Geographen erforschen norddeutsches „Archiv“ der Landschaftsgeschichte

Versunkene Schätze im Watt

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Studenten beproben Sedimentkerne im Labor der Arbeitsgruppe Geomorphologie und Polarforschung an der Bremer Universität. In den Sedimenten des Wattenmeeres vermuten Forscher Spuren eines längst versunkenen Lebens.

Bremen - Von Viviane Reineking. Bei Ebbe wirkt die Landschaft trist und öde. Doch der oberflächliche Blick täuscht: Das größte Wattenmeer der Erde ist nicht nur ein fruchtbarer Lebensraum für Millionen von kleinen Lebewesen wie Würmern und Krebsen, sondern beherbergt versunkene Schätze längst vergangener Zeiten. Diese wollen Bremer Geographen zusammen mit anderen Forschern heben.

Als am Ende der letzten Kaltzeit vor mehr als 10000 Jahren die Temperaturen anstiegen und Nordeuropas Gletscher schmolzen, stieg der Meeresspiegel und führte zu einer großflächigen Überflutung der Landmassen im Bereich des heutigen Nordseebeckens. Ursprünglich wurde dieser Lebensraum von Menschen und Tieren besiedelt, nun entstand vor den Küsten der Niederlande, Deutschlands und Dänemarks das Wattenmeer.

In den Sedimenten sind Spuren des einstigen Lebens bis heute erhalten geblieben. Deshalb gilt das Wattenmeer als ein Archiv der Landschaftsentwicklung, des Klimawandels und der Siedlungsgeschichte. Um diesen versunkenen Landschaften auf den Grund zu gehen, arbeiten Wissenschaftler aus verschiedenen Fachgebieten, darunter den Geowissenschaften, der Biologie und der Archäologie, im Projekt „Wattenmeer Archiv“ zusammen. Mit dabei: Das Institut für Geographie an der Bremer Universität.

Das Projekt „Wasa“ („Wadden Sea Archive“) ist eines von sechs Forschungsvorhaben, die die Volkswagenstiftung gemeinsam mit dem niedersächsischen Wissenschaftsministerium finanziert. Das „Wasa“-Projekt unter Leitung des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung wird in den nächsten vier Jahren mit 1,8 Millionen Euro gefördert. Die Bremer Uni arbeitet hier mit der Forschungsstelle Küste des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz sowie dem Forschungsinstitut Senckenberg am Meer zusammen.

Die Forscher wollen herausfinden, wann die Gebiete des heutigen ostfriesischen Wattenmeeres überflutet wurden. „Wir hoffen, erfassen zu können, wie die Menschen auf den natürlichen Anstieg des Meeresspiegels reagiert haben“, sagt Bernd Zolitschka, Professor für Geomorphologie und Polarforschung (Geopolar) am Institut für Geographie der Universität Bremen. Die wissenschaftliche Untersuchung dieser Landschaftsarchive habe große Bedeutung auch für die Erforschung des Klimawandels im norddeutschen Raum, so der Leiter des Bremer Teilprojektes. Ob man im Hinblick auf den aktuellen, durch Menschen verursachten Meeresspiegelanstieg lernen könne, müsse sich erst noch zeigen.

Vorerst interessiert die Forscher aber, welche Vegetation es gab, wie das Gebiet landwirtschaftlich genutzt wurde und welche Siedlungen existierten. „Wir hoffen, Siedlungsreste zu finden, die uns Aufschluss geben, wie die Menschen dort vor dem Anstieg des Meeresspiegels gelebt haben“, so Zolitschka. „Konkret werden das organische Reste oder auch Gerätschaften im Sediment des Wattenmeeres sein.“

Die Bremer Forscher analysieren die Sedimente von Kernen, die in den kommenden Sommern geborgen werden sollen, auf organische Substanzen und auf Metalle. Beides könne Hinweise auf menschliche Aktivitäten und die natürliche Umwelt der Vergangenheit geben, so der Bremer Geographieprofessor. Dafür untersuchen die Forscher die Sedimentkerne etwa in einem speziellen Scanner, in dem die Proben schnell und hochauflösend auf ihre chemische Zusammensetzung analysiert werden können.

Die Vorbereitung der Proben, die Analysen und Interpretationen sollen auch Studenten des zum Wintersemester startenden, neuen Masterprogramms „Physical Geography: Environmental History“ im Rahmen des „Forschenden Lernens“ übernehmen. Ein weiteres Projektziel ist Zolitschka zufolge auch der Schutz von archäologisch wichtigen Bereichen vor der Zerstörung beispielsweise durch die Verlegung von Unterwasserkabeln. Auch dafür wollen die Forscher herausfinden, wo sich diese versunkenen Schätze befinden.

www.geographie.uni-bremen.de

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