INTERVIEW Gregor Meyle über Musik, Familie, Johannes und „Gröni“

Im Gleichgewicht

Ein Musiker mit dem Sinn für Tiefe und Leichtigkeit: Gregor Meyle spielt am 15. Dezember im „Aladin“. Foto: Christoph Höhmann

Bremen - Von Ralf Sussek. Ein bodenständiger Singer/Songwriter, als das geht Gregor Meyle durch. Der 41-Jährige, vor fünf Jahren durch das TV-Format „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden, spielt am Sonntag, 15. Dezember, um 20 Uhr mit seiner zehnköpfigen Band im Bremer „Aladin“. Vorher spricht Meyle über nicht so erfolgreiche Zeiten, das Musikbusiness, seine Familie – und was in seinem Leben hätte anders kommen können.

Wenn Dich jemand noch nicht kennt, wie beschreibst Du Dich? Was für Musik macht Gregor Meyle?

Ich liebe Musik aus der ganzen Welt. Auch die Band ist unfassbar vielseitig. Ich bin wohl am schlechtesten dafür geeignet, das selbst einzuschätzen. Wir haben einfach Spaß an der Musik.

Bei einem Deiner „Sommerkonzerte“ im Oranienburger Schloss hattest Du ja einige schmissige Nummern dabei.

Na, klar, bei so einem Open Air, bei dem die Leute zwei Stunden stehen, kannst Du nicht die ganze Zeit Balladen spielen. Wir haben ja auch Material aus jetzt sechs Alben – das siebte beginnen wir gerade zu schreiben.

Und in welche Richtung entwickelt es sich?

Das kann ich gar nicht sagen. Ich fange gerade an, Beats zu sammeln. Wir haben ja schon viele Sachen gemacht. Ich bin halt nicht mehr in Genres unterwegs. Ich habe einfach mal wieder Bock auf einen lässigen Song oder auf Soul, und dann schauen wir, was passiert – es wird musikalisch auf jeden Fall eine bunte Mischung.

Dein aktuelles Album heißt „Hätt auch anders kommen können“. Gibt es solche Gedanken auch bei Gregor Meyle?

Ja, gar nicht so selten. Vor 15 Jahren war der deutschsprachige Singer/Songwriter nicht angesagt. Dass so ein Typ mit Gitarre auf der Bühne steht, das gab es ja nicht, mit Ausnahme von Reinhard Mey vielleicht. Aber den klassischen Erzähler gab es nicht so wirklich. Deshalb bin ich happy, dass wir als Pioniere dabei waren, wie Johannes Oerding oder Philipp Poisel. Es gab eben 2009/2010 auch Momente, da konnte man die Miete nicht mehr bezahlen. Da hat man überlegt, ob man mit der Mucke abschließt und wieder den gelernten Beruf als Tontechniker macht. So gab es viele Situationen.

War „Sing meinen Song“ ein Wendepunkt in Deiner Karriere?

Als die Sendung lief und der Hype darum losging, kam das Gefühl in mir auf, dass ich vielleicht ab jetzt für den Rest meines Lebens Musik machen und davon leben kann. „Sing meinen Song“ war auf jeden Fall ein „Stellwerk“. Da ist unfassbar viel passiert, auch dass Sarah Connor in dieser Sendung den Frieden mit der deutschen Sprache gemacht hat (weil sie auf Deutsch sang, d. Red.).

Eines Deiner Lieder heißt „Die Leichtigkeit des Seins“. Wie bewahrt sich Gregor Meyle seine Leichtigkeit?

Ich fasse mich an die eigene Nase. Ich habe ja sozusagen eine Geschäftsführung, 20 Familien leben von dem Job, den ich mache. Die Leichtigkeit des Seins zeigt sich darin, dass ich nicht alles von jetzt auf gleich haben muss; Termine lassen sich verschieben. Ich habe in meinem Leben viel gearbeitet, Gas gegeben. Jetzt ist für mich das Gleichgewicht von Familie und Karriere das Allerwichtigste. „Höher, schneller, weiter“ brauche ich nicht mehr.

Wie hältst Du dieses Gleichgewicht von Beruf und Familie, wenn Du auf Tournee bist?

Bis auf drei Leute haben alle, auch in der Technik-Crew, Familie. Wir sind im Jahr fünf bis sechs Monate unterwegs, in denen wir aber nur an den Wochenenden spielen. Selbst jetzt, wenn wir auf Tour sind, bin ich drei oder vier Tage in der Woche zu Hause. Da haben wir ein sehr schönes Leben, das genießen wir. Und vier Monate im Jahr bin ich komplett zu Hause und arbeite kreativ in meinem Studio.

Und vor dem Konzert gibt es einen Anruf zu Hause bei Frau und Tochter?

Na, die Tochter (zweieinhalb, die Red.) sieht dank „Facetime“ (Videoübertragung, d. Red.), wo ich bin. Sie kann quatschen ohne Ende und verkauft schon meine CDs (lacht). Sie weiß, dass der Papa Musik macht, kennt die ganzen Musiker, und sie singt gerne. Aber sie weiß auch, dass der Papa bald zurückkommt. Wir steigen dann Sonntagabend in den Tourbus, und das ist auch ökologisch sinnvoll, dass wir nicht mehr selbst und getrennt nach Hause fahren.

Das klingt aber nach logistischer Herausforderung.

Ja, das ist viel Arbeit. Wir müssen uns immer Gedanken machen, wie wir das hinkriegen, weil wir aus Berlin, der Schweiz und Luxemburg kommen. Wir haben einen zentralen Sammelpunkt in Köln, von dem aus wir möglichst gemeinsam losfahren. Wenn alle im Tourbus sind, bin ich immer happy, dann ist keiner krank. Es sind halt insgesamt 18 Leute auf Tour.

Du bist jetzt 41. Machst Du da langfristige Pläne?

Für mich ist das Projekt dieser Band sehr schön, ich hoffe, dass wir das noch lange machen können. Wir müssen schauen, ob die Leute uns noch hören wollen, davon ist sehr viel abhängig. Wenn „Gröni“ (Herbert Grönemeyer, d. Red.) am selben Wochenende in der Stadt ist, nimmt der schon etwas weg. Die Live-Branche hat die Plattenverkäufe als wichtigstes Element abgelöst. Wir haben ein treues Stammpublikum, werden aber auch von vielen Besuchern neu entdeckt. Man muss schon regelmäßig Platten rausbringen und in lustigen Shows auftauchen – dann geht es weiter . . . (lacht)

Was verbindest Du mit Bremen? Warst Du überhaupt schon mal hier?

Wir haben in den Anfängen auf dem Theaterschiff gespielt, zweimal waren wir im Pier 2. Dann habe ich Johannes Strate von „Revolverheld“ angerufen und ihn gefragt, wo wir denn mal spielen können, und er hat uns das „Aladin“ empfohlen.

Und abseits der Location?

Bremen hat doch dieses tolle Museum, das wie ein Walfisch aussieht, das Universum, und schöne Stadtviertel. Und wer am Stadion vorbeifährt, fragt sich, was die bei Hochwasser machen.

Was erwartest Du von Deinem Bremer Konzert?

Wir hatten immer ein super Publikum in Bremen. In der Kombi mit meiner phantastischen Band dürfte das ein toller Abend werden.

Karten

Tickets für rund 42 Euro gibt's in den Geschäftsstellen unserer Zeitung.

Schwabe im Bergischen Land 

Gregor Meyle wurde 1978 im schwäbischen Backnang geboren. Seit rund 20 Jahren lebt er im Bergischen Land. Er hat eine Frau und eine kleine Tochter. Bekannt wurde der gelernte Tontechniker 2007 durch einen Gesangswettbewerb bei Stefan Raab („TV Total“). Mit der ersten Ausgabe von „Sing meinen Song – das Tauschkonzert“ des Privatsenders „Vox“ nahm seine Karriere Fahrt auf. Meyle hat bislang sechs Studioalben veröffentlicht. Er wurde 2014 mit dem Deutschen Fernsehpreis und 2015 mit dem „Echo“ Pop ausgezeichnet. Im nächsten Jahr ist Meyle in der Reihe „Sommerkonzerte“ mit seiner zehnköpfigen Band in Vechta (JVA) zu Gast.

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