer an die Weser gekurvt. Vom PS-Speicher in Einbeck aus machen sich drei Lkw-Züge auf den Weg in die Überseestadt.

Test bestanden: Das Goliath-Dreirad GD 750 ist fahrtüchtig. Aron Menze (l.) vom Tüv Nord klebt die Prüfplakette an den Oldtimer aus der Sammlung von Carsten Pätzold (r.). 

Der Goliath-Transporter GD  750 mit 750 Kilogramm Nutzlast war fast 30 Jahre lang als Lieferfahrzeug für Obst und Gemüse in Braunschweig unterwegs. In den 90ern ist er dann bei Carsten Pätzold gelandet. Der Fahrzeugsammler aus Thedinghausen hat sich auf besondere Objekte spezialisiert. Er überholt seine Oldtimer technisch, belässt sie aber im Originalzustand und hält sie „gnadenlos fahrbereit“. Pätzold sagt: „Ein Auto soll leben.“ Dass sein Goliath-Dreirad lebt, davon können sich die Besucher des Oldtimertreffens am Sonnabend überzeugen – Pätzold bietet Rundfahrten im historischen Lastenmobil an. Übrigens: Die weiteste Reise hat der Fahrzeugrestaurator aus Thedinghausen mit seinem Dreirad nach Sylt geführt. Auf der „Insel der Schönen und Reichen“ hat der Goliath den Ferraris die Schau gestohlen.

Vom GD 750 mit Zwei-Zylinder-Zweitakt-Motor und Heckantrieb, 14 PS Leistung und einer Höchstgeschwindigkeit von 55 Kilometern pro Stunde, existieren laut Pätzold nur noch wenige Modelle. „Zehn Stück vielleicht.“ Die Lastenfahrzeuge – vorwiegend von kleinen Händlern und Gewerbetreibenden genutzt und gefahren – seien „gebraucht und verbraucht worden“. War das Dreirad nicht mehr fahrtüchtig, wurde es zersägt. Das Metall sei beim Schrotthändler gelandet, das Holz sei verbrannt und aus den Hauben seien Hühnerställe gebaut worden.

So weit, so schön. Der Saisonauftakt im Schuppen Eins ist laut Castens nicht nur ein Nutzfahrzeug-, sondern ein „offenes Oldtimertreffen“. Angesagt hat sich unter anderem der Peugeot-Club. Auch rund 50 US-„Plüsch-Vans“ rollen heran. Der ADAC Weser-Ems baut einen Rutscheauto-Parcours für Kids auf und präsentiert historische Pannenhelfer-Fahrzeuge. Der Tüv Nord ist mit einem Fahrzeugsimulator vor Ort. Und die „Hanse-Trucker“ zeigen ihre Miniatur-Nutzfahrzeuge in voller Aktion.

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