Debatte in Bürgerschaft

CDU Bremen: Geno ist finanzielles Desaster

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Bei der Einweihung des Neubaus Klinikum Bremen-Mitte hatte Geno-Chefin Jutta Dernedde (links) die Zügel noch fest in der Hand

Die oppositionelle CDU hat angesichts neuer Verluste des angeschlagenen kommunalen Bremer Klinikkonzerns Gesundheit Nord (Geno) einen finanziellen, personellen und medizinischen Neustart gefordert.

Update 20. November: Bremen - Die Geno habe trotz vieler Eigenkapitalerhöhungen in den vergangenen Jahren Defizite von rund 170 Millionen Euro produziert. „Die Geno ist das größte finanzielle Desaster der vergangenen 20 Jahre in der bremischen Politik“, warnte CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp am Mittwoch in der Bürgerschaft. Die bisherige Geschäftsführerin Jutta Dernedde war vorige Woche vor dem Hintergrund neuer Defizite freigestellt worden. In diesem Jahr könnten sich die Verluste den Angaben zufolge auf bis zu 32 Millionen Euro summieren.

Bremens Gesundheitssenatorin und Geno-Aufsichtsratschefin Claudia Bernhard (Linke) gab große Probleme der Kliniken zu, wies aber die CDU-Forderung, ihren Posten an der Spitze des Aufsichtsrates zu räumen, zurück. Es gebe aber nicht die eine Top-Saniererpersönlichkeit, die die Probleme lösen könne, sagt sie; eine schnelle und einfache Abhilfe sei deshalb eine Illusion. Bernhard betonte, der Geno sei die Anpassung an geänderte Rahmenbedingungen nicht gut gelungen. Für die Verluste nannte sie mehrere Ursachen. Stärkster Treiber sei der Wegfall von medizinischen Leistungen wie Operationen, die durch Personalmangel nicht hätten erbracht werden können. Dies mache in etwa 15 bis 20 Millionen Euro im Jahr aus, erklärte sie. Die Geno sei aber unverzichtbarer Bestandteil der medizinischen Versorgung der Bevölkerung in Bremen, beteuerte die Aufsichtsratschefin. Der Verbund besteht aus den vier Kliniken Mitte, Ost und Nord sowie Links der Weser und ist mit mehr als 7.500 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber in Bremen. Jährlich werden mehr als 100.000 stationäre und rund 150.000 ambulante Patienten in den Geno-Krankenhäusern behandelt. dpa/sk

Millionendefizit: Geno-Chefin Jutta Dernedde muss gehen

Ursprüngliche Meldung vom 16. November: Aus für die Chefin der Klinik-Holding Gesundheit Nord (Geno): Jutta Dernedde kostet das Millionenloch den Job. Die neue Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) hat die medizinische Geschäftsführerin und Sprecherin der Geschäftsführung am Freitag von ihrer Tätigkeit freigestellt.

Das wurde am Rande der Geno-Aufsichtsratssitzung bekannt, an der Dernedde (59) gar nicht mehr teilnahm. Heike Penon, seit Januar bei der Geno für Finanzen zuständig, wird die Aufgaben Derneddes übernehmen, bis ein Nachfolger gefunden ist, teilte das Gesundheitsressort am Nachmittag mit.

Geno: Chefin Dernedde seit 2012 im Amt

Die Hamburgerin Jutta Dernedde, von Haus aus Chirurgin, war 2008 nach Bremen gekommen. Sie übernahm die kaufmännische Geschäftsführung des Klinikums Ost. Als dann Geno-Chef Diethelm Hansen im Zuge des Keimskandals auf der Frühchenstation am Klinikum Mitte gehen musste, wurde sie im März 2012 seine Nachfolgerin. Unter dem Dach der Geno sind die vier kommunalen Kliniken Mitte, Links der Weser, Ost und Nord mit mehr als 7.000 Mitarbeitern vereint. Der Jahresumsatz der Gesellschaft liegt bei etwa 600 Millionen Euro.

Die bisherige Geno-Chefin Jutta Dernedde ist freigestellt worden.

Seit einigen Monaten gab es regelmäßig neue Meldungen über das Defizit bei der Geno. War im September noch von 17,7 Millionen Euro für 2019 die Rede, vergrößerte sich das Finanzloch im Oktober auf 28 Millionen Euro. Es könnten als „worst case“, also im schlimmsten Fall, sogar 32 Millionen Euro werden, hieß es dann Ende Oktober. Je mehr das Defizit zunahm, umso mehr geriet auch die Geno-Chefin in den Fokus.

Bremer Gesundheitssenatorin zieht bei Geno Reißleine

Nunzog Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard die Reißleine und stellte Jutta Dernedde ab sofort frei. Am Nachmittag informierte Bernhard den Aufsichtsrat, dessen Vorsitzende sie ist, und die Öffentlichkeit. „Ich habe mir diese Entscheidung nicht leichtgemacht. Jutta Dernedde hat zu einer schwierigen Zeit in der Gesundheit Nord die Geschäftsführung übernommen und viel Energie in das Unternehmen gesteckt. Dafür gebührt ihr Dank und Respekt“, sagte die Senatorin. Und weiter: „Es ist jetzt an der Zeit, den Blick nach vorne zu richten und nach neuen Lösungen für die schwierige Lage der Gesundheit Nord zu suchen.“

Heike Penon übernimmt bei der Gesundheit Nord.

Nachfolgerin wird zunächst Heike Penon, die seit Januar 2019 Geschäftsführerin Finanzen in der Gesundheit Nord ist. Davor war die 55-jährige im Bremer Stahlwerk Arcelor-Mittal für Finanzen zuständig.

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