Musik für die Manege

Georg Pommer ist der Schöpfer der Roncalli-Klangwelt

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„Ich bin Transporteur zwischen dem Geschehen in der Manege und dem Orchester“: Georg Pommer im „Café des Artistes“ auf der Bürgerweide.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Kaum jemand ist länger bei Roncalli als er. Gut, Roncalli-Gründer Bernhard Paul natürlich. Aber Georg Pommer ist auch schon seit 1979 dabei. Als Pianist hatte er angefangen. Vier Jahre später vertraute Paul ihm das „Roncalli Royal Orchestra“ an. Pommer wurde musikalischer Leiter des Zirkusunternehmens. Er ist der Vater der Roncalli-Klangwelt.

„Bernhard Paul ist meine längste Beziehung“, sagt Pommer, 1958 in Weinheim (Baden-Württemberg) geboren, im Gespräch im Roncalli-Café auf der Bürgerweide. „Wir haben ein kongeniales Verhältnis.“ Und, auch wichtig: „Ich weiß, was er nicht mag.“ Pommer vergleicht den Zirkusbetrieb mit einem Uhrwerk: „Jedes Rädchen muss funktionieren.“

Eines diese Räder ist die Musik – bei Roncalli natürlich Live-Musik. Die Arbeit in der Manege ist für einen Musiker eine besondere Herausforderung. Pommer formuliert es so: „Es ist jeden Tag anders – das macht es interessant.“

Kein Pferd mache den Trick jeden Tag in der gleichen Sekunde, der Jongleur werfe die Bälle jeden Tag ein bisschen anders, so Pommer. Die Musik muss darauf reagieren. Das Orchester müsse Flexibilität und Spontaneität zeigen.

„Das Menschliche muss passen“

Pommer tritt im Zirkus mit acht Multiinstrumentalisten auf. Ein eingespieltes Ensemble, jedes Rädchen kann auf das andere vertrauen, das Ineinandergreifen funktioniert. Alle sind ausgebildete Musiker – aber es spielt noch eine wesentliche Komponente mit hinein, die man nicht studieren kann: „Das Menschliche muss passen.“

Pommer muss seine Aufmerksamkeit bei den Auftritten – in der Regel zwei Drei-Stunden-Shows pro Tag – in zwei Richtungen zugleich lenken: „Ich bin Transporteur zwischen dem Geschehen in der Manege und dem Orchester. Durch mich wissen die Musiker, was in der Manege passiert.“

Zudem vermittle Zirkusmusik auch „zwischen dem Publikum und den Artisten“, sagt Pommer. „Sie hilft, das Publikum hinzuführen zu dem, was als nächstes passiert.“ Pommer vergleicht Zirkusmusik in ihrer Funktion gern mit Filmmusik. „So darf die Dramaturgie einer Musik ein Bild nur unterstützen, aber nicht zerstören.“

Schon als Kind Klavier gespielt

Ein wesentlicher Unterschied sei eben, dass das eine produziert und geschnitten, das andere live gespielt wird – und dabei in jeder Vorstellung auf andere äußere Einflüsse reagiert werden muss. Da kommt zum Beispiel auch das Wetter ins Spiel. Wenn es draußen stürmt oder Regen aufs Zirkuszelt prasselt, dann muss das Orchester anders spielen als an „leisen Tagen“.

Schon als Kind hat Pommer Klavier gespielt. Er bekam eine klassische Klavierausbildung, er lernte bei einem Professor der Musikhochschule Karlsruhe. Früh bewies Pommer, ein Jazz-Liebhaber, auch ein unvoreingenommen offenes Ohr für andere Musikrichtungen. So begeisterte sich der Elfjährige für den reichhaltigen und harmonisch komplexen Progressive Rock der britischen Band „King Crimson“.

Später studierte Pommer in Bern und in Darmstadt Klavier, Komposition und Musikwissenschaften. Er spricht mit Leidenschaft von Musik, nennt Namen von Jazz-Größen wie Pat Metheny und Chick Corea. Und er erwähnt auch Namen jüngerer Künstler – ein Beispiel ist der hochgelobte Jazzpianist Michael Wollny. Der Schöpfer der Roncalli-Klangwelt – er hat das Ohr am Puls der Zeit.

Alle Infos

Das Roncalli-Programm „40 Jahre Reise zum Regenbogen“ ist noch bis zum 10. Dezember auf der Bürgerweide zu sehen. Gespielt wird von mittwochs bis freitags um 15.30 und 20 Uhr, sonnabends 15 und 20 Uhr sowie sonntags um 14 und 18 Uhr. Karten zu Preisen ab etwa 23 bis 73 Euro gibt es in den Geschäftsstellen unserer Zeitung.

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