Golf-Fahrer und Golf-Spieler

SPD-Chef Martin Schulz: Tourstart auf dem Bremer Marktplatz

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SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bei seiner Rede auf dem Bremer Marktplatz – auf dem Videoschirm und am Pult. Sein Rednerpult stand nicht auf, sondern vor der Bühne. Der Kandidat spricht nicht von oben herab, symbolisiert dieser Aufbau.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Rote Fahnen auf dem Bremer Marktplatz. Nun ja, mit der Aufschrift „SPD“. Also: nichts Revolutionäres am Montagabend. Sondern der Auftakt der Wahlkampftour des SPD-Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Der Ruf nach „mehr Gerechtigkeit“ war der vielfach wiederholte Refrain der 55-minütigen Rede, die Schulz vor – so die Polizeischätzung – knapp 2000 Zuhörern gehalten hat.

„Wir starten heute die heiße Phase unseres Wahlkampfs hier in Bremen – in unserer sozialdemokratischen Hochburg“, sagte Schulz. Und kämpfen, das will er. Kämpfen muss er gegenwärtig mit schlechten Umfragewerten. „Umfragen sind keine Ergebnisse“, sagt der Kandidat dazu.

Vorhersagbare Themen - starke Bühnenpräsenz

Angekündigt hat seine Partei den Auftritt unter dem Tourneemotto „Martin Schulz live“ – ganz so, als handele es sich um einen Popstar, als sei Schulz nicht die Antwort der SPD auf Angela Merkel, sondern die Antwort auf Helene Fischer. Leider fällt seine Show – aus dieser Perspektive gesehen – etwas ab. Große Überraschungseffekte bleiben aus, manche Texte wirken einstudiert. „In unserem Land geht es nicht gerecht zu“, heißt es dann zum wiederholten Mal.

Apropos: Bildungsgerechtigkeit, Lohngerechtigkeit, Rentengerechtigkeit. Das sind einige der Themen und Stichworte, die Schulz abarbeitet – wie auch Wohnungsbau und Gesundheitspolitik, Entlastung der Familien und Zukunftsfähigkeit der Autoindustrie. Das alles war praktisch vorhersagbar.

Eine stärkere Bühnenpräsenz entwickelt Schulz bei seinem Live-Auftritt, wenn er deutlicher zur Sache geht. Dann wirkt er gleich viel politischer. Mehrmals greift er Bundeskanzlerin Merkel (CDU) direkt an – so sei sie „ganz persönlich“ gegen die Abschaffung der „Schande Leiharbeit“ gewesen. Auch Alleinerziehende würden „von Frau Merkel persönlich“ hängengelassen. „Ich will es besser machen als Bundeskanzler. Nichts ist ,alternativlos‘, wie Angela Merkel es behauptet.“ Das gibt Applaus.

Menschen aus allen Generationen lauschen dem Kanzlerkandidaten

Den gibt es auch für plakative Formulierungen: „Mich interessieren die Golf-Fahrer mehr als die Golf-Spieler.“ Und zu den Rechtspopulisten: „Diese Organisation der Hetzer ist keine Alternative für Deutschland, sie ist eine Schande für die Bundesrepublik.“

Im Publikum: Menschen aus allen Generationen. Väter mit Kindern und Jugendliche sind ebenso darunter wie jene, die schon etliche Bundestagswahlkämpfe erlebt haben. Manche der Jüngeren halten Plakate hoch, die der Inszenierung Momente des Absurden verleihen. „Jetzt ist Schulz“, ist da zu lesen. Und: „London, New York, Paris, Würselen“. Dort, in Nordrhein-Westfalen, war Schulz mal Bürgermeister.

Jetzt, auf dem Bremer Marktplatz, hat er sich in Schwung geredet. Er zeigt auch, dass er spontan reagieren kann. Lautstarken Zwischenrufern der Satire-Partei „Die Partei“ etwa begegnet er mit Gelassenheit und Humor: „Hör mal, ich spendier Dir einen Sprudel – bei der Anstrengung. . .“ Das wirkt.

Aber die Tournee geht weiter. 44 Auftritte hat Schulz nun noch vor sich.

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