Ausstellung „Menschheitsdämmerung“ gibt Einblicke in das expressionistische Jahrzehnt

„Generation von Märtyrern und Kämpfern“

Der Bremer Literaturwissenschaftler Dr. Martin Rooney widmet dem expressionistischen Jahrzehnt eine Ausstellung in der Stadtwaage.

Bremen - Von Jörg EsserBREMEN · „Der Expressionismus ist keine literarische Epoche, sondern eine ansteckende Krankheit“, sagt der Bremer Literaturwissenschaftler Dr. Martin Rooney, „wenn er dich gepackt hat, lässt er dich nicht mehr los.“ Er hat seine Doktorarbeit über den Schriftsteller und Pazifisten Armin T. Wegner geschrieben. Und ist so in den expressionistischen Strudel geraten.

Rooney hat eine Ausstellung konzipiert, die an das expressionistische Jahrzehnt erinnert. Diese wird morgen, am Mittwoch, um 20 Uhr in der Stadtwaage (Langenstraße 13) eröffnet und ist dort bis Mittwoch, 10. März, zu sehen. Auf 22 – von Hanna Logemann gestalteten – Tafeln wird ein Querschnitt von Schriftstellern und Dichtern gezeigt, die zur Generation von „Umgetriebenen, Ausgetriebenen und Unsteten, von Märtyrern und Duldern, von Kämpfern und Beharrlichen, von Frühverstorbenen und in Leiden Gealterten“ gehörten, wie es der Schriftsteller und Journalist Kurt Pinthus einst formuliert. Jener Pinthus, der 1920 mit „Menschheitsdämmerung“ die wohl berühmteste Sammlung expressionistischer Dichtung herausgegeben hat.

Das Buch gilt als klassische Anthologie der expressionistischen Lyrik. Es enthält unter anderem Werke von Gottfried Benn, Johannes Becher, Carl Einstein, Georg Heym, Else Lasker-Schüler, Georg Trakl, Carl Sternheim, Kurt Hiller, Ernst Toller, Paul Zech, Leonhard Frank und Friedrich Wolf. Und es enthält Jakob von Hoddis’ Gedicht „Weltende“ (1911): „Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut. In allen Lüften hallt es wie Geschrei. Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei. Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut. Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen. An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken. Die meisten Menschen haben einen Schnupfen. Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.“ Für Rooney zeigt gerade dieses Gedicht exemplarisch jene zeittypische Mischung aus Alltagsbanalität und Schrecken. „Die Expressionisten wollten nicht an der Oberfläche bleiben, sondern zum wahren Wesen der Menschen und der Welt vorstoßen“, sagt er.

Eine Verspartie des „Welt endes“ ist auch der Titel eines Vortrags am Mittwoch, 24. Februar, um 20 Uhr in der Stadtwaage. In „Der Sturm ist da!“ nähern sich Rooney und Prof. Wolfgang Schlott (Uni Bremen) der Lyrik des Expressionismus. Zu hören ist unter anderem eine Vertonung des Von-Hoddis-Gedichts von Wolf Biermann.

Zum Ausstellungsende – am 10. März, um 20 Uhr – geht es unter dem Titel „Die Wollust der Kreatur, gemenget mit Bitterkeit“ um die Prosa des Expressionismus. Die Ausstellung in der Stadtwaage ist montags bis freitags von 10 bis 14 Uhr sowie dienstags und donnerstags auch von 16 bis 19 Uhr geöffnet.

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