Neuer Studiengang in Bremen?

Gesundheitsdeputation diskutiert über medizinische Fakultät

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Medizinstudenten in einer Vorlesung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. In Bremen wird jetzt über die Einrichtung einer medizinischen Fakultät diskutiert. 

Bremen - Von Jörg Esser. Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen ist auch in Bremen spürbar. Dem Land gehen die Ärzte aus. Zugleich fehlen bundesweit Studienplätze für angehende Mediziner. Die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage wird immer größer. Auf derzeit 11.000 Studienplätze kommen pro Jahr 40.000 bis 50.000 Bewerber. Ein neuer Medizinstudiengang in Bremen könnte helfen, die Probleme zu lösen.

Fachpolitiker und Experten diskutierten am Mittwoch in der Gesundheitsdeputation über Möglichkeiten einer Medizinausbildung in Bremen. Die CDU hat das Thema mit einem Antrag für eine Machbarkeitsstudie im Mai 2018 ins Rollen gebracht. Das von Senatorin Eva Quante-Brandt (SPD) geführte Gesundheitsressort hat mittlerweile dazu eine Beschlussvorlage erarbeitet. Demnach gibt es zwei Möglichkeiten für eine Medizinausbildung in Bremen. Zum einen könnte ein vollständiger Studiengang inklusive vorklinischem und klinischem Teil sowie dem praktischen Jahr aufgebaut werden. Der kostengünstigere Vorschlag sieht vor, dass die Studenten den theoretischen Teil in den ersten vier Semestern woanders absolvieren. Dafür wäre eine Kooperation mit einer anderen Uni nötig.

Das Modell eines vollständigen Studiengangs ließe sich im Land Bremen sowohl mit der staatlichen Universität als auch mit der privaten Jacobs-Universität entwickeln, heißt es. Die Jacobs-Uni hat in Zusammenarbeit mit der Klinikholding Gesundheit Nord (Geno), der Dachgesellschaft der vier kommunalen Krankenhäuser Mitte, Ost, Links der Weser und Nord, bereits ein Kurzkonzept entwickelt. Jetzt soll die Uni nachziehen und mit Kliniken in Bremen und Bremerhaven ein Konzept entwickeln. Die Bürgerschaft will spätestens im März über das weitere Vorgehen entscheiden. Die „Meilensteinplanung“ der Senatorin sieht vor, dass bis zum August die Entwicklungskonzepte vorliegen. Die Entscheidung über den Aufbau einer Medizinausbildung soll dem Fahrplan nach Anfang 2020 fallen. Falls der Senat zustimmt, könnte der Studiengang mit dem Wintersemester 2022/23 starten.

Zurück auf Los: Der Gesundheitssektor ist laut Arbeitnehmerkammer mit rund 61.000 Beschäftigten ein „Beschäftigungsmotor der bremischen Wirtschaft“. Ein Medizin-Studiengang könnte ein Wachstumsbeschleuniger sein, sagt die CDU. Sie verspricht sich von dem Projekt zudem „neue Arbeitsplätze und neue Einwohner“. Die Gründung einer medizischen Fakultät könne „eines der Zukunftsprojekte für unser Land“ werden. Auch die Geno verweist in einer Stellungnahme darauf, dass die Gesundheitswirtschaft ein „dauerhafter und wachsender Impulsgeber für den Standort“ sei. Weiter heißt es, eine Universitätsmedizin sei der natürliche Kooperationspartner für Hightech- und Forschungsunternehmen und stärke auch mittelbar die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts. Geno-Geschäftsführerin Jutta Dernedde sagt, Bremen habe sehr gute Voraussetzungen für einen Medizinstudiengang. „Es ist vieles vorhanden, was man für die Ausbildung braucht.“

Dr. Heidrun Gitter, Präsidentin der Ärztekammer Bremen, verweist auf die vorhandenen gute klinischen Strukturen im Land Bremen. Sie sagt: „Ein Studiengang Humanmedizin könnte in Bremen neue Potenziale wecken.“ Eine Machbarkeitsstudie müsse daher auf vorhandene Überlegungen und Erkenntnisse zurückgreifen.

Die Kosten sind den Skeptikern des Projekts ein Dorn im Auge. Die Freien Kliniken zeigen sich skeptisch. „Es wird lange dauern, es wird eine Menge Geld kosten“, sagt Dr. Walter Klingelhöfer, kaufmännischer Geschäftsführer des Rot-Kreuz-Krankenhauses in der Neustadt. Der Aufbau eines Medizinstudiengangs dürfe keine negativen Auswirkungen auf dringend nötige Investitionen haben.

Uwe Zimmer, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft der Freien Hansestadt Bremen, sagt, dass angesichts des regulären Investitionsstaus im Krankenhausbereich zunächst erhebliche zusätzliche Haushaltsmittel in die bestehende Krankenhausversorgung investiert werden sollten.

Die Deputation hat die Gesundheitssenatorin am Mittwoch beauftragt, ihre „Meilensteinplanung“ weiter voranzutreiben. Die Grünen haben sich derweil gegen die Etablierung eines medizinischen Vollstudiums in Bremen ausgesprochen. Die wissenschaftspolitische Sprecherin Henrike Müller sagte imAnschluss an die Sitzung: „Mit einem Medizin-Vollstudium würde Bremen sich finanziell überfordern. Zu den Kosten von knapp 31.000 Euro pro Studienplatz kommen noch deutlich höhere Kosten für bauliche Investitionen.“

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