Premiere in der „Schauburg“

Gesche Gottfried, Bremen und das Gift

Was trieb diese Frau zu ihren Taten? Suzan Anbeh in der Rolle der Bremer Serienmörderin Gesche Gottfried, die mit Arsenik und Mäusebutter 15 Menschen vergiftet hat.
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Was trieb diese Frau zu ihren Taten? Suzan Anbeh in der Rolle der Bremer Serienmörderin Gesche Gottfried, die mit Arsenik und Mäusebutter 15 Menschen vergiftet hat.

Bremen – Wieder und wieder hat ihre Geschichte Künstler zu Büchern, Theaterstücken und Filmen angeregt. So griff beispielsweise Rainer Werner Fassbinder ihren Fall mit der Verfilmung und dem Theaterstück „Bremer Freiheit“ auf. Die Giftmischerin und Serienmörderin Gesche Gottfried gilt als eine der bekanntesten Figuren der Bremer (Kriminal-)Geschichte.

15 Menschen hat sie in den Jahren 1813 bis 1827 mit Arsenik und Mäusebutter unter die Erde gebracht, darunter ihre Kinder, Eltern, Ehemänner und ihren Zwillingsbruder. 1831 wurde die damals 46-Jährige auf dem Domshof öffentlich hingerichtet. Der „Spuckstein“ im Pflaster des Platzes erinnert heute noch daran.

Nun ist der Gesche-Stoff Thema eines neuen Films, der am Donnerstag, 20. Januar, bundesweit in die Kinos kommt: „Effigie  – Das Gift und die Stadt“. Zu den Darstellern zählen Suzan Anbeh, Elisa Thiemann, Christoph Gottschalch, Uwe Bohm und Roland Jankowsky, der in den „Wilsberg“-Krimis im ZDF die Kultfigur „Overbeck“ spielt.

Drehbuch basiert auf historischen Bremer Gerichtsakten

In Bremen zeigt die „Schauburg“ (Vor dem Steintor) den 85-minütigen Gesche-Film des Regisseurs Udo Flohr. Das Drehbuch von Flohr sowie Peer Meter und Antonia Roeller basiert auf Original-Gerichtsakten, die erst im Jahr 1988 wieder zum Vorschein gekommen waren. Am Mittwoch, 19. Januar, beginnt um 19.30 Uhr eine Filmpremiere in der „Schauburg“, zu der Regisseur Flohr und auch Vertreter des Filmteams erwartet werden.

Elisa Thiemann spielt die Rolle der Gerichtsschreiberin Cato Böhmer.

Flohrs Film soll einen neuen Blick auf die Gesche-Geschichte werfen – und legt dabei den Fokus nicht auf eine, sondern auf zwei Frauen. Auf Gesche und Cato. Es geht etwa 200 Jahre zurück in die Vergangenheit, es geht in das Bremen des Jahres 1828. Cato Böhmer tritt eine neue Stelle als Gerichtsschreiberin für Untersuchungsrichter Senator Droste an. Sie möchte Juristin werden – und das in einer Zeit, in der Frauen in Deutschland allgemein noch nicht studieren dürfen.

Als das Kriminalgericht wegen Giftspuren an Lebensmitteln alarmiert wird, glaubt Cato Böhmers Chef zunächst an einen Zufall. Doch schon bald gilt es, eine auffällige Häufung von Todesfällen in der Pelzerstraße im Herzen Bremens aufzuklären. Gesche Gottfried, eine attraktive und als Wohltäterin geschätzte Witwe, scheint ebenfalls in Gefahr zu sein. Dann aber wird sie zur Hauptverdächtigen. Cato Böhmer verhört Gesche Gottfried – ein kinotauglicher Wettlauf gegen die Zeit beginnt; inszeniert in Kulissen, die mit einem klaren Blick für historische Details ausgestattet worden sind.

Die Rolle des Bremer Bürgertums

Gedreht wurde „Effigie“ im September und Oktober 2018 vor allem im Gutshaus Behren-Lübchin im Landkreis Rostock. Es sind auch Bilder aus Bremen zu sehen. Doch mit einem 85-köpfigen Team alles an Originalschauplätzen zu drehen, wäre für die unabhängige Produktion zu teuer geworden. Der Independent-Film kostete so schon 400.000 Euro.

Christoph Gottschalch als Untersuchungsrichter Senator Droste.

Das im Filmtitel erwähnte Gift ist durchaus mehrdeutig zu verstehen. . . der Film nimmt den Gesche-Stoff zum Anlass, verschiedene Fragen aufzuwerfen: Was war es, das die Täterin Gottfried antrieb? Wie verhielten sich Bürgertum und Ärzteschaft? Eine weitere Ebene sind bremische Konflikte im Zusammenhang mit der aufkommenden Industrialisierung und dem Ausbau der Hafenanlagen.

Im Rahmen des Bremer Filmfests 2019 ist „Effigie“ uraufgeführt worden, auch damals schon in der „Schauburg“. Nun endlich kommt er regulär in die Kinos, bei der zeitlichen Verzögerung dürfte die Pandemie auch eine Rolle gespielt haben. „Effigie“ ist ein Film-Bildnis der Bremer Giftmörderin und zugleich ein Frauen-Doppelporträt – ein Historien-Kriminalfilm mit zeitlos aktuellen Themen.

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