„Mein Kunst-Stück“ mit Ronald Fitaroni Chagas: „Erschöpfbarkeit“

Gemalte Demontage

Ronald Fitaroni Chagas – kurz: Fita Chagas – verwendet Farben und Formen, Motive und grafische Zeichen, die uns aus dem Alltag bekannt sind. - Foto: Langkowski

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Erschöpfbarkeit“ heißt das Bild, das der Bremer Künstler Ronald Fitaroni Chagas in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Die Darstellung, die an eine grafische Montageanleitung erinnert, ist auf Leinwand gemalt. Und da ist noch etwas…

Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass die Richtungspfeile eine Demontage beschreiben. Sie verweisen in Verbindung mit dem Titel „Erschöpfbarkeit“ auf das Ende der Dinge, den Zerfall oder einfach ihr Verschwinden. In seinen Bildkompositionen verwendet Chagas Farben, Formen und grafische Zeichen, die uns aus dem Alltag bekannt sind. Bild- und Sprachebene ergänzen sich. „Fund“ heißt beispielsweise ein gemalter Ortsplan mit Kinderfoto und „Angelita“ das hinter Sprechblasen unbeeindruckte Gesicht der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Titel gebe beim Enträtseln einen Impuls, meint der gebürtige Brasilianer. Interpretation sei aber immer individuell und auch vom Zeitgeist abhängig.

Das Bild „Erschöpfbarkeit“ hat Chagas ausgesucht, weil es extrem reduziert ist und viele Ideen zulässt. Ihm selbst schwebte bei dem Begriff Erschöpfbarkeit das Ende von Ideologien, Gebräuchen oder Ressourcen vor.

In Chagas‘ Bilder verwischt die Grenze zwischen am Computergrafik und handwerklicher Malerei. Aus dem kalten Strich der Grafik werde durch den Pinselstrich etwas Lebendiges, findet der Künstler. Öl auf Leinwand gebe der Darstellung eine höhere Wertigkeit und der Aussage mehr Gewicht. Aktienkursdiagramme und Wetterkarten macht der Wahl-Bremer zu durchdachten Kompositionen aus Fläche, Farbe und Zeichen.

In die Kunst ist Chagas reingewachsen. Als seine Familie von Brasilien in die USA zog, begann der Zeichner und Illustrator ein Multimedia-Studium. Anschließend besuchte er eine Kunstschule. 1996 zog er mit seiner Freundin nach Bremen und absolvierte ein Studium der Gestaltung in Hamburg. Die große Herausforderung des Künstlerlebens sei es, so viel von seinen Arbeiten in den öffentlichen Raum zu bringen, dass man genug Aufmerksamkeit erhält, um von dem Verkauf leben zu können, so Chagas.

Kunst macht uns neugierig, meint er: Wir möchten entdecken, welche Gedanken die anderen haben. Zu den Künstlern, die für Chagas besonders bedeutend sind, zählen die deutschen Zeitgenossen Georg Baselitz und Neo Rauch. Baselitz wegen seiner expressiven Darstellung schwerer und komplexer Themen, voller Energie und Leichtigkeit. Rauch wegen seiner Komposition und Gestaltung der Fläche.

Wenn Chagas jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge „Angelita“ an Kanzlerin Angela Merkel: „So kann sie mal sehen, wie sie wirken kann.“

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