„Fußball als gesellschaftlicher Kitt?“ / Diskussion der BEK im Ostkurvensaal

Gemeinsam Richtung Stadion

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Michael Schnepel vom Christlichen Fanclub „Totale Offensive Werder Bremen“.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Gottesdienst und der Besuch im Fußballstadion haben durchaus etwas gemeinsam, sagt Sozial- und Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne): „Beides hat einen zeitlichen Rahmen, Lieder werden gesungen, und Menschen suchen dort Zugehörigkeit.“ Die Podiumsdiskussion „Fußball als gesellschaftlicher Kitt?“, veranstaltet von der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK), zeigt am Mittwochabend im Ostkurvensaal des Weserstadions verschiedene Aspekte dieses Sports.

Der Stadionpastor der Frankfurter Eintracht, Eugen Eckert (64), der in der Spielarena Kinder tauft und Paare verheiratet, berichtet von religiösen Vorerfahrungen im Stadion. Um das deutlich zu machen, singt er: „Und wir holen den Pokal. Halleluja!“

Ein Grundtenor ist: Die großen Vereine erkennen zunehmend, dass sie eine soziale Verantwortung haben und dass sie sich bemühen müssen, alle gesellschaftlichen Gruppen als Fan oder auch als Hobby-Sportler einzubeziehen. Schafft das Durchmischung? Jens Höhn (47), Sozialpädagoge beim „Werder-Fanprojekt“ für aufsuchende Jugendarbeit, sagt, dass sich Jugendliche den VIP-Bereich natürlich nicht leisten könnten, Werder aber in der Ostkurve auf ihre Weise unterstützten. Birte Brüggemann (48), Leiterin der Abteilung Frauen- und Mädchenfußball bei Werder Bremen, sieht dennoch viele Kontaktmöglichkeiten: „Es gehen alle gemeinsam Richtung Stadion. Es spricht jeder jeden an, egal, ob man sich kennt oder nicht.“

Höhn erzählt die Geschichte des Fanprojekts, die zeigt, wie man über Fußball positiv auf Jugendliche wirken kann. Es wurde 1981 aus einer Hochschulgruppe gegründet, in einer Zeit, als es viele Probleme mit rechtsradikalen Skinheads gab. „Es war richtig, dass Sozialarbeiter einen Blick darauf geworfen haben. Das Konzept ist aufgegangen. Wir hatten in den 80ern viel Gewalt und auch noch in den 90ern“, sagt Höhn. „Inzwischen ist es dagegen möglich, dass nahezu alle Menschen einen angenehmen Tag im Stadion verbringen können.“ Bei menschenverachtenden Äußerungen reagierten die anderen Zuschauer.

Ilka Böttcher (49) aus dem Publikum hat beim TV Eiche Horn auch mit Asylbewerbern trainiert. „Das hat wunderbar geklappt. Es entstanden Freundschaften über die Nationalitäten hinweg“, berichtet sie.

Im Werder-Schal tritt Michael Schnepel (70) vom Christlichen Fanclub „Totale Offensive Werder Bremen“ ans Mikro. „Wir stehen für Versöhnung statt Gewalt. Wir machen vor dem Spiel immer einen Gottesdienst“, sagt er. Die Bremer behandelten seinen Fanclub ohne Vorbehalte, sagt der 70-Jährige.

Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen komme beim Fußball nur schleppend voran, heißt es am Abend. Birte Brüggemann erinnert an die junge Geschichte dieses Sports: „Bis 1970 war Frauenfußball unter Strafe verboten.“ Er galt als unweiblich, man habe geglaubt, der Tritt gegen den Ball gefährde die Gebärfähigkeit. Den Fußballerinnen von Werder, zur Zeit noch in der 1. Liga, gehe es finanziell schlechter. Sie alle hätten einen normalen Job und so eine 70- bis 80-Stunden-Woche, „etwas für echte Idealistinnen“.

Immerhin erreichte die Fußball-Nationalmannschaft der Frauen zwei WM- und einen EM-Titel. Moderatorin Beate Hoffmann erzählt, was Kicker für einen WM-Titel bekommen: Männer 300 000 Euro, Frauen 22 500 Euro.

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