Nach Volksentscheid gegen Bebauung

Galopprennbahn in der Vahr: Golfclub Syke auf Bremer Grün?

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Wird auf dem Grün inmitten der ausgedienten Galopprennbahn in der Vahr auch künftig Golf gespielt? Der Golfclub Syke kann sich durchaus vorstellen, den Platz gemeinsam mit anderen Clubs zu nutzen.

Die Galopprennbahn in der Vahr ist weiter ein Thema, nachdem die Bremer beim Volksentscheid im Mai mehrheitlich die Wohnbebauung des Geländes abgelehnt haben.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Während der „Runde Tisch“ zum Thema Nachnutzung noch auf sich warten lässt, bekunden inzwischen viele potenzielle Nutzer Interesse. Zum Ende des Jahres verlässt der Golfanbieter Golfrange das Gelände. Caspar Willich (59), Präsident des Golfclubs Syke, will nun die Möglichkeiten einer Nachnutzung ausloten.

„Wir sind bestürzt, dass es vorbei ist. Die Golfrange war ein angenehmer Kooperationspartner. Sie war ein Magnet für viele Menschen, die durch sie mit dem Golfspiel angefangen haben“, sagt Willich. Die Golfanlage in der Vahr habe durchaus viele Vorzüge. Der Platz sei gut angelegt. „Die Range hat sehr viele Abschlagplätze. Sie ist auch wunderbar lang“, sagt Willich. „Junge Kerle schlagen die Bälle weit. Sie können da gut trainieren.“ 

Golfclubs sprechen über Nutzung der Galopprennbahn in der Vahr

Die Golf-Range habe mehr als 700 Mitglieder, die sich nun umschauen müssen, wenn sie weiter Golf spielen wollen. Willich will sich mit anderen Golfclubs in der Umgebung in Verbindung setzen, um Möglichkeiten einer gemeinsamen Nachnutzung zu besprechen. Dafür eigne sich eine Arbeitsgemeinschaft „Golf in Bremen und umzu“ im Golfverband Niedersachsen-Bremen. Der Golfclub Syke betreibt im Ortsteil Okel eine stattliche 27-Loch-Anlage.

Willich ist zudem Inklusionsbeauftragter im Golfverband-Niedersachsen-Bremen. Er kann sich vorstellen, den Martinshof Bremen als Partner mit ins Boot zu hohlen. Menschen mit Down-Syndrom könnten auf dem „sehr weitläufigen Golfplatz“ beispielsweise gut an ihrer Bewegungskoordination arbeiten. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Interessenten böte viele Möglichkeiten.

Syker Vorsitzender will mit WFB über Verpachtung sprechen

Willich will sich zeitnah mit der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB), zuständig für die Verpachtung der Fläche, in Verbindung setzen. Diese hat den Vertrag mit der Golf-Range vor einigen Wochen gekündigt, da bei den Verhandlungen zu Vertragslaufzeiten und finanziellen Risiken aus ihrer Sicht keine akzeptable Einigung zustandegekommen ist. „Wir müssten da eigentlich offene Türen einrennen. Es entstehen Kosten, wenn da nichts passiert. Die wäre die WFB los, wenn wir mit mehreren Nachnutzern auftreten“, sagt Willich. Beispielsweise müssten Häuser auf dem Gelände geheizt und instandgehalten werden. Bis zum Zustandekommen des „Runden Tisches“ müssten noch Untersuchungen zu Kosten und Erlösen gemacht werden, so Willich.

Der „Runde Tisch“ wird wohl erst im kommenden Jahr stattfinden und nicht, wie ursprünglich angekündigt, in den ersten 100 Tagen der neuen rot-grün-roten Regierung. Im Bauressort arbeitet man an einem Konzept für den „Runden Tisch“. „Wir brauchen eine externe Moderation. Wir sehen uns selber als Mitspieler“, sagt Jens Tittmann, Sprecher des grünen Bauressorts. „Es hat keinen Zweck, wenn wir das selbst moderieren.“ Der Termin hänge davon ab, wie bald ein Konsens über die Zusammensetzung der Runde gefunden werde und auch dazu, wer dauerhaft und wer temporär dazugehöre.

Bremen: Potenzial für 30.000 Wohneinheiten

Auch ohne das Rennbahngelände stehe in Bremen ein Flächenpotenzial für 30.000 Wohneinheiten zur Verfügung. Die Einheiten seien aber oft sehr kleinteilig, so Tittmann. „Man kann sie nur peu à peu entwickeln. Beim Könecke- und dem Coca-Cola-Gelände befindet sich noch Industrie um die Ecke. Da muss es erst ein Lärmschutzgutachten geben.“ Es gäbe genug Bauflächen in Bremen, meint Tittmann, aber die Galopprennbahn wäre attraktiv gewesen. Denn dort hätte man viel Fläche schnell entwickeln können. Wichtig sei dem Ressort, das Rennbahngelände zu öffnen, also für Wege über das Areal zu sorgen.

Geschickt gestaltete Wege wünscht sich auch Andreas Sponbiel (51), Sprecher der Bürgerinitiative Rennbahngelände. Er bekam bereits viele Anfragen von potenziellen Nachnutzern, darunter auch Eventagenturen. „Ich habe schon mit 30 potenziellen Nutzern und Veranstaltern gesprochen“, sagt Sponbiel. 

„Das Interesse ist überwältigend.“ Zwölf Sportvereine könnten sich die gemeinsame Nutzung einer Mehrzweckhalle vorstellen. Der Rennverein habe weiterhin Interesse an Rennveranstaltungen. Auch Bremer Ballonsportler hätten angefragt. Zudem gäbe es Interessenten für einen Winterzirkus und sogar einen Zoo.

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