Glosse

U wie unverpackt: Ohne Folie, aber mit Handschuhen

Dose voll? Dose leer? Der Unverpackt-Einkauf, er hat so seine Tücken. Foto: KUZAJ
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Dose voll? Dose leer? Der Unverpackt-Einkauf, er hat so seine Tücken.

Weniger Verpackungsmüll, weniger Plastik, weniger Umweltbelastung - Von Thomas Kuzaj. das ist eine gute Sache. Und das gilt auch in Bremen. Hier gibt es Unverpackt-Läden mit so schönen (und selbsterklärenden) Namen wie „Füllerei“, „Selfair“ und „Füllkorn“. Die haben Nüsse und Nudeln, Getreide und Milch, Süßes und Kosmetikartikel ohne Verpackung. Also ohne Müll, Plastik und Umweltbelastung. Die Kunden bringen Gläser und Dosen mit.

Die Bremer lieben den Unverpackt-Trend, was auch in Stadtteilen ohne Unverpackt-Läden zu spüren ist. Und genau da wird die Sache zum Problem. Vor allem, wenn der Supermarkt um die Ecke noch nichts mitbekommen hat vom neuen Umweltbewusstsein der Kundschaft – und keine Mehrweg-Gefäße im Angebot hat, deren Gewicht die Waage an der Kasse kennt.

Dann nämlich kommen doch tatsächlich Kunden, die eine Salattransportbox von zu Hause mitgebracht haben. In diese – und nicht in die bereitstehenden Plastikschüsseln – füllen sie nun die mediterranen und regionalen Köstlichkeiten von der Selbstbedienungs-Salattheke. Dann der Aufschrei an der Kasse: „Ihre Dose ist bei uns doch nicht eingespeichert!“ – „Ja, und?“ – „So kann ich Ihren Salat nicht auswiegen, ich kann ja das Gewicht Ihrer Dose nicht abziehen.“ – „Dann zahle ich das Gewicht einfach mit.“ Dieser Vorschlag ist so entwaffnend pragmatisch, dass die Kassiererin schließlich einwilligt.

Damit hat sie es leichter als ihre Kollegin an der Wursttheke. Hier steht eine Kundin, die ihren Aufschnitt partout nicht in Papier und Plastikfolie eingewickelt bekommen will, das scheint ihr überhaupt nicht zu schmecken. Sie hat eine Dose für den Aufschnitt mitgebracht. Die Verkäuferin darf diese Dose aber nicht so einfach annehmen, da gibt’s Hygienevorschriften, heißt es. Und es gibt eine Möglichkeit.

Die Verkäuferin verschwindet kurz hinter den Kulissen, dann kommt sie zurück – und hat ihre Plastikhandschuhe gewechselt. Danach legt sie die Wurstscheiben in die Dose der Kundin. Dann wechselt sie die Handschuhe erneut.

Das hat die Kundin richtig gut gemacht. Plastikfolie am Aufschnitt vermieden. Und Handschuh-Plastikmüll produziert. Aber ohne Frage alles in bester Absicht, im Dienst der guten Sache. . .

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