20-Jähriger muss sich wegen Messerangriffs verantworten

Bremen: Gericht verhandelt Gewaltausbruch im Gleisbett 

Der Angeklagte und ein Justizbeamter im Gerichtssaal.
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Der 20-jährige Angeklagte soll versucht haben, „einen Menschen zu töten, ohne Mörder zu sein“. So jedenfalls lautet der Vorwurf der Anklage.

Ein heute 20-jähriger Mann soll im Juli 2021 einem 23-Jährigen mit einem Klappmesser in den Oberkörper gestochen haben. Dafür muss er sich vor Gericht verantworten.

Bremen – Alles begann mit eindeutigen Drohungen über Nachrichtendienste, doch dabei blieb es nicht und der Streit zweier Männer verlagerte sich in die reale Welt – mit blutigen Folgen. Vor dem Bremer Hauptbahnhof soll im Juli 2021 ein heute 20 Jahre alter Angeklagter seinen Widersacher angegriffen und mit einem Messer lebensgefährlich verletzt haben.

Er muss sich deshalb seit Freitag wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht verantworten.

Sagen wolle er zunächst nichts, ließ der Tunesier über seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Sven Seelkopf, mitteilen. So schweigsam sich der Mann, der der Polizei als Intensivtäter bekannt sein soll, zum Prozessauftakt auch zeigte, sein mutmaßliches Opfer, das im Verfahren als Nebenkläger auftritt, hatte dagegen wesentlich mehr zu erzählen.

Und so wurde dessen Zeugenaussage kurzerhand um mehr als eine Stunde nach vorne gezogen. Und der heute 25-Jährige begann von seiner Version der Geschichte zu berichten. Von dem Moment, „als ich um mein Leben kämpfte“. Am Abend des 29. Juli habe er sich auf dem Heimweg von Bremerhaven nach Bremen befunden. Nach einer langen Schicht als Produktionshelfer habe er einfach nur nach Hause gewollt. Doch statt im eigenen Bett wachte der Mann Stunden später im Klinikum auf. Mit schweren Verletzungen, die unbehandelt, so die Sicht der Anklagevertretung, zum Tod des ebenfalls aus Tunesien stammenden Mannes geführt hätten. Den Mann empfing an jenem Abend vor dem Hauptbahnhof eine vierköpfige Gruppe von Männern – unter ihnen wohl auch der Angeklagte.

Opfer: „Ich kämpfte um mein Leben“

Die Gruppe habe Geld gefordert. Schnell sei es in den folgenden Minuten zum Streit gekommen. Das Quartett, so die Aussage des Zeugen, habe ihn bis zum Gleis C der Tram-Haltestelle verfolgt, dort sei er wenig später attackiert worden. Zwischen zwei haltenden Straßenbahnen soll der 20-Jährige dann laut Anklage gegen Mitternacht mehrfach mit einem Klappmesser auf seinen Landsmann eingestochen haben. Ein Stich traf den linken Thoraxbereich, ein weiterer den Bauch des jungen Mannes. Zwei folgende Stiche gingen in Schulter und Kopf des heute 25-Jährigen. Der dachte, der Angreifer habe ihn nur geschlagen, doch als er sich wenige Augenblicke später in eine Tram rettete, realisierte er: „Da war überall Blut.“ Dann setze seine Erinnerung aus, erst auf der Intensivstation sei sein Gedächtnis zurückgekehrt.

Einige Monate zuvor hätten der Angeklagte und mehrere weitere Männer dem 25-Jährigen einen „Hausbesuch“ abgestattet. Zwar sei er zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause gewesen, doch Fotos und Nachrichten aus den sozialen Medien würden die Gruppe vor seinem Wohnhaus zeigen – mit einem Messer in der Hand. Eine für den Mann eindeutige Botschaft.

Prozess wird am 19. Januar fortgesetzt

Ob sich die Attacke tatsächlich so abspielte, will die Kammer unter Vorsitz von Richter Manfred Kelle an vier weiteren Verhandlungstagen bis zunächst Anfang Februar klären. Der Prozess wird am Mittwoch, 19. Januar, fortgesetzt.

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