Die Geschichte einer Rückkehr: Älteste Dokumente des Fischeramts wieder da

„Für Bremen wertvoll“

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Professor Konrad Elmshäuser (l.), Direktor des Bremer Staatsarchivs, und Peter Koch-Bodes, Altmeister des Fischeramts, zeigen die beiden Handschriften.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Wir sind sehr, sehr glücklich“, sagt Professor Konrad Elmshäuser, der Direktor des Bremer Staatsarchivs. „Es ist etwas Tolles aufgetaucht, was niemand vermisst hat.“ Dabei handelt es sich um höchst wichtige Dokumente. „Es geht um den Ursprung unserer Satzung“, sagt Peter Koch-Bodes, der Altmeister des Bremer Fischeramts, über die Handschriften.

Wie berichtet, sind die ältesten Amtsrollen des Fischeramts etwa 500 Jahre nach ihrer Entstehung wieder nach Bremen gekommen. Wie es dazu kam, das haben Elmshäuser und Koch-Bodes gestern erzählt. Die mittelalterlichen Zünfte wurden in Bremen „Ämter“ genannt, ihre Verfassungen „Rollen“. Die „Rollen“, um die es hier geht, sind tatsächlich zwei Bücher im Taschenkalenderformat.

Eines, so Elmshäuser, entstand nach der Reformation. Das andere etwas später: „Kurz vor 1600.“ Wer darf welche Fische auf welche Weise wo fangen? Dinge wie diese sind in den beiden Büchern geregelt – bis in den Bereich der Nordsee hinein. „Lachs kommt sehr häufig vor.“ Themen wie Schonzeiten, Fangnetz- und Maschengrößen sowie Fragen der Mitgliedschaft im Fischeramt ebenfalls.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Fischeramt 1498 in der ab 1489 angelegten „Kundigen Rolle“, die nach dem Zweiten Weltkrieg verschollen war und vor etwa einem Jahr überraschend im kalifornischen Kunsthandel auftauchte (wir berichteten). Die „Kundige Rolle“ kam ins Staatsarchiv zurück.

Die Zunft der Fischer hat ihre Dokumente stets in ihrer Amtslade verwahrt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Amtslade der Fischer – zusammen mit etlichen anderen bremischen Dokumenten – zum Schutz vor Bombenangriffen ausgelagert. Sie kam in einen niedersächsischen Salzstock. Eine Inventarliste wurde nicht angelegt. Dann verliert sich die Spur der ältesten Amtsrollen des Bremer Fischeramts.

1959 wurden sie in New York einer öffentlichen Bibliothek angeboten. In Bremen dürfte das seinerzeit vollkommen unbekannt gewesen sein. Der Handel kam nicht zustande, wie Elmshäuser gestern berichtete. Vor gut einem Jahr, viele Jahrzehnte später also, wurden die beiden Bücher dann in New York als „Handschriften nordeuropäischen Ursprungs“ versteigert. Ein holländisch-amerikanisches Händlerkonsortium griff zu – für etwa 10000 Dollar.

Weil in den Dokumenten mehrmals der Name „Bremen“ zu lesen ist, boten die Käufer die Rollen vor einigen Monaten – im Februar – dem Bremer Staatsarchiv an, so Elmshäuser weiter. Der Archivdirektor ließ sich Scans schicken. Dann ging er gleich zum Fischeramt, das es ja noch gibt – zu Koch-Bodes also. Das Amt habe sich schnell zum Kauf entschieden. Dokumente dieser Art würden hoch gehandelt, gingen aber nicht in den sechsstelligen Bereich hinein, hieß es gestern. Elmshäuser: „Diese Texte sind vor allem in und für Bremen wertvoll.“

Mittlerweile liegen die Handschriften wieder „in ihren schönen Spezialschatullen“ in der Amtslade. Die allerdings steht nicht im Büro von Peter Koch-Bodes („Ich möchte die da auch nicht haben“), sondern wird im achten Stock des Staatsarchivs verwahrt. „Die Stücke sind in einem hervorragenden Zustand“, so Elmshäuser. „Wahrscheinlich hat ein Vorbesitzer sie restauriert.“ Wer sie zur Versteigerung eingeliefert hat, wollte das Auktionshaus nicht offenbaren. Das Staatsarchiv hat die Handschriften digitalisiert. Die Originale können – etwa für Forschungszwecke – eingesehen werden.

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