Pflegekräfte von Plänen ausgenommen

Bremer Kliniken sollen 440 Stellen streichen: Ziel ist die schwarze Null

Andrea Bronner
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Neue Chefin im Klinikum Mitte: Andrea Bronner.

Bremen – Bis 2024 will die Bremer Klinik-Holding Gesundheit Nord (Geno) wieder ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen und mindestens eine schwarze Null schreiben.

„Das ist die klare Zielsetzung“, sagte am Freitag Geno-Sprecherin Karen Matiszick im Anschluss an eine Sondersitzung des Aufsichtsrats. Das Gremium befasste sich mit der Mittelfristplanung der Geschäftsführung.

Beschlüsse wurden nicht gefasst. Unter dem Dach der Geno agieren die vier kommunalen Krankenhäuser Mitte, Nord, Ost und Links der Weser mit ihren derzeit rund 8 000 Mitarbeitern.

Der Klinikverbund steckt seit Jahren tief in den roten Zahlen. Für 2020 wird das Defizit auf rund 40 Millionen Euro beziffert. Geno-Chefin Dr. Dorothea Dreizehnter hat ein Sanierungskonzept mit einem Einsparvolumen von 44 Millionen Euro entwickelt, heißt es. Und das beinhaltet unter anderem einen Abbau von 440 Stellen in den vier Kliniken. Ausdrücklich ausgenommen von den Sparplänen sind die Pflegekräfte. Die Geno will bei Ärzten und in der Verwaltung Stellen streichen. Eine Zusammenlegung der vier Großküchen gilt ebenfalls als Option. Auf betriebsbedingte Kündigungen will der Klinikverbund verzichten, heißt es. Die Geschäftsführung plant auch, Betten abzubauen, bestätigte Matiszick. Derzeit verfügen die vier Kliniken der Geno zusammen über etwa 2 800 sogenannte Planbetten. „Ein Abbau von verbundweit 250 Betten steht im Raum.“ Konkrete Pläne gibt es noch nicht. Die Situation sei derzeit wegen der Corona-Pandemie und deren weiteren Entwicklung schwer überschaubar.

Protestaktion

Das „Bremer Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus“ und die Gewerkschaft Verdi haben am Freitag vor dem Sitz der Gesundheitssenatorin gegen den geplanten Stellenabbau protestiert. Das Bündnis hat bislang mit einer Online-Petition gegen den Stellenabbau 1 150 Unterschriften gesammelt. Darin heißt es unter anderem: „Die Corona-Pandemie hat zugespitzt gezeigt: Profite pflegen keine Menschen. Schon vor der Pandemie war der Normalzustand in den Krankenhäusern ein Krisenzustand.“ Ariane Müller, Sprecherin des Bündnisses, sowie Roman Fabian, Betriebsratsvorsitzender des Klinikums Links der Weser, sagen klipp und klar: „Jeder weitere Stellenabbau ist unverantwortlich.“

Die Gewerkschaft Verdi wirft der Geno eine fehlerhafte Personalplanung vor. „Um eine gute Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, braucht es mehr als die direkte Pflege am Bett. Alle Berufsgruppen im Krankenhaus sind dafür unerlässlich“, sagt Gewerkschaftssekretär Jörn Bracker.

Derweil hat die Geno erneut eine Spitzenkraft ausgetauscht. Das Klinikum Bremen-Mitte – mit 850 Planbetten und rund 2 700 Beschäftigten ist es das größte Klinikum der Geno – hat eine neue Chefin bekommen: Dr. Andrea Bronner ist ab sofort geschäftsführende Direktorin in Bremens größtem Krankenhaus. Sie tritt damit die Nachfolge von Dr. Dorothea Stahl an, die den Klinikverbund in der vergangenen Woche verlassen hat. Die 56-jährige Bronner ist Ärztin, aber seit vielen Jahren im Krankenhausmanagement tätig. Die bisherige geschäftsführende Direktorin, Dr. Dorothea Stahl, hat die Klinik nach gut einem Jahr an der Spitze „im gegenseitigen Einvernehmen verlassen“, um sich in der Nähe ihres Wohnortes in Nordrhein-Westfalen beruflich weiter zu orientieren, teilte die Geno mit.

Personalwechsel

Erst Mitte Januar hatte Personalchef Torsten Hintz das Unternehmen verlassen, nach zweieinhalb Jahren. Geno-Chefin Dreizehnter ist seit September 2020 im Amt. Ihre Vorgängerin Jutta Dernedde war im November 2019 geschasst worden. Sie stand siebeneinhalb Jahre an der Geno-Spitze. Böse Zungen behaupten trotzdem, dass die Geno so viele Führungskräfte verschleißt wie der HSV oder Schalke Cheftrainer.

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