Bewährungsstrafen für Mutter und Sohn 

Gericht: Duo hat Prostituierte ausgebeutet

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Eine 40-jährige Frau und ihr 24-jähriger Sohn wurden unter anderem wegen Zuhälterei verurteilt. Ihre Verteidiger (hinten) hatten Freispruch beantragt. 

Bremen - Von Steffen Koller. Eine 40-jährige Frau und ihr 24 Jahre alter Sohn sind am Freitag vom Landgericht Bremen unter anderem wegen Zuhälterei und Körperverletzung zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt worden. Das Duo hatte nach Auffassung der Kammer zwei Prostituierten über einen längeren Zeitraum den kompletten Freierlohn abgenommen und diese somit „ausgebeutet“. Von den Vorwürfen des Menschenhandels und der Vergewaltigung wurden die Angeklagten freigesprochen, weil die Hauptbelastungszeugin „eindeutig gelogen“ habe, hieß es in der Urteilsbegründung.

44 Verhandlungstage dauerte der Prozess, mehr als 20 Zeugen und Sachverständigen wurden vom Gericht gehört. Am Ende sei es eine „ungewöhnliche, sehr ungewöhnliche Verhandlung“ gewesen, unterstrich der Vorsitzende Richter Helmut Kellermann. Das habe vor allem an der Hauptbelastungszeugin, einer Prostituierten, gelegen, die im Bremerhavener Rotlichtmilieu anschaffen ging. Ursprünglich waren für den Prozess etwa acht Verhandlungstage angesetzt, nach mehr als 14 hoffte das Gericht auf ein Ende des Verfahrens. Doch daraus wurde nichts. Mehrfache Versuche, die Frau vor Gericht zu vernehmen, scheiterten, was vor allem am gesundheitlichen Zustand der Prostituierten gelegen habe. Auch Versuche, die Vernehmung aus einem Richterzimmer aus durchzuführen, misslangen.

Zu sehr soll die Frau Angst vor der Angeklagten und ihrem Sohn gehabt haben – auch von Vergewaltigung war die Rede. Dieser Vorwurf sowie der Anklagepunkt des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung konnten letztlich nicht aufrechterhalten werden. Erst im Oktober dieses Jahres sei es dem Gericht gelungen, „eine strafprozessual gegebene Vernehmung“ der gebürtigen Ungarin durchzuführen. Bei anderen Terminen war es den Angeklagten nicht möglich, Fragen an die Frau zu stellen.

Freierlohn vorenthalten

Letztlich kam das Gericht dennoch zu der Auffassung, dass die beiden Angeklagten der Ungarin und einer weiteren Frau über mehrere Monate ihren Freierlohn vorenthielten und so um ihr Geld brachten. Kellermann sprach davon, dass die Angeklagten die Frauen „dirigiert und ausgebeutet“ hätten. Zudem verurteilte das Gericht die 40-Jährige wegen Bedrohung und dem versuchten Erwerb einer Kurzwaffe. Sie erhielt eine Haftstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Ihr Sohn, der wegen Zuhälterei und Körperverletzung verurteilt wurde, erhielt eine Haftstrafe von einem Jahr und fünf Monaten, ebenfalls auf Bewährung. Die Bewährungszeit beträgt jeweils zwei Jahre.

Richter Kellermann sagte, der Prozess habe gezeigt, wie schwer es sei, „im Prostituiertenmilieu zu verlässlichen Aussagen zu gelangen“. Das „Aussageverhalten der Zeugin habe ihre „Glaubwürdigkeit zerstört“. Am Ende sei es womöglich besser gewesen, dass der Prozess so lange gedauert habe. „Anfangs roch noch alles nach einer hohen Strafe.“

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