125. Geburtstag der Bremer Schornsteinfeger-Innung / Bundeskongress: Berufsbild verändert sich

Glücksbringer und Energieberater

Mit Kehrbesen vor dem Haus der Handwerkskammer: Christopher Müller (18, zweites Lehrjahr) aus Bremerhaven und seine Bremer Kollegin Alessa Koch (17, ebenfalls zweites Lehrjahr).

Bremen - Von Thomas Kuzaj· Sie gelten als Glücksbringer – Glücksbringer, denen die Europäische Union einschneidende Veränderungen aufzwingt. Die Bremer Schornsteinfeger-Innung feiert heute, Dienstag, mit einem Empfang bei der Handwerkskammer ihren 125. Geburtstag.

Und morgen, Mittwoch, beginnt im Congress Centrum auf der Bürgerweide der nunmehr 126. Bundesverbandstag des Schornsteinfegerhandwerks, zu dem 167 Delegierte erwartet werden. Bis einschließlich Freitag, 11. Juni, werden also besonders viele Glücksbringer in Bremen unterwegs sein.

In früheren Jahrhunderten brannten etliche Häuser ab, weil ihre Kamine nicht richtig gereinigt waren. Häuser mit gekehrten Kaminen waren nicht so oft von Bränden betroffen. Aus dieser Zeit stammt der Glaube, dass Schornsteinfeger Glück bringen. Aber die schwarzen Männer und Frauen bewegen heute ganz andere Themen. Wo steht der Schornsteinfeger in der Zukunft? Diese Frage beschäftigt die Delegierten. „Auf dem Dach“, möchte man salopp antworten. Doch so einfach ist es wohl nicht.

Hans-Günther Beyerstedt, Präsident des Bundesverbands, spricht von einem Umbruch, und zwar von einem großen: „Vom regulierten Handwerk hin zum freien Wettbewerb.“ So will es Europa. Nach Jahrzehnten der festen Kehrbezirke gibt es nun eine Übergangsperiode, und ab 2013 herrscht sozusagen Kehrfreiheit. Die Bezirke werden dann für jeweils sieben Jahre ausgeschrieben. Noch immer wird sich der Schornsteinfeger beim Hauseigentümer melden. Aber der kann sich dann auch für einen anderen entscheiden.

Wie kann ein Unternehmer, der der selbstständige Schornsteinfegermeister ja auch ist, da verlässlich kalkulieren? Eine Ausweitung der Aufgaben soll mehr Sicherheit bringen – das ist die Strategie. Messen, kehren, überprüfen – „in Zukunft kommt der Energiebereich hinzu“, sagt Beyerstedt. „Energieberatung für Hausbesitzer, Rauchmelder, vorbeugender Brandschutz.“ So fasst Günter Dieckhöner, Obermeister des Bremer Innungsverbands, die neuen Aufgaben zusammen. Und er lobt: „Die Politik hat uns geholfen mit einem Landesgesetz.“ Danach können freiwerdende Bezirke auf bestehende Betriebe aufgeteilt werden. 64 Schornsteinfegerbetriebe gibt es in Bremen.

Die Innung wurde am 28. September 1885 im Gewerbehaus gegründet – die 125-Jahr-Feier ist also ein kleiner Vorgriff. Aber die Bremer Schornsteinfeger waren ihrer Zeit offenbar schon immer ein wenig voraus. Als erste in Deutschland schrieb die Bremische Schornsteinfegerordnung anno 1899 vor, gleichzeitig Schornsteine zu reinigen und Feuerungsanlagen zu überprüfen. Die Feuerstätten mit sechseckigen Plaketten in verschiedenen Farben zu kennzeichnen, war auch eine Bremer Erfindung. Seit 1985 übrigens gibt es in Bremen auch Schornsteinfegerinnen. Die erste war eine Bremerhavenerin.

WWW.

schornsteinfeger-bremen.de

Das könnte Sie auch interessieren

"Gelbwesten"-Krise: Macron äußert sich am Montagabend

"Gelbwesten"-Krise: Macron äußert sich am Montagabend

Feuerwehr-Übung in Heiligenfelde

Feuerwehr-Übung in Heiligenfelde

Weihnachtliche Kulturtage in Syke

Weihnachtliche Kulturtage in Syke

Martfelder Weihnachtsmarkt

Martfelder Weihnachtsmarkt

Meistgelesene Artikel

Frau im Koma: 47-Jähriger soll Spritzen ausgetauscht haben

Frau im Koma: 47-Jähriger soll Spritzen ausgetauscht haben

„Bus on demand“: Minibusse auf Abruf

„Bus on demand“: Minibusse auf Abruf

Rückruf: Süßwaren-Hersteller warnt vor Verzehr von beliebtem Weihnachtsgebäck

Rückruf: Süßwaren-Hersteller warnt vor Verzehr von beliebtem Weihnachtsgebäck

Razzia gegen organisierte Kriminalität in Bremen: Polizei spricht von sieben Beschuldigten

Razzia gegen organisierte Kriminalität in Bremen: Polizei spricht von sieben Beschuldigten

Kommentare