Jugendliche aus sieben Bundesländern beim Feuerwehrzeltlager

„Gemeinschaft leben“

Marktplatz und Kantine: 90 Helfer sind seit Tagen im Einsatz und packen an. Foto: MARVIN PRIESER/JUGENDFEUERWEHR BREMEN

Bremen - Von Steffen Koller. Mehr als 600 Kinder und Jugendliche, 90 Helfer – und 100 Kilo Nutella: Seit Montag läuft das siebte Landeszeltlager der Bremer Jugendfeuerwehr. Was in erster Linie nach Sport, vor allem Spaß und jeder Menge Freizeit klingt, wird seit mehr als zwei Jahren akribisch vorbereitet. Schließlich gilt es, ein Dorf auf mehr als 30 000 Quadratmetern zu errichten. Alle vier Jahre findet das Zeltlager in Bremen statt.

Dienstagmittag, 12 Uhr: Graue Wolken hängen über dem Werdersee, hier und da durchbricht Vogelzwitschern die Idylle. Von den Bewohnern der rund 100 Zelte ist zunächst nicht viel zu sehen, geschweige denn zu hören. Viele der Kinder und Jugendlichen im Alter von zehn bis 18 Jahren streifen noch durch die Stadt – ein Besuch im Focke-Museum, Besichtigungen des Flughafens oder des Rathauses stehen auf dem Programm. „Es wird gleich voll. Dann kommt der erste Schwung“, sagt Camp-Leiter André Fuchs. Er soll Recht behalten. Kurz vor 13 Uhr strömen etwa 250 hungrige Mäuler zur Essensausgabe. Rund 500 weitere werden in der nächsten Stunde folgen. Satt werden im Akkord. Doch von Chaos keine Spur.

Damit eine Woche lang alles reibungslos über die Bühne geht, sind 90 ehrenamtliche Helfer im Einsatz. Sie koordinieren, bauen auf, gestalten das Freizeitprogramm. Und sie kochen. 7 000 Brötchen, so Fuchs, gehen während der gesamten Campdauer über den Tresen. Hinzukommen 100 Kilo Nutella, 60 Kilo Kaffee und mehr als 1 700 Liter Milch. Nicht mit einberechnet: die mehreren hundert Kilo Fleisch, Nudeln und Kartoffeln, die täglich ab 5.30 Uhr im Zwei-Schicht-System für Mittag- und Abendessen in der Neustädter Feuerwehrwache verarbeitet werden. „Wir kochen alles selbst“, sagt der Camp-Leiter mit gewissem Stolz.

Gleich gegenüber steht das Verwaltungszelt, in dem nicht nur die Camp-Zeitung „Lagerfeuer“ täglich ausgelegt wird, sondern auch Wasserpistolen und Sonnencréme in der Auslage liegen. „Ladenhüter“, meint Fuchs und schaut Richtung des grauen Himmels. „Dafür sind die Milchshakes der Renner“, sagt er und führt in die Cafeteria. „Reichhaltige Verpflegung ist wichtig. Wichtig für die Moral“, weiß Fuchs.

500 Meter Schlauchleitungen haben Helfer bereits Tage vorher verlegt, aufgrund des Wetters wurde kurzfristig sogar ein Trockenzelt provisorisch errichtet. Dass alle Beteiligten viel Engagement und Herzblut in die Aktion stecken, weiß Vincent aus Berlin zu schätzen. Der 18-Jährige ist bei der Feuerwehr in Pankow und als Betreuer zum ersten Mal in Bremen. Seine Schützlinge, so der Berliner Abiturient, seien „alle ganz lieb“. „Manchmal können sie auch anders“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Besonders beeindruckt habe ihn die sehr gute Organisation – und dass die Kinder seiner Gruppe trotz (oder gerade wegen) des Handyverbots „super Laune“ hätten.

Super Laune herrsche eigentlich immer, meint Camp-Leiter Fuchs. Auch weil „hier Gemeinschaft gelebt und Freundschaften gepflegt“ werden. Feuerwehrtechnische Aspekte stünden daher gar nicht im Mittelpunkt, auch wenn an den Nachmittagen schon der ein oder andere Wettbewerb stattfinde. Floßbauen und Volleyballturniere wechseln sich mit Disco und Quizabenden ab. Dazwischen spontane Fußballspiele und viel frische Luft. Vincent drückt es so aus: „Wir haben einfach eine coole Zeit.“

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