Tibetische Kultur in der Botanika: Der Thangka-Künstler Karsang Lama zeigt, wie er arbeitet

Goldstaub, Heilkunst, Höllenqual

Karsang Lama an seinem Arbeitsplatz in der Botanika. Der Thangka-Maler hockt im Schneidersitz vor dem Rollbild, an dem er gerade arbeitet.

Bremen - Von Thomas Kuzaj· Sie dienen zur Meditation, zur medizinischen Ausbildung und zum buchstäblich bildhaften Erzählen religiöser Geschichten: Thangkas. Gegenwärtig zeigt die Botanika im Bremer Rhododendronpark die tibetischen Rollbilder. Ein Thangka-Maler ist auch dort.

Buddhismus ist in Mode, der Dalai Lama wird im Westen gefeiert wie ein Popstar. Als so etwas noch undenkbar war, hat sich der Bremer Holm Triesch bereits für Thangkas interessiert. 1985 lernte er den Thangka-Maler Karsang Lama kennen.

Karsang Lama ist Gründer und Leiter des „Dharmapala Thangka Centre“, einer Malschule in Kathmandu, Nepal. Seine Arbeiten finden sich in buddhistischen Klöstern in ganz Asien. Der Dalai Lama besitzt mehrere Rollbilder seiner Malschule.

Und einige Dutzend seiner Arbeiten hängen jetzt in der Botanika. Holm Triesch hatte die Ausstellung angeregt und den Maler dazu bewegt, für vier Wochen nach Bremen zu kommen. „It‘s a nice place“, sagt der nun höflich, ein schöner Ort, die Hansestadt mit ihrer Botanika. Im Japanischen Garten ist der Künstler zu finden. Noch bis zum 14. April können die Besucher ihm bei der Arbeit zusehen – dieser Tage übrigens auch beim Botanika-Wasserfall, wo Karsang Lama kein Thanka malt, sondern ein Drachenbild.

Bei der Arbeit an den Thangkas setzt er sich eine Brille auf. Farbe hat er nicht allein auf der Palette, sondern auch auf seinem Handrücken. Die Thangka-Ausstellung dauert noch bis zum 9. Mai. Ein Schwerpunkt sind Rollbilder, die das Wissen der traditionellen tibetischen Medizin darstellen. In Bildern, nicht in Worten – damit keine Missverständnisse aufkommen. Im 17. Jahrhundert hatte der fünfte Dalai Lama die Illustrationen in Auftrag gegeben, sagt Triesch. 77 Motive sind so entstanden, die der Ärzteausbildung dienen.

Hinzu kommen religiöse Thangkas – „detailreich und nach strengen Regeln gearbeitet“, wie Botanika-Chefin Petra Schäffer erzählt. Dabei geht es bisweilen drastisch zu. In einem Lebensrad etwa wird der ewige Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt dargestellt. Auch die Hölle ist zu sehen – und das, was den Sündern dort droht: Vierteilung. Aufspießen. Zersägen.

Es fällt auf, wie filigran und detailreich die bunten Stoffbilder gearbeitet sind. Bisweilen kommen dabei nicht nur Stoff und Farbe zum Einsatz. Ein Thangka mit Episoden aus dem Leben des historischen Buddhas Shakyamuni etwa hat eine Grundierung aus echtem Goldstaub. Striche und Ornamente sind zuweilen sehr filigran – so sehr, dass man sie nicht zeichnen kann, wenn man den Arm bewegt, wie Triesch berichtet. Also: „Alles wird verschnürt, um nur die Finger bewegen zu können.“ Bleibt die Frage, wieso es eigentlich Rollbilder sind. Nun, weil die Mönche sie aufgerollt natürlich viel besser transportieren konnten. Und können.

WWW.

thangka.de

botanika.net

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