Die goldene Kloake 

Archäologen machen spannende Funde bei Grabungen am Abbentor

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Archäologen graben auf dem Grundstück im Bereich Neuenstraße/Abbentorswallstraße. Im Vordergrund ist die runde Mauer einer Kloake aus der Zeit um 1400 zu erkennen. 

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Und wieder eine Überraschung. Ein Bronzetopf ist es, der da aus den Tiefen der bremischen Vergangenheit ans Licht der Gegenwart kommt. Und das an dieser Stelle. Im Bereich des Abbentors, am Beginn der Neuenstraße. Galt die Gegend hier nicht einst als Quartier ärmerer Bewohner? Jetzt graben hier die Archäologen. Und so ein Bronzekochtopf, wie er am Freitagvormittag entdeckt wurde, passt nicht in ein Armenviertel.

Denn das Material war kostbar. „Es gehörte zum Wertvollsten, was man an Hausstand hatte“, so Dr. Dieter Bischop, bei der Landesarchäologie zuständig für die Stadt. „So etwas wurde im Testament erwähnt.“ Aufgetaucht ist der Bronzefund, den Bischop auf die Zeit um 1400 datiert, in einer Kloake. Es sei das erste Mal, dass so ein Stück hier in einer geschlossenen Grabung gefunden wurde.

Nun, das Grundstück entlang der Abbentorswallstraße hat es offenbar in sich. Die Firma Bauatelier Nord will hier 55 Eigentumswohnungen errichten. Geschäftsführer Volker Meyer wartet das Ende der Grabungen ab. „Wenn der Startschuss fällt, dann brauchen wir zwei Jahre Bauzeit.“ Etwa im Herbst 2021 dürfte alles fertig sein.

Aus der Zukunft zurück in die Vergangenheit. Das Areal enthalte „überraschend viele Abfallgruben, Kloaken des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit“, heißt es bei der Landesarchäologie. Mit den Grabungen beauftragt wurde das Fachunternehmen Archaeofirm – unter der örtlichen Grabungsleitung von Felix Jordan.

Knapp außerhalb der Stadtbefestigung

Das Grundstück liegt knapp außerhalb der hochmittelalterlichen Stadtbefestigung Bremens, die erst ab etwa 1307 das Stephaniviertel mit einbezog. „Grund genug, hier im noch nicht durch Nachkriegsbebauung zerstörten Untergrund bedeutende archäologische Spuren zu erwarten“, so Bischop. „Diese Spuren dokumentieren die mittelalterliche und frühneuzeitliche Entwicklung des Stephaniviertels.“

Und sie bringen eben die traditionelle Vorstellung vom Armenquartier ins Wanken – nicht allein wegen des Bronzefunds. Denn in einer der Kloaken haben die Archäologen auch eine recht spektakuläre Goldmünze gefunden. Eine Münze mit dem Bild des „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. (1638 bis 1715).

„Sonnenkönig“ Ludwig XIV. auf der Goldmünze aus dem Jahr 1694.

Der Doppelgold-Louisdor, im Jahr 1694 in Frankreich geprägt, hat ein Gewicht von 13,4 Gramm. Der Wert der Münze entsprach im 17. Jahrhundert „in etwa dem Jahreslohn eines Bremer Arbeiters“, sagt Bischop. Es ist die bisher schwerste Goldmünze, die bei Ausgrabungen im Bremer Stadtgebiet geborgen wurde. Vergleichbare Münzen haben die Archäologen zuvor am Bredenplatz und auf dem Teerhof gefunden. In Quartieren also, wo die wohlhabenden „Pfeffersäcke“ saßen. Aber hier, im Bereich des Stephaniviertels? Und dann noch in einer Kloake? Bischop hat so eine Theorie, wie die Goldmünze – in jenen Zeiten die Handelsmünze der Fernhändler – an diesen Ort gekommen ist: „Die muss hier jemand verloren haben. Und wer sie hier verloren hat, wird sich mächtig geärgert haben.“

Gleichwohl – das alte Bild vom Armenviertel, es wird erschüttert. Auch durch Keramikfunde. „Vergleichsweise ungewöhnlich für arme Leute“ sei nämlich aus China importiertes Porzellan, sagt Bischop. Zudem fanden die Archäologen auf dem Grundstück hochwertiges Steinzeug, das aus dem Rheinland stammt. Bischop zeigt einen Krug aus dem 15. Jahrhundert: „Aus Siegburg. Ganz typisch dafür ist der mit Fingern geriffelte Boden.“

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