Gernot Hassknecht im „Fritz“-Theater

Ein Wutbürger holt zum Rundumschlag aus

+
Den Mund weit aufgerissen: Gernot Hausknecht nähert sich im ausverkauften „Fritz“-Theater seinem nächsten Wutanfall.

Bremen - Von Martin Kowalewski. „Donald Trump ist der Toupet gewordene Online-Pöbel mit dem Wurstfinger am Atomknopf.“ Eine so markante Beschimpfung fällt wahrlich nicht jedem Wutbürger ein. Für Gernot Hassknecht alias Hans-Joachim Heist ist das kein Problem. Am Mittwochabend sorgte er im ausverkauften „Fritz“-Theater am Herdentorsteinweg für Lachattacken und einen fast nie abschwellenden Schmunzelpegel.

Die zweite Bühnenshow von Gernot Hassknecht ist im hohen Maße politisch, obwohl sie den Titel „Jetzt wird’s persönlich“ trägt. An vielen Beispielen aus dem Alltag zeigt er, Politik betrifft die Menschen persönlich. Das gilt etwa für das Thema Krankenversicherung. Er bittet alle Privatversicherten aufzustehen. Das sind nicht viele. „Sie können sich jetzt unter den neidischen Blicken der anderen setzen. Das wird Sie ruinieren, wenn Sie Kinder bekommen oder, was ich keinem wünsche, älter als 60 Jahre werden“, stichelt Hassknecht. „Jetzt bitte die gesetzlich Versicherten aufstehen. Ach, nein. Die gesetzlich Versicherten können ja gar nicht mehr aufstehen.“

Der Komiker setzt sich und mimt einen Telefonhörer. „Ich brauche einen Facharzt-Termin. Ich habe ein Messer im Rücken. Ja? Ultraschall schon in vier Monaten? Oh, das ist ja toll.“ Schuld an der Misere seien die „Ärsche von McKinsey“, die von der Politik ans Krankenversicherungssystem gelassen wurden und es betriebswirtschaftlich ausgerichtet hätten. „Auf dem Land stellt sich gar nicht die Frage, wer bezahlt. Da gibt es keine Ärzte mehr, weil man da nichts verdient. Ich kenne Landärzte, die müssen ihren Golfball zweimal benutzen.“

Zahnarzt-Rechnung an Hermann Gröhe

Etwas später schreibt ein stocksaurer Hassknecht einen Brief an den CDU-Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, anbei eine Rechnung über 2400 Euro für eine Zahnbehandlung, die das Ministerium gefälligst übernehmen solle. „Ich habe der Krankenkasse in meinem Leben einen Geldbetrag überwiesen, mit dem man wohl eine vergoldete S-Klasse kaufen könnte. Das ist wohl die S-Klasse, mit der mein Neurologe jeden Tag vom Golfplatz zum Puff fährt“, schreibt und wettert der wütende Senior. Hassknecht ist über weite Teile der Show auf 180. Immer wieder rudert er mit den Armen oder sticht mit den Händen in die Luft.

Das ist auch so, während er die AfD mit Attacken überzieht. „Die will uns nicht vor der Scharia schützen, sondern eine eigene Scharia durchsetzen.“ Nebenbei bekommt allerdings auch die Burka ihr Fett weg. „Diese seltsame schwarze Fetischkleidung mit Augenschlitzung hat vielleicht auch nicht unbedingt etwas in der Öffentlichkeit verloren“, sagt Hassknecht. „Wer seine Frau unbedingt verhüllen muss, hätte vielleicht vor der Hochzeit genau hinsehen sollen.“

Neuer Besuch in Bremen am 24. Oktober 2018

Dann attackiert Hassknecht Marcus Pretzell, Ehemann von AfD-Frontfrau Frauke Petry. „Er sagt über Petry, sie habe sowas dämonenhaft Schönes. Sagen Sie mal über eine Frau, sie habe sowas dämonenhaft Schönes. Dann können Sie das Thema Hochzeit vergessen“, lästert der Wutbürger.

Der private Hassknecht entpuppt sich als online-affin und verfügt über ein modernes Mobiltelefon. „Heute fragt die böse Stiefmutter natürlich nicht mehr den Spiegel, sondern ihr Handy, wer ist die Schönste im ganzen Land“, sagt Hassknecht. Das lässt er sich von seinem Handy, genauer gesagt von der elektronischen Assistentin Siri, beantworten: „Du bist die Schönste hier. Aber die Olle bei den Sieben Zwergen hat das neueste i-Phone.“

Gernot Hassknecht kommt wieder ins „Fritz“ nach Bremen. Am 24.  Oktober 2018 ist ein Zusatztermin geplant.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Der Montag auf dem Bremer Freimarkt

Der Montag auf dem Bremer Freimarkt

Ägyptische Assassinen und Prinzessinnen retten mit Mario

Ägyptische Assassinen und Prinzessinnen retten mit Mario

Hommage an Farbe: Yves Saint Laurent-Museum in Marrakesch

Hommage an Farbe: Yves Saint Laurent-Museum in Marrakesch

Im Himmelbett am Wasserloch: Luxussafaris in der Savanne

Im Himmelbett am Wasserloch: Luxussafaris in der Savanne

Meistgelesene Artikel

Ladies Night: 2500 Bändchen für mehr Spaß auf dem Freimarkt

Ladies Night: 2500 Bändchen für mehr Spaß auf dem Freimarkt

Musicaltheater: Vertrag bis 2023 mit neuem Betreiber

Musicaltheater: Vertrag bis 2023 mit neuem Betreiber

Neu: Briefmarkenserie mit Kunsthallen-Motiven

Neu: Briefmarkenserie mit Kunsthallen-Motiven

Polizei schnappt fünftes von sechs Mitgliedern einer Diebesbande

Polizei schnappt fünftes von sechs Mitgliedern einer Diebesbande

Kommentare