„Auf einen Espresso“ mit Anette Moltzen von der „Tiertafel“ Bremen

Der gemeinsame Nenner

Anette Moltzen fängt oft beim kleinsten gemeinsamen Nenner an. ·
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Anette Moltzen fängt oft beim kleinsten gemeinsamen Nenner an. ·

Bremen - Von Ilka Langkowski. Anette Moltzen leitet die „Tiertafel“ Bremen. Dort wird jeden zweiten Freitag Futter an Tierhalter in Not ausgegeben. Hauptberuflich arbeitet die gelernte Krankenschwester und studierte Sozialarbeiterin im Sozialdienst des Krankenhauses Links der Weser.

„Jeder Tag ist ein ,Tiertafel‘-Tag“, sagt Moltzen. Über Handy und die „Tiertafel“ Homepage bearbeitet Moltzen mit ihrem Team Anfragen von Futterspendern und Kunden. Außerdem koordiniert sie die Zusammenarbeit mit Tierärzten, informiert die Tierhalter und organisiert Veranstaltungen. Am meisten Spaß macht es Moltzen dabei, im Team zu arbeiten – besonders, wenn die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten gelingt. Müßig sei es, wenn einige Kunden die Verantwortung für ihr Tier nicht selbst tragen wollen und Tipps zur Selbsthilfe nicht beherzigen, sagt sie.

Moltzen hat sich Zeit für unsere Serie „Auf einen Espresso“ genommen, in der wir Bremer Prominente und engagierte Macher kurz privat vorstellen – mit einem Gegenstand, der für sie eine besondere Bedeutung hat. Sie hat einen Ansteckbutton mit einem Bild der Hündin „Pia“ dabei. „Dieser Button steht für eine Art Lebensmotto“, erzählt Moltzen, „es ist der ‚kleinste gemeinsame Nenner‘.“

„Pia“, eine alte Retriever-Dame, war aus einer Familie mit zwölf Jahren ins Tierheim gegeben worden. Moltzens eigener Hund war gerade gestorben. „Es war nicht so etwas zwischen uns wie ‚gesucht–gefunden‘“, sagt sie, „aber ich wurde Pias Pflegestelle und habe sie dann behalten.“ Beide hätten einander Trost gegeben: „Wir teilten unsere Trauer, das war unser ‚kleinster gemeinsamer Nenner‘“. Der kleinste gemeinsame Nenner mache vieles möglich, weiß die „Tiertafel“-Leiterin, und lasse Kontakte zu, die es sonst nicht gäbe. Schon früher in ihrem Leben ließen sich dafür Beispiele finden. Während des Studiums etwa habe sie in der Kneipe des Kulturzentrums Schlachthof gejobbt, erzählt Moltzen. Nach oft sehr unterschiedlichen, parallel stattfindenden Veranstaltungen wie Brecht-Lesungen und Punk-Konzerten hätten sich am Ende alle in der Schlachthofkneipe getroffen. Dort seien völlig verschiedene Menschen und Charaktere ins Gespräch gekommen, erzählt die Sozialarbeiterin.

Ähnliches erlebte sie in einer freiwilligen Jugendwohngruppe. Die Jugendlichen aus unterschiedlichen Familienverhältnissen habe ein gemeinsamer Nenner verbunden, nämlich der Wunsch, nicht mehr zu Hause wohnen. Der „kleinste gemeinsame Nenner“ erfordere gegenseitigen Respekt und Achtsamkeit. Dies gelte auch für die Arbeit in der „Tiertafel“ und im Sozialzentrum, sagt Moltzen, aber es lohne sich: „Aus dieser Herangehensweise ergeben sich große Möglichkeiten.“

Sechs fixe Fragen

Was verbindet Sie mit Bremen?

Moltzen: Ich bin in Bremerhaven geboren und 1984 nach Bremen gezogen. Ich liebe das Wasser und die Neustadt.

Welchen Ort mögen Sie besonders?

Moltzen: Grolland und den Park Links der Weser. Auch Rablinghausen mag ich – mit und ohne Hund.

Was würden Sie auswärtigen Gästen in Bremen zeigen?

Moltzen: Den Bremer Dom, die „Tiertafel“ in der Faulenstraße und die „Dog-City“ in Stuhr.

Welches ist Ihr Lieblingstier?

Moltzen: Eigentlich habe ich keins. Früher hatte ich Katzen. Hunde waren mir eher suspekt. Nun habe ich wieder einen Hund aus dem Tierheim. Hunde sind super Begleiter, und man ist viel draußen. Es macht einfach Spaß, mit einem Hund zusammenzuleben.

Was würden Sie tun, wenn Sie jetzt spontan einen Tag frei hätten?

Moltzen: Ich würde sofort mit meinem Hund an die Nordsee fahren.

Was macht Sie schwach?

Moltzen: Bei Tapas und einem schönen Eisbecher werde ich schwach. Das passt beides immer.

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