Gemüse in Geometrie

„Mein Kunst-Stück“ mit Ernst Matzke: „simply potato“

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Ernst Matzkes Bild „simply potato“ ist eines aus seiner Serie „simply . . .“. Auffallend ist der weiße Hintergrund.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Simply potato“ („einfach Kartoffel“) heißt Ernst Matzkes Bild, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es zeigt eine detailgetreu gemalte Kartoffel. Einige senkrechte und waagerechte Linien bilden den Hintergrund.

Ernst Matzkes naturalistisch dargestellte Kartoffel ist umgeben von viel weißer Leinwand. Es sieht aus, als ruhe sie in einer angefangenen technischen Zeichnung aus geraden Linien. Das 50 mal 50 Zentimeter messende Werk aus diesem Sommer gehört zu Matzkes Serie „simply . . .“. Während bei „simply potato“ der Hintergrund weiß ist, besteht er bei den anderen Werken der Reihe aus farbigen Geraden und geometrischen Farbflächen.

Mit „simply . . .“ widmet sich Matzke dem Kontrast von naturalistischer Darstellung zu geometrischen Formen und den damit verbundenen Kunstrichtungen. Die Spannung erzeugt der Bremer Künstler, indem er die organischen Objekte in eine nicht-gegenständliche Umgebung setzt. Der geometrische Hintergrund entspricht dem Kunstkonzept der „art concret“ aus den 20er Jahren. Es sieht vor, dass ein Kunstwerk ganz für sich sprechen soll, allein durch Form und Farbe. Es soll nichts darstellen und auch nicht in abstrakter Form an etwas Gegenständliches erinnern.

Matzke bricht dieses Konzept der „art concret“ mit seinen platzierten Objekten. Durch das gemalte Gemüse macht unser Gehirn aus einem Farbfeld eine Ebene, auf der das Objekt liegt. Es schafft ein Oben und Unten. Mit dem gemalten Schatten erzeugt der Künstler eine imaginäre Lichtquelle – und Räumlichkeit. Selbst der Faktor Zeit zieht durch die Vergänglichkeit der Motive in die Assoziationen ein.

Immer nur „Zeichnen im Kopf"

Ob wir Kunst brauchen? – „Ich halte sie für sehr wichtig“, sagt Matzke. Menschen an Kunst heranzuführen, sei eine grundlegende Aufgabe der Bildung. „Durch Kunst können wir abstraktes Denken lernen. Es ist eine Fähigkeit, die jeder hat, wenn er sie zulässt.“

Matzke selbst hatte schon als Kind immer nur „Zeichnen im Kopf“. Als er während eines Krankenhausaufenthalts Malsachen gegen die Langeweile geschenkt bekam, entstanden die ersten Aquarelle. Seinen Wunsch, Kunst zu studieren, lehnte der Vater ab. Die Mutter schlug als Kompromiss ein Grafikstudium vor. So studierte Matzke letzteres, nahm aber nebenbei an Kursen für freie Kunst teil. Die Werbegrafik wurde zum erfolgreichen Beruf. Gemalt hat Matzke nebenbei. Seit der Jahrtausendwende ist er zu 100 Prozent freischaffender Künstler. „Kunst ist ein Muss, solange ich atme, Kopf und Hände habe. Je älter ich werde, desto intensiver arbeite ich, weil mir die Endlichkeit der eigenen Zeit bewusst wird.“ Die große Herausforderung in der Kunst sei es, sich selbst zu finden. „Das Chaos im Kopf zu einem Thema will konkretisiert und dann vereinfacht und planvoll als Form auf die Leinwand gebracht werden.“ Seine geometrischen Bilder malt Matzke mit äußerster Präzision per Hand. Dagegen nutzt er für seine großformatigen „visionären Bildwelten“ das Zeichentablet am Computer.

Zu den Künstlern, die für ihn bedeutend sind, zählt Matzke den Niederländer Theo van Doesburg (1883 bis 1931) und den deutschen Kontruktivisten Max Hermann Mahlmann (1912 bis 2000). Sie beeinflussten Matzkes eigenes Schaffen. Van Doesburg schrieb das Manifest zur „art concret“, und auch Mahlmann orientierte sich nach dem Zweiten Weltkrieg an der kontruktiv-geometrischen Kunst, die bei den Nationalsozialisten noch als „entartet“ galt.

Wenn Matzke jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, ginge die Computergrafik „Aufbruch in die Fremde“ an alle, die sich angesichts der Flüchtlingskrise vor Überfremdung fürchten und an jene, die diese Ängste schüren. Wanderungen gebe es seit es Menschengedenken, meint Matzke. Wer wirkliche Todesangst im Krieg erlebt hat, könne diese diffuse Angst nicht nachvollziehen.

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