Jugendliche Schüler erarbeiten sich die Zutaten für ein „gelingendes Leben“

Glück auf dem Lehrplan

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Achtklässler der Oberschule an der Schaumburger Straße präsentieren ihre „Glücksbücher“, die im „Schulfach Glück“, einem Bremer Pilotprojekt, enstanden sind. ·

Bremen - Von Viviane ReinekingEs geht um Selbstbewusstsein, Orientierung, Zufriedenheit, um Selbstverantwortung und ein „gelingendes Leben“: Im „Schulfach Glück“, einem Pilotprojekt in der Bremer Bildungslandschaft, lernen Achtklässler der Oberschule an der Schaumburger Straße, wie sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen können.

„Kinder in der Pubertät lechzen danach, fürs Leben zu lernen“, sagt Ulrike Pape, die das Projekt an der Schule ehrenamtlich begleitet. „Und die Schule kann das nicht alles abdecken.“ Eine Gruppe von Eltern wollte über den Unterricht hinaus etwas schaffen, was Kinder und Jugendliche auf emotionaler und körperlicher Ebene stärkt und Wege aufzeigt, wie wie sie das eigene Leben aktiv positiv gestalten können. Unter dem Motto „Glück zu haben, ist keine Glückssache. Glück ist lernbar“ nähern sich die Schüler einmal in der Woche in einer Doppelstunde mit ihren Gruppenleiterinnen Sarah Harjes und Kathrin Klug dem Glück. Oder vielmehr: dem „gelingenden Leben“. Und zu dem gehören auch Misserfolge, Niederlagen, schwierige Zeiten. Gestern stellten sie ihre Arbeit und Ergebnisse Pressevertreten vor.

Mit theatralen Mitteln, Biographiearbeit und filmischen Darstellungen bekommen die Jugendlichen Instrumente an die Hand, um selbstbewussteres Hanseln zu üben und sich als verantwortungsvolle Menschen zu erfahren. Auch Bewegung, Sport, Konzentrationsübungen und Ernährung können dazu beitragen, sich wohler zu fühlen und damit glücklicher zu sein. Überlastung, Burn-out und das Warten auf das große Los – für Schulleiterin Annette McCallum ein Grund, das Projekt zu unterstützen: „Das Glück hängt von so vielen kleinen Dingen ab. Unser Schüler werden auf diesem Gebiet jetzt echte Experten.“

In den „Glücksstunden“ beschäftigten sich die Schüler beispielsweise damit, wie sie sich selbst und andere wahrnehmen. Was strahle ich aus, wenn ich jemandem mit verschränkten Armen gegenübersitze? Abweisung? Desinteresse? „Jetzt weiß ich, wie wichtig eine bestimmte Körperhaltung beispielsweise bei einem Vorstellungsgespräch ist“, sagt Feline Lakomy.

Statt Frontalunterricht erarbeiten sich die Schüler ihre Erkenntnisse über sich selbst, das eigene Handeln, das Leben in der Gemeinschaft, über Vertrauen, Lebensfreude und Solidarität. Das alles tragen sie ein in ihre selbst kreierten „Glücksbücher“. Gerne würden sie und ihre Freundin Rebecca Diedrich ihr Abitur auch in „Glück“ machen. „Ich habe bisher noch nie so intensiv über diese Dinge nachgedacht“, sagt Rebecca.

„Wenn man mit den Jugendlichen auf Forschungsreise geht, wird man absolut flexibel“, sagt die Kunst- und Theaterpädagogin Sarah Harjes-Fritzsche. Eine Glücksformel werde den Schülern aber nicht vorgegeben: „Sie sollen für sich selbst entdecken, was für sie Glück bedeutet. Auch das gehört zum gelingenden Leben“, so McCallum.

Ihrer Vorstellung vom Glück verleihen die engagierten Jugendlichen auch in Form von eigens inszenierten und gedrehten Kurzfilmen Ausdruck: Zwei Schuhe, die sich ebenso wie zwei beste Freundinnen ergänzen, stehen im Mittelpunkt von Felines und Rebeccas Streifen. Einige Schüler interviewten Menschen über Dinge, die sie in ihrem Leben als besonders gelungen ansehen. Aus diesen persönlichen Glücksmomenten kochten sie eine „Suppe des Gelingens“.

Ganz neu ist die Idee vom Glück als Schulfach nicht: Am Heidelberger Wirtschaftsgymnasium können die Schüler „Glück“ als Abitursfach belegen. Noch ist es nur ein Projekt, gefördert von der SWB-Bildungsinitiative. Ab dem übernächsten Jahr soll das Glück dann auch als reguläres Schulfach auf dem Lehrplan stehen.

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