Attacke mit Flaschen und Pfefferspray

Mitglieder eines Familienclans wegen Angriffs auf Polizisten vor Gericht

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Zwei der fünf Angeklagten (links und 2.v.r.) zusammen mit einem der Anwälte.

Bremen - Von Steffen Koller. Es sollte eine übliche Verkehrskontrolle werden, doch dann geriet der Einsatz völlig aus dem Ruder: Anfang Juli vergangenen Jahres sollen mindestens fünf Mitglieder eines libanesischen Familienclans in Bremerhaven mit Flaschen und Pfefferspray auf Polizisten losgegangen sein. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten – vier Männer und eine Frau im Alter von 38, 36, 35, 33 und 27 Jahren – Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und gefährliche Körperverletzung vor. Ein Amateurvideo dokumentiert das brutale Vorgehen.

„Ruhig jetzt!“ schreit ein Beamter die Angreifer an. „Ruhig jetzt!“, wiederholt der Polizist seine Anweisung. Die Situation wird sich nicht beruhigen. Im Gegenteil. Als „Drecksschlampe“ beschimpft ein Mann eine Beamtin, ein weiterer stürmt auf die insgesamt fünf Polizisten los, die sich mittlerweile vor den Eingangsbereich eines Wohnhauses in der Goethestraße in Bremerhaven-Lehe zurückgezogen haben. Wenige Sekunden später tritt ein Angreifer in Richtung eines Polizisten, andere haben da schon leere Bierflaschen in der Hand. 

Das Smartphone in der einen, ein kleines Mädchen an der anderen Hand, filmt eine Frau das Geschehen und behindert die Arbeit der Polizisten. Als zwei Männer Bierflaschen am Boden zerschlagen und drohen, auf die Beamten loszugehen, werden sie mit Pfefferspray davon abgehalten. Aus dem Hintergrund dröhnen Sirenen, dann endet das zweiminütige Video.

Dabei, so schilderte es eine Beamtin (24) am Montag vor Gericht, sei der eigentliche Anlass eine übliche Verkehrskontrolle gewesen. Die Polizistin und ein Kollege hatten einen der Männer ohne Gurt erwischt. Doch die Routinekontrolle hatte schnell nichts mehr mit alltäglicher Polizeiarbeit zu tun. „Laut und aggressiv“ seien die Fahrzeuginsassen aufgetreten. 

Der Vorwurf: Drohungen und Schläge gegen Polizisten 

Schnell kamen weitere Mitglieder der Familie, die in Bremerhaven „polizeibekannt“ sei, hinzu und belagerten die Kommissare. Die Angeklagte soll unter anderem der Zeugin an den Haaren gezogen haben, weitere bedrohten und schlugen auch die hinzugerufenen Einsatzkräfte, so die Vorwürfe.

Bis die Zeugin überhaupt als solche aussagen konnte, vergingen am Montag fast zwei Stunden. Die Verteidiger der Angeklagten monierten unter anderem den zu kleinen Raum und die zu hohen Tische, an denen sie wie „ein Affe auf dem Schleifstein“ sitzen würden. „Ich habe nicht mal einen Kleiderhaken“, kritisierte ein anderer Anwalt. Als „absolut verfahrensungeeignet“ titulierte er daraufhin die Raumsituation. Alle Verteidiger forderten unisono, den Verhandlungstag zu verschieben. 

Die Vorsitzende Richterin solle sich doch gegenüber der Verwaltung durchsetzen und für den nächsten Termin einen größeren Raum bereitstellen, hieß es. Letztlich wurde der Prozess wie geplant fortgesetzt. Ein weiteres Mitglied der Familie (19) war geladen, der Mann machte jedoch von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Die Angeklagten schweigen bislang zu den Vorwürfen. Eines der fünf Familienmitglieder wurde aus der Haft ins Gericht gebracht, alle anderen sind bislang auf freiem Fuß. Gegen sie laufen weitere Verfahren aus den vergangenen zwei Jahren. Neben Beleidigung und Bedrohung wird gegen die Geschwister auch wegen weiterer Widerstandshandlungen gegen Polizisten ermittelt.

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