Neues Buch des Focke-Museums

Bremens glanzvolle Glas-Sammlung

Drei venezianische Glasarbeiten, 16. und 17. Jahrhundert.
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Drei venezianische Glasarbeiten, 16. und 17. Jahrhundert.

Bremen – Die Glas-Sammlung des Bremer Focke-Museums genießt internationales Renommee, präsentiert sie doch die Entwicklung der europäischen Glaskunst vom Mittelalter bis hinein in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. „Sie stellt den kunst- und kulturhistorisch wertvollsten geschlossenen Sammlungsbereich des Hauses dar“, so eine Sprecherin.

Nun gibt es ein neues Buch über das Glas, das als Teil der Kulturgeschichte des Wohnens im Haus Riensberg auf dem Museumsareal ausgestellt wird. Leider im Moment alles geschlossen, Corona lässt grüßen – aber schon ein kurzer Blick in den Band genügt, um Vorfreude auf die Zeit zu machen, in der Museen wieder öffnen dürfen.

Dr. Uta Bernsmeier, Oberkustodin für Angewandte Kunst, stellt in dem reich bebilderten Buch 167 herausragende Exponate aus der Bremer Glas-Sammlung vor. Zwei Fotografen setzen die Becher, Pokale und Vasen, Farbenpracht und Lichteffekte, Gravuren und Schliff mit geschultem Auge in Szene. Martin Luther und Dirk Fellenberg lassen das kunstvoll gestaltete Glas – ein Material, das wahrlich schwer zu fotografieren ist – wirken, ermöglichen Nähe und Einblicke.

Augenweide und Lesebuch

Eine „Hinführung zum Objekt über die optische Ebene“, wie es Museumsdirektorin Prof. Dr. Anna Greve formuliert. „Unser Kerngeschäft.“ So ist der 216-Seiten-Band mit dem Titel „Glaskunst aus fünf Jahrhunderten“ nicht allein ein wissenschaftlicher Katalog, sondern vor allem eine Augenweide. Und er ist noch mehr: „Der Band ist ein Lesebuch“, sagt Uta Bernsmeier. Denn es werden Geschichten erzählt, Geschichten zum Glas. Es gehe ihr darum, mit Geschichten Interesse zu wecken, sagt die Expertin für Angewandte Kunst. Indem sie Gläser in Zusammenhänge stellt, bringt sie die Objekte gleichsam zum Sprechen. Das ist Bernsmeier wichtig in einer Zeit, in der „traditionelles Handwerk mehr und mehr aus unserem Alltag verschwindet“, in der Menschen „den Bezug zur Materialität verloren haben“.

Das Bremer Glas erzählt Geschichten

Und, ja, es hat viel zu erzählen, das Glas. Von feinster Technik in den venezianischen Werkstätten zum Beispiel, in denen die virtuosen Meister von Murano die Arbeit mit Fadenglasstäbchen im 16. und 17. Jahrhundert zur Perfektion entwickeln.

Biedermeier-Ansichtsgläser von Anton Kothgasser aus Wien, um 1820.

Anderes Glas erzählt mit geschliffenen Fruchtgirlanden und Puttenreigen von der üppigen Pracht des Barock. Wieder anderes Glas erzählt Geschichten von Tarnung und Täuschung. Die Venezianer bereits beherrschten beispielsweise die Imitation von Edelsteinfarben. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts spezialisierten sich sächsische Hütten auf Glas, das Marmor oder Porzellan imitierte. Noppenartige Verzierungen spätmittelalterlicher Trinkbecher dienten derweil einem profanen Zweck – auch ungeschickte Zecher sollten das Glas sicher in der Hand halten können.

Spuren zu den Ursprüngen der Bremer Glas-Sammlung

Es gab Glashütten, die an Höfe und Fürstenhäuser gebunden waren, so Bernsmeier. In späteren Zeiten war es das Bildungsbürgertum, das sein Repräsentationsbedürfnis durch Sammeltätigkeit und Erwerb von Wissen ausdrückte. Hier finden sich dann auch Spuren zu den Ursprüngen der Bremer Sammlung. Sie führen hinein ins bremische Bürgertum und in die Anfangszeiten des Focke-Museums. Es geht auf den Senatssyndicus Johann Focke (1848 bis 1922) – Vater des Hubschrauber-Erfinders Henrich Focke (1890 bis 1979) – zurück, der Bremensien und Exponate zu Bremens Geschichte sammelte. Fockes Haus wurde in den 20er Jahren mit dem Gewerbemuseum vereinigt. Gläser aus dem Gewerbemuseum und aus Fockes Beständen bildeten den Grundstock der Glas-Sammlung. Direktor Ernst Grohne (1888 bis 1957) baute die Sammlung aus. Mit dem Ankauf der hochkarätigen Glas-Sammlung des Bremer Bürgers Dr. Alexander Lehmann kamen 1968 dann 191 Objekte hinzu. Zustiftungen der vergangenen Jahrzehnte ergänzten die Sammlung um bedeutende Jugendstil- und Art-déco-Gläser.

Goldrubin-Deckelpokal, um 1700.

„Glas ist der älteste von Menschen gemachte zusammengesetzte Werkstoff“, sagt Uta Bernsmeier. „Und der wandelbarste.“ Praktisch alle dieser Wandlungen gingen im Grunde genommen auf Vorbilder aus der Antike zurück, die dann verfeinert und weitergeführt worden seien. Der Band „Glaskunst aus fünf Jahrhunderten“ ist für 29 Euro im Shop des Focke-Museums zu haben – in der Schließungszeit online unter shop@focke-museum.de.

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