Abhängigkeit von Persönlichkeitsunterschieden

Studie der Bremer Uni: Persönlichkeiten hängen stark von Genen ab

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Zwillinge und ihre Partner sind Zielgruppe der Bremer „Speady“-Studie: Bill (l.) und Tom Kaulitz und Toms Heidi (Klum) wären da so etwas wie eine Idealbesetzung.

Wie sehr werden Ähnlichkeiten und Unterschiede von Menschen innerhalb einer Familie von Genen bestimmt oder der Umwelt geprägt? Eine aktuelle Studie der Uni Bremen belegt eindrücklich, dass Persönlichkeitsunterschiede viel stärker von den Genen abhängen als bisher angenommen.

Bremen - Eine Arbeitsgruppe aus der Psychologie der Universität Bremen berichtet jetzt in der aktuellen Ausgabe der internationalen Zeitschrift für Psychologie über diese Forschungsergebnisse. Die Studie „Speady“ (Kurzform für „Studie der Persönlichkeitsarchitektur und -dynamiken“) wird von dem Psychologen Professor Christian Kandler geleitet.

Im Rahmen der Studie sollen fortlaufend Zwillinge und deren Angehörige, Eltern, Partner und Kinder zu Eigenarten, Einstellungen und Erfahrungen befragt werden. Auf der Basis dieser Zwillingsfamilienstudie zeigten die Wissenschaftler, dass die Familienähnlichkeit in Persönlichkeitsausprägungen innerhalb und zwischen Generationen nahezu ausschließlich von den geteilten Genen abhängt.

Eine Besonderheit: „Ehrlichkeit-Bescheidenheit“

„Ob man nun eher ehrlich und bescheiden oder unehrlich und maßlos, emotional labil oder stabil, extravertiert oder introvertiert, hilfsbereit oder ichbezogen, zuverlässig oder nachlässig, offen oder intolerant ist, das hängt weniger von gemeinsamen Erfahrungen ab als bisher angenommen“, sagt Kandler. Geteilte Umwelten und gemeinsame Erfahrungen von Familienangehörigen scheinen nahezu keinen Einfluss auf familiäre Ähnlichkeiten hinsichtlich des Temperaments und des Charakters zu haben. 

Die Eigenschaft „Ehrlichkeit-Bescheidenheit“ stelle jedoch eine Besonderheit dar. Etwa ein Drittel der Ähnlichkeit zwischen Familienangehörigen hinsichtlich ehrlichen Verhaltens und materiellen Strebens könne auf ihre geteilte Umwelt wie Kultur, Religion oder das gemeinsame Wohnumfeld zurückgeführt werden, so die Studie. Dass die Familienumwelt in der Studie als bedeutungslos herauskomme, bedeute aber nicht, dass sie keinen Einfluss auf die Entwicklung der Persönlichkeit habe, sagt der Professor. Die Befunde sprächen lediglich dafür, dass die Familienumwelt nicht zur Ähnlichkeit von Geschwistern beitrage. 

Professor Christian Kandler ist Leiter der Studie.

Zum einen könne es jedoch sein, dass eine von Geschwistern objektiv geteilte Familienumwelt wie der Erziehungsstil der Eltern subjektiv unterschiedlich erlebt werden kann. Zum anderen sei es denkbar, dass der elterliche Einfluss auf die Kinder untrennbar mit den geteilten Genen zwischen den Eltern und ihren Nachkommen verknüpft ist. Beispielsweise schlage sich die Offenheit der Eltern in der Vielfalt ihrer Literatur zu Hause oder der Art der Unternehmungen nieder. So geben Eltern nicht nur ihr Erbgut weiter, sondern formen die Erlebnisse ihrer Kinder auf der Basis gemeinsamer Anlagen. 

Zwillinge müssen länger untersucht werden

„Eltern stellen sozusagen die Möglichkeiten zur Entfaltung der Persönlichkeit ihrer Kinder bereit“, so der Psychologieprofessor. „Um die Wege, die Möglichkeiten und die Einflüsse dieser Persönlichkeitsentfaltung über die Zeit untersuchen zu können, ist es wichtig, die Persönlichkeitsentwicklung von Zwillingen über einen längeren Zeitraum zu untersuchen“, sagt der Forscher. Daher lädt die Arbeitsgruppe Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik Zwillinge ab 14  Jahren dazu ein, an der Studie von „Speady“ mitzuwirken (Kontakt: www.speady.de).

Der Aufwand, ein 30-minütiger Online- oder Papier-Fragebogen, sei dabei im Verhältnis zum Gewinn vergleichsweise gering, heißt es. Die Teilnehmer erhalten ein wissenschaftlich fundiertes Persönlichkeitsprofil und einen Universalgutschein über zehn Euro. Und sie leisten einen Beitrag zu neuen Forschungserkenntnissen.  kg

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