Bremer Moscheen bleiben geschlossen / Virtueller Austausch mit Gläubigen

Gesundheit geht vor: Keine Freitagsgebete

Die Fatih-Moschee in Gröpelingen (hier im Februar nach Drohbriefen mit Polizeischutz) bleibt wegen der Corona-Verbote erstmal geschlossen. Doch für Muslime gibt es virtuelle Alternativen. Foto: DPA/SCHULDT

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Das Corona-Virus hat die Welt fest im Griff. Verbote zur Verhinderung der Ausbreitung verändern das soziale Leben völlig. Das trifft auch die Kirchen, die inzwischen Online-Gottesdienste für ihre Mitglieder anbieten. Und es trifft die muslimischen Gemeinden. Die 30 Moscheen in Bremen bleiben vorerst geschlossen. Das ist besonders hart für die Muslime, denn damit fehlt ihnen auch der Ort für das so wichtige Freitagsgebet.

Etwa 60 000 Muslime leben in Bremen, sagt Schura-Vorsitzender Murat Çelik. Die Schura, in Bremen 2006 gegründet, ist eine muslimische Religionsgemeinschaft und vertritt 20 Moscheen. „Das Besondere“, so Çelik, „wir sind multiethnisch und multikonfessionell.“ 18 sunnitische und zwei schiitische Gemeinden gehören der Schura laut Çelik an. Die Gemeinschaft vertrete damit einen Großteil der organisierten Muslime in Bremen. Die Mitglieder seien unter anderem arabisch, türkisch, kurdisch, bosnisch, pakistanisch und indisch. Andere Gemeinschaften sind übrigens Ditib und Vikz.

Wie andere Einrichtungen auch, hätten die Moscheen sich zunächst auf die Corona-bedingten Veränderungen einstellen müssen. Desinfektionsmittel, weitere Hygienevorschriften, das habe man schnell umgesetzt. „Wir haben alle sensibilisiert“, sagt Çelik. Seit etwa zwei Wochen fielen die für Muslime so wichtigen Freitagsgebete aus, seit etwa einer Woche erlaubten die Moscheen keine Zusammenkünfte in ihren Räumen mehr. „Wir halten uns penibel daran“, betonte er. Nur in einer kleinen islamischen Gemeinde in Gröpelingen hätten sich am Montagabend noch ein paar Männer zu Gesellschaftsspielen getroffen. Çelik stellte klar, dass dies nicht in der Fatih-Moschee war. Das Treffen sei ohne das Wissen des Vorsitzenden der Gemeinde passiert. „Der Vorsitzende hat versichert, dass es nicht mehr vorkommen wird“, so Çelik.

Die 1998 eingeweihte große Fatih-Moschee in Gröpelingen bleibt, wie andere, zunächst bis nach Ostern geschlossen. Damit fehlen den Muslimen die Treffen, das Beten – und vor allem das Freitagsgebet. Das, so Çelik, dürfe nur an bestimmten Orten und gemeinsam stattfinden. Inzwischen seien die Gemeinden auf virtuelle Kanäle ausgewichen. Dort könnten sich die Mitglieder regelmäßig in Gesprächskreisen austauschen. Und das Freitagsgebet, zu dem jede Woche etwa 1 000 Muslime aus Bremen, aber auch aus dem Umland kommen? Nun, sagte Çelik, das darf aus gesundheitlichen Gründen, bei einem Risiko für Leib und Leben, ausgesetzt werden. Und so ist es geschehen, in allen Ländern mit muslimischen Gemeinden, die von Covid-19 betroffen sind. Das es aber nun einmal „in der DNA der Muslime liegt, freitags zum Gebet zu gehen“, bieten zahlreiche Gemeinden an diesem Tag eine virtuelle Alternative an. Es gibt Apps, es gibt Videos auf Youtube. Der Schura-Vorsitzende gewinnt der Situation durchaus auch etwas Positives ab: „Wir sind jetzt in die virtuelle Welt reingeschoben worden und sind da aktiv. Vielleicht hat das auch positive Effekte, was die Verbreitung des authentischen Islamangebots angeht.“

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