Bremer Spediteure haben „besonnen“ auf die Wirtschaftskrise reagiert / Brutaler Margendruck

„Es gibt ein Frühlingserwachen“

Der VBS-Vorstand legte der Presse gestern im Schütting seine Jahresbilanz vor. Im Vordergrund sind der Vorsitzende Thomas Herwig (l.) und sein Vize Simon Reimer zu sehen. Im Hintergrund: Oliver Oestreich (v.l.), Thomas Manigk, Frank Dreeke,Lüder Vollers und Robert Völkl.

Bremen - Von Jörg EsserBREMEN · Die Bremer Spediteure knabbern an den Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise. 2009 brachen die Transportmärkte regelrecht ein, sagte Thomas Herwig, Vorsitzender des Vereins Bremen Spediteure (VBS), gestern vor Journalisten im Schütting. Langsam geht’s wieder aufwärts. „Es gibt ein Frühlingserwachen“, sagte Simon Reimer, der stellvertretende VBS-Vorsitzende.

Seefracht, Luftfracht und Landtransport litten im vergangenen Jahr „gleichermaßen unter Mengen- und Margendruck“, so Herwig, Vorsitzender von Röhlig & Co.. In der Containerschifffahrt sanken gegenüber dem Vorjahr die Transportmengen auf der Nordatlantik-Route um 17,4 Prozent, im Verkehr zwischen Asien und Europa um 13 Prozent. Überkapazitäten führten zu einem „dramatischen Ratenverfall“. Die globale Nachfrage nach Luftfracht ging um 17 Prozent auf das Niveau von 2003 zurück. Ende 2009 waren 15 Prozent mehr Großraumfrachter stillgelegt als zu Jahresbeginn, sagte Herwig. Die „Landreedereien“ zogen deutschlandweit 80 000 Lkw aus dem Transportverkehr. Die Zahl der Insolvenzen stieg um 29 Prozent, ergänzte Reimer (BWG Reimer).

Die Bremer Speditionsfirmen reagierten „überwiegend besonnen“ auf die Krise – mit Kurzarbeit, Einstellungsstopps, Gehaltskürzungen sowie der Streichung von Sondervergütungen und Boni. Massenentlassungen blieben aus. Die Ausbildungsquote liege unverändert bei 18 Prozent, sagte VBS-Geschäftsführer Robert Völkl. Im August 2009 seien 200 neue Ausbildungsverträge unterzeichnet worden.

Derzeit ist Licht am Horizont in Sicht. Die Transportmengen nehmen wieder zu. Doch jetzt fehlen Spezialcontainer in Europa. Und die Erträge fallen weiter. „Der Margendruck ist im Moment brutal“, sagte der Röhlig-Chef. Lüder Vollers (Berthold Vollers GmbH) sprach von einem „brutalen Kampf“ in diversen Kategorien. Und VBS-Vorstandskollege Frank Dreeke (EKB Container-Logistik) sagte: „2010 geht es ums Überleben.“ Schon 2009 seien viele Kleinbetriebe mit wenigen Lkw „aus dem Markt gegangen“. Für dieses Jahr rechnet Dreeke damit, dass sich die Spreu vom Weizen trenne. „In den nächsten sechs Monaten werden wir sehen, wohin die Reise geht.“

Die Bremer Spediteure haben zudem mit lokalen Problemen zu tun. Die Dauerbaustelle auf der Autobahn A1 zwischen Bremen und Hamburg kostet zuweilen einige Stunden Zeit. Und damit viel Geld. Auch im Stadtverkehr geht’s nur schleichend voran. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liege derzeit bei 22 Kilometern pro Stunde. Auch das kostet. „Investoren lassen sich ungerne auf Baustellen ein.“ Für die Spediteure steht fest: „Wir brauchen eine komplette A 281.“ Nur vermissen sie die Durchschlagskraft für den Lückenschluss. „Es gibt einfach kein schlüssiges Verkehrskonzept“, so Reimer. Und bei der Abfertigung in den Bremischen Häfen gebe es lange Wartezeiten.

Der Verein Bremer Spediteure ist ein Zusammenschluss von über 150 Firmen, die 4 000 Mitarbeiter beschäftigen und einen Jahresumsatz von 2,5 bis drei Milliarden Euro erzielen.

WWW.

vbsp.de

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 2,95 Euro statt 9,95 Euro

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 2,95 Euro statt 9,95 Euro

Vor zehn Jahren verunglückte das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia vor der Küste Italiens

Vor zehn Jahren verunglückte das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia vor der Küste Italiens

Meistgelesene Artikel

Corona-Inzidenz in Bremen steigt wieder über 1400

Corona-Inzidenz in Bremen steigt wieder über 1400

Corona-Inzidenz in Bremen steigt wieder über 1400
Mieter gesucht: Diese Wohnung in Bremen ist außergewöhnlich

Mieter gesucht: Diese Wohnung in Bremen ist außergewöhnlich

Mieter gesucht: Diese Wohnung in Bremen ist außergewöhnlich
Corona in Bremen: Inzidenz steigt unaufhaltsam auf fast 1500

Corona in Bremen: Inzidenz steigt unaufhaltsam auf fast 1500

Corona in Bremen: Inzidenz steigt unaufhaltsam auf fast 1500
Corona-Regeln: Trotz Omikron-Welle – Bremen steigt aus Luca-App aus

Corona-Regeln: Trotz Omikron-Welle – Bremen steigt aus Luca-App aus

Corona-Regeln: Trotz Omikron-Welle – Bremen steigt aus Luca-App aus

Kommentare