Geschichten aus dem Leben

Nino de Angelo gibt im „Fritz“ ein intimes Konzert

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Sänger mit ESC- und Lebenserfahrung: Nino de Angelo bei seinem Auftritt im „Fritz“-Theater am Herdentorsteinweg. Der Künstler stellte dort auch sein neues Album „Liebe für immer“ vor.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Es gibt kaum einen besseren Einstieg in den langen Abend mit dem Eurovision Song Contest (ESC): In den Stunden vor dem Wettbewerb in Kiew tritt der Sänger Nino de Angelo („Jenseits von Eden“) im „Fritz“ am Herdentorsteinweg auf – vor eingefleischten Fans.

Die Platzzahl ist begrenzt. Etwa 120 Leute sehen das exklusive Clubkonzert. Vor dem ESC hören sie viele persönliche Anekdoten aus dem Leben des Schlagersängers.

Lieblingsschwiegersohn hat heute eine raue Stimme

Nino de Angelo eröffnet den Abend mit dem Lied „Flieger“. Mit der Komposition von Dieter Bohlen kam er beim „Grand Prix“ – so hieß der ESC damals noch – 1989 auf Platz 14. Er gibt zu, dass er und Bohlen mit mehr gerechnet hatten.

Früher ein richtiger Lieblingsschwiegersohn, hat de Angelo heute eine rauere Stimme. Er singt rockiger als in seinen Anfangstagen und geht mit seinen Stimmbändern an die Grenzen. Oft singt er noch weiter, während die Musik vom Band verklingt. Er ist ein Kumpeltyp, der gerne aus seinem Leben erzählt.

Nino de Angelo im Fritz-Theater Bremen 

Die stärkste Veränderung in de Angelos Leben bewirkte zweifelsohne der von Drafi Deutscher komponierte Song „Jenseits von Eden“. „Diesem Song habe ich Gutes und Schlechtes zu verdanken“, sagt de Angelo und erklärt dann ein großes Dilemma im Musikgeschäft: „Wenn Du keinen Erfolg hast, bist Du traurig. Wenn Du Erfolg hast, bist Du traurig, denn es ist keiner mehr ehrlich zu Dir.“ Das Publikum erlebt den Erfolgssong von 1983 aber eindeutig und ausschließlich positiv. Handys werden zum Filmen gezückt.

Erinnerungen an Drafi Deutscher

Drafi Deutscher scheint eine Art musikalischer Vater für de Angelo gewesen zu sein. „Ich war mit meinem Manager in Hamburg und wir trafen Drafi Deutscher in einer Kneipe. Er hatte schon einiges getankt. Mein Manager sagte: ,Drafi, Dein Junge steht hinter Dir.‘ Er umarmte mich und nannte mich ,mein Junge‘. ,Jenseits von Eden‘ war damals gerade draußen – und er sagte: ,Ich hab schon etwas Neues für Dich‘“, erzählt de Angelo. „Er ging an ein Klavier, das in der Kneipe stand und spielte dieses Lied. Genau so.“ Nach ein paar Akkorden erkennen die Fans im „Fritz“ den Song „Das Weinen hab‘ ich längst verlernt“. Die Stimmung springt über. Die Leute klatschen. Als es wieder ruhiger wird, erinnert de Angelo an Drafi Deutscher, der für ihn immer ein Idol gewesen ist. „Ja, das sind Songs. Warum bist Du tot? Es tut weh, er war erst 60.“

De Angelo erzählt von seinem neuen Album „Liebe für immer“. „Das bedeutet für mich Liebe zu allem, was ich tue. Sogar beim Blödsinn machen“, erzählt er – und kommt dann zu einer tiefgehenden Lebenserfahrung, einer Herzoperation. „Sie brachte mich dazu, einen von diesen Songs zu schreiben, der in drei Minuten erzählt, was Du im Leben schon erlebt hast“, sagt er.

De Angelo rechnete mit schwachem Abschneiden Levinas

„Solange mein Herz noch schlägt“ beginnt. De Angelo zeigt, dass er auch nach der Operation noch eine Menge Luft hat. Nach dem Song tritt ein ganz kurzer Moment emotionsgeladener Stille ein, dann klatschen die Leute. De Angelo fragt: „Ihr Lieben, geht es Euch denn gut?“ Den Fans geht es gut. Ein lauter Applaus folgt.

Bei der Einschätzung des deutschen Beitrags zum ESC, Levina mit „Perfect Life“, bewahrt de Angelo gesundes Augenmaß. „Sie singt toll. Ich wünsche ihr viel Glück. Der Song wird eher nicht so hochkommen“, sagt er gegenüber unserer Zeitung. Es sei eine andere Sache als bei Lena mit „Satellite“, die ja ebenfalls eine junge Frau mit einem englischsprachigen Song war. „Lena hatte eine tolle Präsentation. Sie ist auch sehr sexy. Der Song war auch wirklich gut“, sagt de Angelo. Das war wohl einfach mehr.

De Angelo liegt richtig. Sechs Punkte, vorletzter Platz – so lautet das Ergebnis am späten Abend. Auf die Frage, ob man nicht durchaus mit deutschsprachigen Songs zum ESC fahren sollte, sagt er: „Damit ist es schwerer. Mit Nicole und ,Ein bisschen Frieden‘ hat das aber geklappt. Der Song passte auch einfach in die damalige politische Situation.“ Der Portugiese Salvador Sobral, ESC-Gewinner in diesem Jahr, hat auch in seiner Muttersprache gesungen.

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